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Wie in unserem Jahresrückblick
bereits erwähnt worden ist, war das vergangene Jahr kein
besonders
prickelndes für das deutsche Kino. Mit großer Sehnsucht
wartete man auf eine besondere Handschrift oder eine
eigene
Vision. Umso erfreulicher, dass das neue Jahr gleich mit
einem wunderbaren
deutschen Autorenfilm beginnt. Die Rede ist vom neuen
Christian
Petzold-Film "Jerichow".
In "Jerichow" trifft der ehemalige Bundeswehrsoldat Thomas (Benno Fürmann) auf Ali (Hilmi Sözer), den Besitzer einiger Imbissbuden. Als Ali der Führerschein für ein Jahr entzogen wird, braucht er einen Fahrer, und da Thomas gerade arbeitslos ist und das Geld gut gebrauchen kann, sagt er sofort zu, als Ali ihm den Job anbietet. An seinem ersten Arbeitstag lernt Thomas auch Alis Ehefrau Laura (Nina Hoss) kennen. Zögerlich und widerwillig verlieben sich Thomas und Laura ineinander. Sie versuchen ihre Affäre vor Ali zu verheimlichen, der von Zeit zu Zeit aus purer Eifersucht seine Frau verfolgt und beobachtet.
Ali, Thomas und Laura - Es ist ein fatales Liebesdreieck,
welches
Christian Petzold in seinem existenzialistischen Thriller
entfaltet.
Das Drehbuch orientiert sich lose an dem Roman "Wenn der
Postmann
zweimal klingelt" von James M. Cain, dessen Werk
maßgeblich
den Film-Noir beeinflusst hat. "Wenn der Postmann zweimal
klingelt"
wurde bereits dreimal verfilmt. Das erste Mal 1946 in den
USA mit
dem deutschen Titel "Im Netz der Leidenschaften". Danach
wagte sich der italienische Regisseur Luchino Visconti
1953 an den
Stoff
und schuf mit "Ossessione" ein Meisterwerk des
italienischen
Neorealismus. Die dritte Adaption von 1981 unter der Regie
von Bob
Rafelson mit Jack Nicholson und Jessica Lange wartete mit
einer
damals hochskandalösen Sexszene auf. Aber Christian
Petzold,
und das ist ihm hoch anzurechnen, entfernt sich deutlich
von beiden
filmischen Vorbildern und überträgt die Geschichte vom
hinterhältigen Komplott eines leidenschaftlichen
Liebespaares
gegen den betrogenen Ehemann in die soziale Wirklichkeit
des heutigen
Ostdeutschlands.
Es ist ein Gebiet, das man aus Petzolds Filmen schon
kennt, wie
aus seinem letzten Film "Yella",
in dem Nina Hoss eine junge Frau spielt, die aus dem
trostlosen
ostdeutschen Wittenberge ihr Glück in Westdeutschland
sucht.
Doch die Landschaft ist in "Jerichow" viel mehr als bloße
Kulisse für einen spannenden Film. Der Kameramann Hans
Fromm
leistet überwältigendes, in dem er auf grandiose Weise
das Mecklenburg-Vorpommer'sche Durchfahrtsland und die
dazugehörigen
Kleinindustriegebiete fotografiert und sie wie ein
mystisch aufgeladenes
Traumland aussehen lässt. Selbst die Ostsee sieht hier
eher
aus wie ein vergessener Teil des Mittelmeeres. So
entwickeln diese
Landschaftspanoramen ein märchenhaft fiebriges Eigenleben,
wie dies auch schon mit
dem
Berliner Tiergarten in Petzolds "Gespenster"
der Fall war. Aber Petzold bildet die Realität nicht
einfach
ab. Vielmehr erschafft er sie mit seinen Bilderwelten
nochmal völlig
neu. Und so simpel, wie sich die Inhaltsangabe zu
"Jerichow"
anhört, ist das Liebesdreieck bei weitem nicht.
Schließlich erzählt Petzold
von drei Menschen, die sich von den Geistern der
Vergangenheit losreißen
wollen, sich aber durch ihr Handeln die Möglichkeit einer
besseren
Zukunft verbauen. Da ist zum einen Ali, der Immigrant aus
der Türkei,
der sein hiesiges Leben wegwerfen will. Seine gekaufte
Frau, sein
Imbissbudenimperium, seine ganzes Migrantenleben in
Deutschland,
den Schmerz, die Verachtung und den Widerstand einer
Gesellschaft,
die seinen bisherigen Weg so erschwert hat. Genauso wie
Thomas sich
nicht mehr zurecht findet, nach seiner unehrenhaften
Entlassung
beim Bund, nach dem Tod seiner alten Mutter, ohne Geld und
ohne
gar nichts. Auch er sucht nach einem rettenden Ufer. Und
schließlich
ist da noch die lange Zeit mysteriös stumme Laura, die
aber
auch kein richtiges Leben leben kann. Schulden trieben sie
in Alis
Arme, und ein seltsam unbestimmtes Gefühl der Liebe treibt
sie nun in die Hände von Thomas. Doch von ihm kann sie
sich
keine bessere Lebensqualität erhoffen. Das scheint sie zu
wissen.
Einmal sagt sie zu Thomas: "Sieh dich doch an. Du lebst
wie
ein Penner." Und dennoch wollen sie zusammen bleiben. Es
scheint
für sie das Richtige zu sein.
All das wird nie gesagt, wie überhaupt in "Jerichow"
sehr sparsam und lakonisch gesprochen wird. Was wiederum
wenig wundert,
wenn Petzold in einem Interview
sagt:
"In den meisten Filmen sind 50 Prozent der Dialoge
vollkommener
Unsinn". Auch die genaue
Geschichte
der Figuren werden wir als Zuschauer nie erfahren (z.B.
warum Thomas
als Soldat entlassen worden ist). Und doch ist die gesamte
Vorgeschichte
der Charaktere auf magische Weise in allen Szenen präsent.
Dass "Jerichow" funktioniert, liegt auch an den wunderbaren Darstellern, wie Benno Fürmann, der endlich mal wieder zeigen darf, dass er nicht nur durch große Event-Filme stolpern kann. Nina Hoss verkörpert Laura gewohnt kalt und introvertiert, was mittlerweile zu ihrer Visitenkarte geworden ist. Doch bei aller Bewunderung für Hoss' Qualitäten; was der fulminante Hilmi Sözer als Ali hier präsentiert und leistet, ist schlicht und einfach unvergesslich.
Christian Petzold hat einen düsteren Film gedreht. Ein Film über gescheiterte Seelen, die sich nur noch an einer hoffnungslosen Phantomliebe festhalten. Der Regisseur beweist damit eindringlich, dass er zu Recht als der zurzeit beste deutsche Autorenfilmer angesehen werden darf. "Jerichow" ist jetzt schon das erste große deutsche Kinohighlight des Jahres.


9 Punkte für diesen miesen film? Nie im Leben!!!
deutsches kino ist nicht jedermanns sache
sorry- völlig überbewertet. total arg konstruierte dreiecksgeschichte - völlig unglaubwürdig und einfach nur schlecht. verstehe die guten rezensionen für den film nicht. nicht mein ding!
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