filmszene special: Interview mit "Seabiscuit"-Hauptdarsteller Tobey Maguire
 
 
 

Zwischen "Popcornkino" und "Charakterrollen" - Ein Interview mit Tobey Maguire

Er hatte in den letzten Jahren eigentlich eine hübsche kleine Karriere hingelegt. Mit von der Kritik gefeierten und ausgezeichneten Werken wie "Pleasantville", "Der Eissturm" oder "Gottes Werk und Teufels Beitrag" machte sich Tobey Maguire einen Namen als einer der vielversprechendsten Nachwuchsdarsteller Hollywoods. Doch dann kam "Spider-Man" und mit der Beschaulichkeit war es vorbei. Durch seine Titelrolle im weltweit erfolgreichsten Film des vergangenen Jahres stieg Maguire auf in die Liga der überall erkannten und umschwärmten Stars. Eine Rolle, die er aber eher widerwillig akzeptiert und durch die er sich keineswegs verpflichtet fühlt auch sein Privatleben in die Öffentlichkeit zu tragen. Gegenüber der Presse gibt Maguire sich eher scheu und wenn dann doch mal ein Pflichttermin ansteht ist das auch noch kein Grund groß ins Plaudern zu geraten. Spaß macht ein Gespräch mit dem stets freundlichen und sympathischen Mimen aber trotzdem, und deshalb sprach die Filmszene - anlässlich der Premiere seines neuen Films "Seabiscuit" in Berlin - auch mit Tobey Maguire über seine steile Karriere.

Filmszene: Wie war es denn als so großer Kerl in die Rolle eines naturgemäß kleinen Jockeys zu schlüpfen?

Tobey Maguire: Es war schon manchmal hart. Aber Red Pollard [Anm. d. Red.: Der echte Jockey des berühmten Rennpferdes Seabiscuit] war auch ein harter Typ und außerdem für einen Jockey ziemlich groß. Und wenn ich ihn spielen will, muss ich das eben auch bringen.

Wie geht es Ihrem Rücken?

Meinem Rücken geht es gut. Was da so zu lesen war, dass ich mich so verletzt hätte und nicht mehr drehen könnte war übertrieben. Und ich habe in "Ride with the Devil" ja auch schon auf Pferden gesessen, so neu und schwierig war das ja nicht für mich.

Bevorzugen Sie eigentlich die ruhigeren und realistischen Filme in denen man sie, mal abgesehen von "Spider-Man", bisher sehen konnte?

Das würde ich gar nicht mal sagen. Ich mag jede Art von Film, solange sie unterhaltsam ist. Aber vor allem müssen sie ein Gefühl der "Wahrhaftigkeit" besitzen und sie sollten in der Lage sein, Gefühle auszulösen. Echte Menschen mit Problemen und Beziehungen, dass interessiert mich. Nicht einfach nur "Gut gegen Böse", das ist für mich nichts Reales.

Würden Sie denn widersprechen wenn ich behaupte, dass sie bisher doch oft recht ähnliche Charaktere dargestellt haben? Ich habe da so ein Bild vor mir von einem etwas weltfremden Jungen, der mit großen Augen in die Welt hinausgeht und denke da an den "Eissturm", "Gottes Werk und Teufels Beitrag" oder auch "Die Wonder Boys". Ihr Red Pollard in "Seabiscuit" ist aber ganz anders, nicht nur äußerlich. Er ist sehr wütend und temperamentvoll. Hat Sie das vielleicht an der Rolle besonders gereizt?

Ich verstehe was Sie meinen und nach Außen mag es auch vielleicht so aussehen, aber ich muss tatsächlich widersprechen. Für mich hatten all diese genannten Rollen eine sehr unterschiedliche Ausprägung und erforderten auch alle ganz eigene Herangehensweisen, auch wenn es gemeinsame Themen gab. Es gibt da vielleicht schon einen roten Faden, der sich oberflächlich durch meine Karriere zieht, aber aus meiner Sicht hatten alle meine Filme eine ganz eigene und unterschiedliche Perspektive.

Und was muss passieren, damit Sie mal so ausrasten und ihre Geduld verlieren wie Ihre Filmfigur?

Dass ich die Geduld verliere? Nun, wenn z.B. jemand der mir nahe steht, Freunde oder Familie, sehr schlecht und unfair behandelt wird, dann würde ich wohl schon sehr wütend werden - glaube ich. Aber ich bin ein Typ der eigentlich versucht Probleme immer vernünftig und rationell zu lösen.

Eine Aufgabe die Sie spätestens seit "Spider-Man" lösen müssen ist die verstärkte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, auch auf Ihr Privatleben. Wieviel brach da über Sie herein und wie gehen Sie damit um? Gibt es vielleicht sogar Momente in denen Sie Ihren Job hassen?

Nein. Es kann manchmal etwas frustrierend sein und es gibt auch mittlerweile einen gewissen Druck, aber so weit würde ich nicht gehen. Und mein Privatleben ist sehr konstant und ansonsten ziemlich uninteressant. Wenn es bei dieser Frage also speziell um mein Privatleben ging, wäre damit auch schon alles gesagt.

Nun ja, es interessiert uns nur wie man damit umgeht, so im Rampenlicht zu stehen.

Okay, sagen wir mal so: Ich bin gut mit Leonardo Di Caprio befreundet und habe natürlich sehr genau mitbekommen was nach "Titanic" mit ihm passierte. Das war sicher hilfreich und lehrreich für mich, um mit dieser Art von Medienrummel umzugehen. Nach "Spider-Man" gab es dann auch in der Tat einige Monate verstärkter Aufmerksamkeit der Medien, auch von denjenigen die sonst eigentlich nichts mit dem Bereich Film zu tun haben. Aber wissen Sie, es hat mein Leben nicht allzu sehr verändert. Ich musste ein wenig lernen damit umzugehen, aber ich messe dem einfach auch nicht allzu viel Wichtigkeit bei.

Ist denn die Entscheidung, nach dem Blockbuster "Spider-Man" erst einmal wieder einen etwas kleineren Film wie "Seabiscuit" zu drehen, auch eine Methode um wieder etwas "runterzukommen"?

Ich habe zwar nicht wirklich abgehoben, aber ja, das kann man so sehen.

Es ist bekannt, dass Sie Vegetarier sind aber auch leidenschaftlich gerne kochen. Ist es richtig, dass Sie eigentlich mal Koch werden wollten?

Ja, aber das ist nur eine von vielen Sachen die ich als Kind mal werden wollte. Würde ich jetzt aus irgendeinem Grund nicht mehr schauspielern können, würde ich aber wahrscheinlich eher in der Branche bleiben und Regie führen oder produzieren.

Jetzt spielen sie aber erstmal wieder Peter Parker in "Spider-Man 2". Wie weit sind die Dreharbeiten und macht es denn noch Spaß?

Wir sind fast fertig, haben nur noch ca. drei Wochen lang zu drehen und ja: Es läuft gut und macht mir noch Spaß.

Das möge dann auch noch lange so bleiben und vielen Dank für das Gespräch.

Interview: V. Robrahn