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Die Liebe seines Lebens

Die Liebe seines Lebens
drama , australien/schweiz/großbritannien 2013
original
the railway man
regie
jonathan teplitzky
drehbuch
frank cottrell boyce, andy paterson
cast
colin firth,
nicole kidman,
jeremy irvine,
stellan skarsgard,
hiroyuki sanada, u.a.
spielzeit
106 Minuten
kinostart
25. Juni 2015
homepage
http://www.dieliebeseineslebens-film.de
bewertung

7 von 10 Augen
Filmplakat "Die Liebe seines Lebens"

Colin Firth & Nicole KidmanEin Film, in dem die Eisenbahn eine wichtige Rolle spielt, rollt in Deutschland erst mit einiger Verspätung an – darin sollte man aber wohl keine tiefere Botschaft oder Ironie des Schicksals sehen. Stattdessen freuen wir uns lieber einfach mal, dass „The Railway Man“, der bereits 2013 Premiere feierte und im Großteil der Welt im letzten Jahr in die Kinos kam, als „Die Liebe seines Lebens“ nun auch bei uns bald seinen Kinostart hat. Basierend auf den Lebenserinnerungen des Briten Eric Lomax spielt Colin Firth darin einen von der Erinnerung an seine Kriegsgefangenschaft heimgesuchten Eisenbahnliebhaber, der sich seiner Vergangenheit stellen muss.
 

Die Geschichte beginnt ganz romantisch, in bester „Before Sunrise“-Manier (nur mit etwas älteren Protagonisten): Etwa 1980 lernt Eric Lomax auf einer Zugfahrt Patti (Nicole Kidman) kennen. Die beiden flirten heftig und Eric beeindruckt Patti mit seinem umfangreichen Wissen über Eisenbahnen und die zahlreichen englischen Ortschaften, an denen ihr Zug vorbei fährt. Beide haben sich Hals über Kopf ineinander verliebt; nur wenig später folgt die Hochzeit. Doch danach merkt Patti schnell, dass Eric mehr ist als der humorvolle Mann, den sie im Zug kennen gelernt hat. Er wird von Panikattacken gequält, weigert sich aber, mit seiner Frau darüber zu sprechen, was in ihm vorgeht. Zunehmend verfällt Eric in Schweigen und schottet sich von Patti ab. Die sucht schließlich Rat bei Erics engem Freund Finlay (Stellan Skarsgård) und erfährt von ihm endlich von Erics traumatischer Vergangenheit: Als 21-jähriger Soldat geriet Eric 1942 in japanische Kriegsgefangenschaft und wurde zusammen mit zehntausenden weiterer Gefangener gezwungen, beim Bau der Eisenbahnstrecke zwischen BirJeremy Irvinema und Thailand zu helfen.

Der deutsche Titel des Films führt ein wenig in die Irre, suggeriert er doch, es ginge hier in erster Linie um Erics Beziehung zu seiner Frau Patti. Oder ist mit der „Liebe seines Lebens“ die Eisenbahn gemeint? Wie auch immer, „Das Trauma seines Lebens“ wäre ein passenderer (wenn auch weniger werbewirksamer) Filmtitel. Denn es dauert nicht sehr lange, bis es mit dem humorvoll-romantischen Teil des Films vorbei ist. Erics Erlebnisse während des Krieges, die Finlay dann zu erzählen beginnt, werden dem Zuschauer in Rückblenden geschildert, die einen Großteil des Films einnehmen. Darin lernen wir nicht nur den jungen Eric (Jeremy Irvine) kennen, sondern auch seinen Peiniger, den japanischen Offizier Nagase (Tanroh Ishida). Unter dessen Befehl war Eric während der Gefangenschaft gefoltert worden. Nachdem Patti von Finlay Erics Geschichte gehört hat und erfahren hat, dass Nagase noch am Leben ist, scheint endlich ein Ausweg aus der für alle Beteiligten unerträglichen Lage gefunden: Eric muss nach Thailand reisen, um dem alten Nagase (Hiroyuki Sanada) noch einmal gegenüber zu treten.

