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Reine Formsache

Reine Formsache
romantische komödie , deutschland 2006
original
regie
ralf huettner
drehbuch
ralf huettner, béla jarzyk
cast
christiane paul,
bastian pastewka,
marc hosemann,
oliver korritke, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
13. April 2006
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

Wenn die Hollywood-Maschine romantische Komödien ausspuckt, dann kann es das Problem geben, dass sie langweilig-mainstreamig sind. Wenn sich Menschen in deutschen Landen an dieser Gattung versuchen, kann das Ergebnis zauberhaft sein wie "Im Juli" oder es kann daran kränkeln, dass es weder romantisch noch lustig ist. "Reine Formsache" von Regisseur Ralf Huettner ("Mondscheintarif") gehört leider zur zweiten Sorte, was umso mehr schmerzt, da "Im Juli"-Sonnenschein Christiane Paul auch in diesem Werk mitspielt.

Pola (Christiane Paul) und Felix (Marc Hosemann) lernen sich auf der Hochzeit ihrer Freunde Gustav (Bastian Pastewka, "Der Wixxer") und Effi kennen. Jahre später ist bei diesen Freunden allerdings der Hochglanz des Hochzeitsfotos dem matten Bild des trüben Alltags gewichen. Pola und Felix treffen sich nach Monaten der Trennung vor dem Scheidungsrichter, da Pola die Schnauze gestrichen voll hat von ihrem spielfreudigen und mindertreuen Freund. Als der Richter eine Herzattacke bekommt und ihr Scheidungstermin verschoben wird, wittert Felix eine Glückssträhne und versucht Polas Liebe zurück zu gewinnen. Die hat aber mittlerweile einen französischen Freund und gar keine Lust mehr auf ihren Angetrauten. Und dann wird Felix noch von seiner Daueraffäre Ada, der Freundin seines sehr eifersüchtigen Kumpels Wito (Oliver Korittke, "Bang Boom Bang") verfolgt, während der spießige Gustav gerade das erste Mal fremdgehen möchte. Als ob das nicht reicht, ist Felix' Vater (Michael Gwisdek, "Goodbye, Lenin") verwirrt und paranoid, so dass Pola und Felix ihm dauernd eine harmonische Ehe vorspielen müssen.

"Reine Formsache" will viel sein, ist es aber nicht. Die Handlung lässt an das Genre der Screwball-Komödie (wie "Leoparden küsst man nicht" oder "Die Nacht vor der Hochzeit") denken, aber dafür ist dieser Film nicht witzig genug und fällt zwischendurch in tiefe Täler des Dramas. Die Charaktere sind verbittert, viele Dialogpassagen traurig-zynisch, und so will die notwendige amüsante Grundstimmung einfach schwer aufkommen. Peinliche Slapstickeinlagen wie Felix, dessen Hand in einem Kondomautomaten feststeckt, so dass er ihn einfach abreißt und mitnimmt, könnten witzig sein, sind es aber durch die Inszenierung der Szene nicht. Hinzu kommt, dass zwar wunderbar witzige Schauspieler wie Pastewka und Paul ausgesucht wurden, aber dafür der Hauptdarsteller eine Gurke ist, die anscheinend Ben Afflecks Schauspielkünste in Deutschland vertritt (und dafür haben wir doch schon Til Schweiger). Jeder, absolut jeder, inklusive der Statisten, spielt besser als Marc Hosemann.
Zusätzlich ist der Spannungsverlauf nur selten zu erkennen und die Szenen scheinen einfach aneinandergereiht: Pola und Felix nähern sich an, stoßen sich ab, nähern sich wieder an, entfernen sich wieder voneinander und so weiter und so fort. Und warum müssen immer Klischees eingesetzt werden, als würde einem nichts Besseres einfallen? Der Liebhaber ist Franzose, Treffer, die Endszene spielt am Strand, Treffer. Wenn man sich endgültig trennen will, landet man im Bett, Treffer.

Schwungvoll wird der Film trotzdem manchmal, wenn sich Situationen ergeben, in denen die Schauspieler ihr komisches Potential endlich ausspielen dürfen. Wunderbar sind auch alle Szenen, in denen Felix' Vater auftritt, da sie dieser reinen Formsache den zarten Atem der wahren Liebe einhauchen, die so viel schöner ist als alles, was die folgende Generation so vor sich hinwurschtelt. Die Schwierigkeiten der Ehe an sich sind im Dialog der Eheleute Gustav und Effi treffend dargestellt, so dass der Zuschauer amüsiert grinsen kann. Die Kamera und die Musik sind passend zart und weich, so dass die Atmosphäre des Films trotz Slapstick und Langeweile sehr schön ist.

Statt leichtfüßig zu sein, ist "Reine Formsache" also leider eher ein Plattfuß des Genres, was angesichts der Schauspieler und der Möglichkeiten der Geschichte schade ist.

Margarete Prowe

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