filmszene special: Interview mit dem "Kick-Ass"-Hauptdarsteller Aaron Johnson
 
 

Mit dem sehr unterhaltsamen, aber auch äußerst gewalttätigen Abenteuer nach den Comics von Mark Millar kommt ein Film auf uns zu, der für einiges Aufsehen sorgen dürfte. Auch im eher Superhelden-skeptischen Deutschland stellten die beiden jungen Hauptdarsteller ihr Werk vor und dies geschah dann - passend zum Stil des Films - nicht etwa in einem der für solche Veranstaltungen sonst gern genommenen Nobelhotels, sondern in der Berliner Diskothek "Club 23".

Filmszene: Aaron, musstest Du kämpfen, um die Rolle als Titelfigur in "Kick-Ass" zu bekommen?

Aaron Johnson: Nein, ich hatte eher Glück im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Ich war der Letzte der überhaupt gecastet wurde, kam eigentlich schon zu spät und bin noch nicht mal Amerikaner, aber sie hatten halt noch nicht den richtigen "Kick-Ass" gefunden. Ich durfte also noch einen Screen-Test machen, der lief ziemlich gut und am nächsten Tag bot Matthew Vaughn mir dann direkt die Rolle an. Das war sehr ungewöhnlich und gleichzeitig sehr bizarr und erstaunlich zugleich.

Hast Du denn die Comic-Vorlage gelesen?

Mittlerweile ja, aber zu dem Zeitpunkt waren ja gerade mal die ersten drei Ausgaben erschienen. Und der Comic-Shop in New York hatte auch nur Heft 1 und 3, ich konnte aber nirgendwo die Nummer 2 bekommen. Na gut, das reichte dann immerhin um eine Grundvorstellung von meiner Figur und dem Feeling des Comics zu bekommen. Für den Rest gab es natürlich das Drehbuch und daran war Mark Millar, der Verfasser der Vorlage ja sehr stark beteiligt und der hat uns auch immer schön mit der weiteren Entwicklung der Geschichte auf dem Laufenden gehalten.

Wobei es doch sehr ungewöhnlich ist, dass man mit der Verfilmung bereits zu so einem frühen Zeitpunkt beginnt, an dem die Vorlage noch nicht mal ganz fertig ist.

Ja, das ist wohl bisher noch nicht so oft vorgekommen, vermute ich mal. Das Ende weicht wohl auch deshalb ein wenig ab, aber die Struktur von Film und Comic sind doch sehr ähnlich, auch was die Einführung der einzelnen Charaktere betrifft. Und da bekannt war, dass Mark Millar so stark in die Produktion eingebunden wurde, hat das dann doch die Fans ein wenig beruhigt. Und das, was wir denen auf der Comic-Con in San Diego vorab gezeigt haben, hat sogar für ziemliche Begeisterung gesorgt.

Das glaube ich insofern gern, als dass auch ich eher mit einer etwas abgemilderten, softeren Adaption gerechnet hatte und dann doch überrascht war, wie werkgetreu es im Film zur Sache geht, nicht zuletzt auch im Hinblick auf die gezeigte Gewalt.

Ja, gerade das hat natürlich die Comic-Fans so richtig glücklich gemacht (grinst). Und dafür musste Matthew auch ganz schön kämpfen, denn sämtlichen ganz großen Studios war der Film zu gewalttätig und sie hatten mit der Figur von "Hit-Girl" so ihre Probleme. Die hätten aus ihr doch lieber so eine Art 28jährige Dame gemacht. Nun sind wir also so eine Art Independent-Film, aber wir konnten letztendlich auch den Film machen, den wir machen wollten.

Deine Figur ist ja nicht gerade ein strahlender Held, sondern einer dem nicht allzu viel gelingt und der des öfteren ganz schön was aufs Maul bekommt. Hat Dich das nicht ein wenig gestört?

Nein, überhaupt nicht. Denn gerade dass "Kick-Ass" keiner der typischen Superhelden ist, sondern komplett anders und originell, das macht ihn doch so interessant. Man hat mir sogar ausdrücklich gesagt, dass ich gefälligst NICHT ins Fitness-Studio gehen und Muskeln aufbauen soll. Eigentlich erlebt meine Figur so ziemlich das Gegenteil von dem, was anderen Teenagern passiert die plötzlich zum Superhelden werden. Und auch das Kostüm ist großartig, es hat einen hohen Wiedererkennungswert. Es hat mir großen Spaß gemacht darin umher zulaufen und deshalb hab ich es auch nach Drehschluss behalten und mit nach Hause genommen.

"Kick-Ass" mag nicht der stärkste Held sein, aber er ist zumindest verdammt mutig und tapfer und versucht immer wieder sein Glück. Gilt das auch für Dich?

Ob ich selbst, tapfer bin? Ja, ich denke schon, denn das muss man ja wohl in diesem Business, in dem auch eine Menge "Bullshit" passiert. Nein, im Ernst, meine Figur ist in der Tat sehr ausdauernd, um nicht zu sagen "penetrant", aber das liegt einfach daran, dass er was erwartet vom Leben und sich nicht einfach mit dem Dasein als dahin vegetierender Durchschnittstyp zufrieden gibt. Damit kann ich mich schon grundsätzlich identifizieren. Und ganz klar ist dies meine größte und wohl auch wichtigste Rolle bisher. Das Independent-Zeugs, das ich sonst so mache, interessiert normalerweise nämlich nicht so viele Leute. Was einfach daran liegt, dass ich nicht so der Typ bin für die typische romantische Komödie. Ich fürchte, ich wäre z.B. ein ganz schlechter "Kautions-Cop" oder so was.

In welche Richtung soll denn dann Deine Karriere eher gehen?

Ich möchte vor allem meine Bodenständigkeit nicht verlieren, was in diesem Geschäft leider nicht so ganz einfach ist. Die Familie, das "normale Leben" sollten auf jeden Fall eine größere Rolle spielen, als durch die Welt zu jetten und jeden Morgen um sechs im Make-Up-Stuhl zu sitzen.

Bist Du Dir dann überhaupt sicher, dass Du im Filmgeschäft bleiben und weitermachen willst?

Nein, ich bin mir überhaupt nicht sicher. Es gibt zwar ganz großartige Momente dabei, aber auch einige nicht so tolle. Wenn ich mir dagegen Chloe anschaue, mit der Du ja auch gerade gesprochen hast: Die weiß genau was sie will und hat offensichtlich eine viel professionellere Einstellung zu der ganzen Sache als ich. Aber vielleicht liegt das ja auch daran, dass sie eben noch so jung ist und die Zweifel kommen später. Ich zweifle nämlich ständig.

Auch bei einer eventuellen Fortsetzung von "Kick-Ass"?

Nein, da müsste ich dann doch nicht lange überlegen. In das Kostüm schlüpfe ich gerne noch einmal, wenn die Leute das sehen wollen.

Dann warten wir das doch mal ab. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute.

Interview: V. Robrahn