Dass der Einstieg in den Film so leichtfüßig, humorvoll und romantisch daherkommt, ist dringend notwendig. Nicht nur, weil es danach für fast den gesamten Rest ziemlich schwermütig und dramatisch wird, sondern auch, weil man sonst nicht nachvollziehen könnte, warum sich Patti überhaupt in Eric verliebt und ihn geheiratet hat. Doch die Szenen in der ersten Viertelstunde des Films zeigen dem Zuschauer, dass Eric eben durchaus ein liebenswerter und sympathischer Mensch ist bzw. einer sein könnte, wären da eben nicht die Dämonen der Vergangenheit, die ihn immer wieder heimsuchen und schließlich das Eheleben für ihn und Patti zur Hölle machen.

Für das FuHiroyuki Sanadanktionieren einer so ernsten Geschichte, die an sich ja wenig Unterhaltungswert bietet und zu deren wesentlichen Bestandteilen die komplexe Gefühls- und Gedankenwelt ihrer Hauptfigur gehört, ist zudem eines unabdingbar: ein hochkarätiger Hauptdarsteller, der eben diese Innenwelt seiner Figur mit all ihren Konflikten für den Zuschauer sichtbar machen kann. Und den haben wir hier zum Glück mit Oscar-Preisträger Colin Firth („The Kings Speech“), ohne dessen Leistung der Film schnell in sich zusammen fallen würde. Firth macht die Qual seiner Figur körperlich sichtbar. Der Film verzichtet auf ausschweifende Dialoge und Eric gibt sich über weite Strecken recht wortkarg. Doch Firth legt in seine Blicke, Gesichtsausdrücke und Bewegungen so viel von Erics Schmerz, dass der Zuschauer sich zumindest vorstellen kann, was in dieser Figur vor sich geht. So wird es auch vollkommen nachvollziehbar, dass Eric mit dieser Qual nicht mehr leben kann und ihr irgendwie entkommen muss.

Auch bei Nicole Kidman und Stellan Skarsgård handelt es sich ohne Zweifel um Schauspieler von Weltklasse. Doch der Film ist leider so sehr auf Firths Charakter zugeschnitten, dass für die beiden hier gar nicht mehr viel Raum bleibt. Während Finlay immerhin eine wichtige Funktion für die Handlung hat, besteht Pattis Rolle in der Geschichte eigentlich nur darin, herausfinden zu wollen, was Eric Schreckliches erlebt hat. Darüber hinaus erfährt man über sie fast nichts. Diese Nebenfiguren hätte das Drehbuch also durchaus noch differenzierter herausarbeiten können. Weitaus mehr Raum bekommt Jeremy Irvine ("Gefährten") als junger Eric und wenn man den Film in der Originalfassung sieht (bzw. hört), dann Colin Firthhat man hier immer wieder den Eindruck, einen jüngeren Colin Firth sprechen zu hören. Auch Hiroyuki Sanada (unter anderem bekannt aus der sechsten Staffel von „Lost“), der im Schlussteil des Films seinen Auftritt hat, weiß in einem kurzen Kammerspiel mit Firth zu beeindrucken.

Obwohl es sich bei „Die Liebe seines Lebens“ um ein Kriegsdrama handelt, bekommt man den Krieg selbst darin gar nicht zu sehen. Wer bombastische Massensszenen oder Action erwartet, ist hier also fehl am Platz. Dafür sind aber die Folgen des Kriegs die ganze Zeit spürbar, von der Versklavung der Gefangenen über Erics Folter durch die Japaner bis hin eben zu den psychischen Lasten, mit denen er sein Leben lang zu kämpfen hat. Auch der Showdown, auf den die Geschichte hinausläuft, ist letztlich ein ganz intimer, schauspielstarker Moment zwischen zwei Personen. Zusammen mit der hörenswerten Filmmusik und einigen leider etwas stiefmütterlich behandelten Nebenfiguren ergibt das alles zwar keinen herausragenden, aber immer noch sehenswerten Film.

Maximilian Schröter

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