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Jane Eyre

Jane Eyre
romantisches drama , großbritannien 2010
original
jane eyre
regie
cary fukunaga
drehbuch
moira buffini
cast
mia wasikowska,
michael fassbender,
judi dench,
jamie bell, u.a.
spielzeit
120 Minuten
kinostart
1. Dezember 2011
homepage
http://www.janeeyre.de
bewertung

7 von 10 Augen
Jane Eyre - Poster

Als Waisenkind wächst Jane Eyre (Mia Wasikowska) bei ihrer Tante (Sally Hawkins) auf, wird dort jedoch nie geliebt oder anerkannt. Als man sie schließlich auf ein Internat schickt, ist die Behandlung dort auch nicht unbedingt freundlicher, doch kann auch das strenge Regiment nicht verhindern, dass Jane zu einer gebildeten und zudem sehr selbstbewussten jungen Dame heranwächst. Jane Eyre 1Sie verlässt die Schule schließlich um ihre erste Anstellung als Hauslehrerin zu beginnen. Auf Thornfield Hall heißt sie die gutherzige Haushälterin Mrs. Fairfax (Judi Dench) willkommen und für Jane beginnt eine glücklichere Zeit. Dazu gehört auch ihre lange Zeit ungeklärte Beziehung zum Herrn des Hauses, dem oft schroffen, aber auch äußerst kultivierten Edward Rochester (Michael Fassbender), der zusehends Gefallen an den Gesprächen mit der aufgeweckten jungen Frau findet. Sogar eine Heirat zwischen den beiden Ungleichen rückt in greifbare Nähe, als es plötzlich zu einer dramatischen Wendung kommt.

"Brauchen wir wohl noch eine weitere 'Jane Eyre'-Verfilmung?“ dürfte sich so mancher fragen, dem der Klassiker der Weltliteratur aus der Feder von Charlotte Bronte schon in diversen Film-, Theater- und Fernsehfassungen über den Weg gelaufen ist. Nun, „brauchen" vielleicht nicht unbedingt, aber wenn es so interessant und mit einem eigenen Stil dargeboten wird wie von dem kalifornischen Filmemacher Cary Fukunaga, dann lässt man es sich eben auch gerne gefallen. Der erregte bereits mit seinem Debüt „Sin Nombre“ einiges Aufsehen, gewann den Regie-Preis beim Sundance Film–Festival und überrascht nun mit dem nicht eben kleinen Sprung vom durch Gewalt geprägten Zentralamerika zum altenglischen Gesellschaftsportrait.

Jane Eyre 2Eher spannungsarm und fast betulich ist auf den ersten Blick auch seine Inszenierung des klassischen Stoffes, sie ist allerdings auch so wunderschön fotografiert, dass nahezu jede Einstellung einem Gemälde gleicht. Fukunaga macht die bekannte Geschichte zunächst dadurch interessant, dass er sie nicht chronologisch erzählt, sondern den Zuschauer mitten hinein in einen recht späten Zeitpunkt der Handlung wirft und dann das Vorangegangene in Rückblicken erzählt. In erster Linie widmet er sich aber dem Innenleben seiner Charaktere und holt dabei erkennbar mehr heraus, als es den meist hauptsächlich auf Werktreue achtenden britischen Literaturverfilmungen klassischer Art gelingt.

Es gilt auf die Kleinigkeiten zu achten, auf Gesten, Blicke und vorsichtig aber mit Bedacht formulierte Sätze. Dinge, die in einer streng auf Konventionen geeichten Gesellschaft wie der im England des mittleren 19. Jahrhunderts von großer Bedeutung und oft die einzige Möglichkeit sind, Emotionen und Standpunkte zu vermitteln ohne dabei die geltenden Regeln zu missachten. Da es dabei hauptsächlich um Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung, mit anderen Worten also um eine Form der Emanzipation geht, hat dieser Stoff seine Wirkung nie verloren und die Identifikationsmöglichkeit mit der um Anerkennung kämpfenden Jane Eyre ist wohl auch heute noch problemlos möglich. 

Die mit Tim Burtons Version von „Alice im Wunderland“ bekannt gewordene Mia Wasikowska verleiht ihrer Jane dabei das richtige Maß aus Selbstbewusstsein und Ängstlichkeit, ohne unglaubwürdig zu überziehen. Jane Eyre 3Die blasse, nur äußerlich zerbrechlich wirkende Schauspielerin, die stets etwas jünger wirkt als sie tatsächlich ist, kommt mit dieser Rolle dem ganz großen Durchbruch genauso ein weiteres Stück näher wie Michael Fassbender mit seinem Portrait des Edward Rochester. Denn obwohl die Geschichte stets aus der Sicht von Jane Eyre erzählt wird, bekommt auch Rochester durch die Darstellung Fassbenders verschiedene Facetten verliehen, wirkt mal düster und hart, dann wieder lebensbejahend und humorvoll, mit anderen Worten also bewusst „rätselhaft“.

Seine beiden Hauptdarsteller sind also eine wichtige Trumpfkarte für den Regisseur, der ansonsten mit sehr ruhiger (gelegentlich sicher etwas zu ruhiger) Hand durch die Geschichte führt und dabei gern lange auf den einzelnen Gesichtern verweilt. „Modern“ oder eben besonders spannend ist das sicher nicht, aber trotzdem fällt es schwer sich der Wirkung des Films und seiner Bilder zu entziehen. Das und die herausragenden Schauspielleistungen (auch in den Nebenrollen) sollten doch allemal Existenzberechtigung genug sein.

Volker Robrahn

Habe den Film im TV gesehen.

8

Habe den Film im TV gesehen. Die fundierte Kritik trifft vollumfänglich zu.
M.E. harmoniert die "ruhige" Erzählweise sehr gut mit den Bildern und die Dialoge sind ohnehin hinhörenswert.
Sehr empfehlenswert.

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