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Restless

Restless
drama , usa 2011
original
restless
regie
gus van sant
drehbuch
jason lew
cast
mia wasikowska,
ryo kase,
schuyler fisk,
henry hopper,
jane adams, u.a.
spielzeit
91 Minuten
kinostart
13. Oktober 2011
homepage
http://www.restless-film.de
bewertung

7 von 10 Augen

Regisseur Gus Van Sant segelt mit der poetischen Liebes- und Sterbensgeschichte „Restless“ gefährlich nah an den Klippen der Kitschigkeit á la „Love Story“ entlang, kommt aber mit einem bedenklichen Knirschen gerade noch davon. Der Film lebt durch das überzeugende Spiel von Hauptdarstellerin Mia Wasikowska („Alice im Wunderland“) und die wunderbar komponierten Bilder im Restless - Paarherbstlichen Portland. Beide sind eingebettet in ein Tableau  aus knuffigen Kuriositäten im Stile von Wes Anderson, mit einem aus der Standard-Indie-Trickkiste gefischten Neofolk-Soundtrack (Nico! Sufjan Stevens! Die Beatles!) und mit einem Kostümdesign, das den Fundus von „Harold & Maude“ und „Frühstück bei Tiffany“ geplündert zu haben scheint.

„Restless“ ist ein Gleichaltrigen-Pendant des 21. Jahrhunderts zu dem wunderbaren Klassiker „Harold & Maude“ - allerdings sind hier beide Figuren Harold. Der junge Enoch Brae (Henry Hopper) hat einen imaginären Freund, einen Kamikaze-Piloten-Geist namens Hiroshi (Ryo Kase) und geht als Freizeitbeschäftigung zu fremden Beerdigungen. Dort trifft er Annabel Cotton (Mia Wasikowska), ein bezauberndes Wesen, das aufgrund eines Hirntumors aber nur noch drei Monate zu leben hat. Die lebensbejahende Annabel reißt ihn aus seiner Melancholie und es entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte.

Aufgrund seines mehrfach bewiesenen Gespürs für jugendliche Figuren schafft es Van Sant, dass auch dieses plotarme, poetisch überhöhte Coming-of-Age-Drama in seichten Gewässern nicht auf Grund läuft. Obwohl die üblichen Marker für Indie-Kino gesetzt werden, ist „Restless“ kein kleiner Arthousefilm, sondern durch seine Betonung der Emotionen und seine wunderschönen, blass leidenden und morbiden Figuren vor dem herbstlich kühlen Oregon auch ansprechend für das „Twilight“-Publikum.

Restless - PilotIm Gesamtwerk von Gus Van Sant ist „Restless“ kein großer oder außergewöhnlicher Film, aber ein Beispiel dafür, wie man aus Teenage Angst und einem Hauch von Plot Poesie schaffen kann, die auch ohne Aussagen jenseits von „Carpe diem“ noch schön anzuschauen ist. Der Film ist zugänglich wie „Good Will Hunting“ oder „Milk“ und weit entfernt von Van Sants eher sperrigen Werken wie „Elephant“, der einst die Goldene Palme in Cannes gewann. „Restless“ hingegen schaffte es in Cannes nicht einmal in den Wettbewerb, sondern eröffnete die Sektion „Un certain regard“.

Überzeugend sind die Szenen mit Wasikowska und Hopper. Mia Wasikowska hat schon in der bald startenden Neuverfilmung von „Jane Eyre“ sowie mit ihrem großen Durchbruch als undurchschaubare Psychotherapeuten-Patientin in der Fernsehserie „In Treatment“ bewiesen, wozu sie im Stande ist. Hier erinnert sie optisch (auch mit den kurzen Haaren) an ihre Kollegin Carey Mulligan. Wie diese wirkt sie zwar zerbrechlich, spielt aber kraftvoll und scheinbar mühelos. Henry Hopper hingegen gibt hier sein Leinwanddebüt, sieht seinem berühmten Vater Dennis Hopper auch ähnlich, kann jedoch nicht ganz überzeugen, da sein Spiel nur wenige Nuancen zeigt. Potential ist jedoch erkennbar.

Restless - KussDie hervorragenden Nebendarsteller Schuyler Fisk und Jane Adams sind leider kaum gefordert, da sie nur wenige spielerisch spannende Szenen bekommen. Die Figur des Kamikazeflieger-Geistes Hiroshi ist hingegen zwar wunderschön anzuschauen in historisch exaktem Kamikazekostüm, ist aber eigentlich irrelevant für die Geschichte. Dass er und Enoch „Schiffe versenken“ spielen, erscheint geschmacklich fragwürdig. Annabels Krankheit hingegen findet implizit statt. Hier gibt es keine Tumor-induzierten Rasereien und körperlichen Verfall wie in Andreas Dresens „Halt auf freier Strecke“. Es geht stattdessen um große Emotionen wie Liebe und Teenage Angst, umgesetzt mit dem Mittel poetischer Überhöhung.

Zur Grundstimmung und dem außergewöhnlichen Spiel Wasikowskas kommen wunderbare Bilder und Schnitte. Der Zuschauer kann sich auch dem Soundtrack kaum entziehen, so dass sich final ein stimmiges, wenn auch Plot- und blutarmes Bild ergibt. Van Sant ist jetzt 59. Dass das Alter des Regisseurs irrelevant ist dafür, ob sich dieser in ein junges Publikum versetzen kann, zeigt sich in „Restless“. Es ist jedoch zu hoffen, dass er sich nun wieder einem eigenen Stoff widmet.

Auch außerhalb des Films konnte der Hauptdarsteller Henry Hopper leider keinen Abstand von Traurigkeit nehmen: Während der Dreharbeiten zu „Restless“ verstarb sein Vater Dennis Hopper („Easy Rider“) an Krebs. Dieser Film ist ihm gewidmet.

Margarete Prowe

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