Vorbilder?!

komödie, usa 2009
original
role models
regie
david wain
drehbuch
david wain, paul rudd
cast

paul rudd,
seann william scott,
christopher mintz-plasse,
elizabeth banks, u.a.

spielzeit
99 min.
kinostart
26.02.2009
homepage
www.vorbilder-film.de
bewertung


(7/10 augen)




 

 

 

 

 

 


Filmszene-Special: Interview mit den Hauptdarstellern
>>> Paul Rudd und Seann William Scott

 

Wie kann man denn bloß zwei Typen als Vorbilder für verhaltensauffälligen Nachwuchs engagieren, die ihrerseits selbst völlig verantwortungslos agieren und offensichtlich noch immer nicht erwachsen geworden sind? Indem man einfach folgende Situation konstruiert: Nachdem die beiden Kumpel Danny (Paul Rudd) und Wheeler (Seann William Scott) infolge einer wenig erfolgreichen Verkaufsveranstaltung für ihren Energydrink diverse öffentliche Flächen und Automobile zerlegt haben, werden die zwei groben Gesellen vor die Wahl gestellt, entweder für einen Monat in den Knast zu wandern oder aber in dieser Zeit Sozialstunden abzuleisten. Dort wird Ihnen dann jeweils ein sozial auffälliges Kind zugeteilt. Im Falle Wheeler handelt es sich um den wild und obszön um sich pöbelnden Ronnie, während für Danny der zwar deutlich ruhigere aber dafür komplett in seiner Fantasy-Rollenspielwelt gefangene Augie (Christopher Mintz-Plasse) abfällt. Wer hier das leichtere Los gezogen hat ist schwer zu sagen und schon bald stehen die Beiden kurz davor, sich vielleicht doch lieber für das Leben hinter Gittern zu entscheiden.

Eine neue Judd Apatow-Produktion steht ins Haus und wir wissen ja mittlerweile, was uns da erwartet. Zumindest die Grundzutaten sind schließlich immer gleich und bestehen aus ein paar mehr oder weniger prollig oder schrullig agierenden Kerlen auf einem mal mehr, mal weniger komischen Selbstfindungstrip. Wem das so noch nicht viel sagt, der schlage bitte einfach nach unter "Superbad", "Beim ersten Mal" oder auch "Ananas Express". Nachdem die Trefferquote dieser meist sehr erfrischenden Komödien zuletzt nicht mehr ganz bei einhundert Prozent lag, sind die "Vorbilder" aber trotz der recht simpel gestrickten und sich innerhalb altbekannter Genreregeln absolut vorhersehbar entwickelnden Handlung wieder ein ordentlicher Genuss, was in erster Linie an der gelungenen Charakterzeichnung der Hauptfiguren liegt.
Das gilt jedenfalls für drei von vier, denn der unflätig vor sich hin fluchende Ronnie besitzt außer dieser einen Charaktereigenschaft keine bemerkenswerten weiteren und ist daher dann auch für nicht mehr als ein paar Lacher gut. Der Rest macht allerdings tatsächlich eine glaubwürdige Entwicklung durch, was ja nun beileibe nicht selbstverständlich ist bei dieser Art Film. Einzeln betrachtet gilt das für den zunächst verantwortungslos aber ziemlich sorgenfrei vor sich hin albernden Wheeler, im Prinzip erst mal eine absolute Standardrolle für den "American Pie"-Veteran Seann William Scott, der aber diesmal etwas mehr draus macht und seiner Figur im Verlauf einige feinere Nuancen verleiht und sich so die Sympathie des Publikums (und die seines genervten Kumpels) redlich erarbeitet.
Wheelers Gegenstück ist der stets übelgelaunte und missmutige Danny, der erst Freundin und Freiheit verlieren muss um zu erkennen, dass er vielleicht doch nicht ganz so übel dran ist im Leben. Verkörpert wird dieser Danny von einem Dauermitglied der Apatow-Clique, nämlich Paul Rudd, der bisher meist in Nebenrollen eingesetzt wurde, hier aber nicht nur einen der beiden Leading Men gibt, sondern auch gleich noch am Drehbuch mitgewirkt hat.
Und diesem starken Drehbuch ist es zu verdanken, dass die langsame Annäherung der beiden, sich zunächst nur extrem widerwillig mit den "Freaks" beschäftigenden Männer an die Welt ihrer Schützlinge einige überraschende Erkenntnisse mit sich bringt. So nimmt insbesondere der Handlungsstrang um die in bunten Kostümen auf der grünen Wiese kämpfenden Rollenspieler eine erstaunliche Entwicklung, an deren Ende man tatsächlich emotional Anteil an diesem eigentlich absurden Treiben nehmen kann. Den jungen Augie mit Hang zur Realitätsflucht gibt dabei Christopher Mintz-Plasse, der dieser Art von Übernerd nach "Superbad" auch erneut seinen ganz eigenen Stempel aufdrücken kann. Es bleibt allerdings fraglich, ob es ihm auf Dauer gelingen wird aus diesem Rollentyp auch mal auszubrechen.

Die weise Entscheidung, sich über die eigenen Haupt- und Nebencharaktere eben nicht nur lustig zu machen, sondern sie dem Zuschauer auch allesamt ans Herz wachsen zu lassen, ist der eine Trumpf im Blatt der "Vorbilder". Ein anderer ist aber natürlich genauso wichtig und letztendlich immer noch die Basis einer gelungenen Komödie. Doch auch im Bereich der Witze, Sprüche und Gags sichert sich der Film einen Platz im vorderen Bereich, denn er ist über weite Strecken einfach brüllend komisch, wozu auch Jane Lynch als überkandidelte Leiterin des Erziehungsprogramms einen erwähnenswerten Anteil beisteuert. Das es dabei gern auch mal etwas derber zugeht, dürfte für den regelmäßigen Konsumenten von Komödien aus dem Hause Apatow keine Überraschung sein. Auch sonst ist die Grundhandlung wie bereits erwähnt nicht gerade bahnbrechend, aber diese "Role Models" bereiten ausreichend Vergnügen, um darüber recht großzügig hinwegsehen zu können.

V. Robrahn