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Iris

Iris
drama , gb 2001
original
iris
regie
richard eyre
drehbuch
richard eyre, charles wood
cast
judi dench,
jim broadbent,
kate winslet,
hugh bonneville, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
16. Mai 2002
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Im England der 50er Jahre begegnen sich die lebenslustige, extrovertierte Iris Murdoch und der eher schüchterne und unbeholfene John Bayley. Obwohl Iris viel erfahrener als John ist - und diesem in vielerlei Hinsicht überlegen scheint - entwickelt sie eine starke Zuneigung zu diesem Mann, der so ganz anders ist als ihre bisherigen Gespielen. Die beiden werden und bleiben ein Paar, über 40 Jahre lang. Dabei akzeptiert John sogar die Eskapaden seiner Ehefrau, die nur allzu gerne gegen die Regeln der Gesellschaft verstößt und ihre sexuelle Zuneigung auch auf andere Männer und Frauen verteilt. Sprung in die 90er Jahre: Iris ist eine gefeierte Schriftstellerin und Denkerin, John ein angesehener Literaturkritiker. Beide gehen in ihrer Arbeit auf und alles deutet auf einen harmonischen Lebensabend hin. Bis Iris bedenkliche Veränderungen an sich feststellt. Immer häufiger vergisst sie Dinge, wiederholt Argumente oder verliert bei Gesprächen sogar völlig den Faden. Als dieser Zustand sich nicht bessert, sucht sie einen Arzt auf und ihre schlimmste Befürchtung bestätigt sich: Iris ist an Alzheimer erkrankt, und es gibt nichts, was man dagegen tun kann.

Wenn gleich drei Hauptdarsteller eines einzigen Films für den Oscar nominiert werden, schürt dies natürlich eine gewisse Erwartungshaltung. Und eines ist auch völlig klar: "Iris" ist in der Tat ein Werk, das von seinen Schauspielern lebt und dessen Gelingen daher hauptsächlich von deren Fähigkeiten abhängt, die tragische Geschichte dem Zuschauer nahe zu bringen. Jim Broadbent, Darsteller des älteren John, gewann dann auch tatsächlich sowohl den Oscar als auch den Golden Globe und das mit Sicherheit zurecht. Sein - angesichts der auf ihn einstürzenden Herausforderung - über sich hinauswachsender Charakter wirkt in jeder Szene äußerst glaubwürdig und realistisch. Dabei macht es gerade diese sehr zurückhaltend angelegte Rolle viel schwieriger, darin zu glänzen, als die der langsam verfallenden Iris - denn diese Figur bietet der eigentlich immer guten Judi Dench alle Möglichkeiten, zu zeigen was sie kann.
"Iris" erzählt seine Geschichte nicht chronologisch, sondern unterbricht die aktuelle Handlung immer wieder durch Rückblenden in die Jugendzeit der schon damals unkonventionellen Schriftstellerin. Diese Szenen nehmen allerdings den deutlich kleineren Raum des Films ein, und geben Kate Winslet als Verkörperung der jungen Iris eher wenig Gelegenheit, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Insofern bleibt zumindest diese Oscarnominierung doch etwas rätselhaft und ist wohl nur mit einer Art "Iris-Rausch" der Akademie zu erklären, deren Schwäche für Dramen mit kranken oder behinderten Hauptfiguren ja schon Tradition hat.
Der Qualität von "Iris" tut dies allerdings keinen Abbruch, denn dieser Einblick in die Welt einer langsam an Alzheimer zugrunde gehenden Frau hinterlässt Wirkung. Dass es sich dabei um eine äußerst intelligente und gebildete Person handelt, der ihre Situation lange Zeit durchaus bewusst ist, macht das Ganze nur um so bitterer. Und lässt dennoch wohl nur erahnen, welches Leid und welche Anforderungen den Angehörigen aufgebürdet werden, die mit dieser Krankheit konfrontiert werden. Bitterer Kommentar einer Zuschauerin während der Vorführung: "Nur, dass das alles in Wahrheit noch viel, viel schlimmer ist."

"Iris" ist kein Film der Spaß macht oder unterhalten will. Die völlige Ausweg- und Machtlosigkeit der mittel- und unmittelbar Betroffenen deprimiert und nimmt einem viel von der Illusion, dass man sein Schicksal doch größtenteils selbst in der Hand hat. Diese depressive Stimmung ist allerdings - auch wenn sie noch so realistisch sein mag - über 90 Minuten wirklich nicht leicht zu ertragen, zumal der Film ansonsten visuell oder inszenatorisch nicht viel zu bieten hat. Ein Schauspieler-Film eben, ruhig, leise und bedrückend. Der übrigens auf einer wahren Geschichte beruht, denn die Schriftstellerin Iris Murdoch und ihr zuerst wildes, dann tragisches Leben sind zumindest in Großbritannien sehr bekannt.

Volker Robrahn

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