Groupies bleiben nicht zum Frühstück

komödie, d 2010
original
 
regie
marc rothemund
drehbuch
kristina magdalena henn, lea schmidtbauer
cast

anna fischer,
kostja ullmann,
inka friedrich,
amber bongard, u.a.

spielzeit
103 min.
kinostart
16.09.2010
homepage
www.groupies-derfilm.de
bewertung


(5/10 augen)




 

 

 

 

 

 

Lila (Anna Fischer) kehrt nach einem Jahr USA-Aufenthalt zurück nach Berlin und schafft es tatsächlich sich schon nach einem Tag neu zu verlieben. Aufgrund ihrer langen Abwesenheit ist ihr allerdings nicht bewusst, dass es sich bei Chriz (Kostja Ullmann) um den Sänger der angesagten Band "Berlin Mitte" handelt und damit um einen der aktuell begehrtesten jungen Männer der Stadt. Als die anderen mitkriegen, wen sich die unbedarfte Lila da geangelt hat, rasten sie gleich reihenweise aus vor Eifersucht, ob es sich nun um die kleine Schwester oder die in den Schatten gestellten Schicksen ihrer Schule handelt. Nur Lila kann mit der um sich greifenden Hysterie wenig anfangen, findet sich aber trotzdem bald als Spielball zwischen kontrollsüchtigen Managern und sensationslüsternen Reportern wieder.

Ob denn die Liebe wohl stärker sein wird als alle aufgebauten Hindernisse und missgünstigen Menschen ist mal wieder die Frage, und wer sich die bisherigen Erfolge der Kandidatin "Liebe" in der Filmgeschichte kurz in Erinnerung ruft, kann ja mal einen Tipp abgeben. Er oder Sie kann sich aber auch dazu entschließen einfach "Groupies bleiben nicht zum Frühstück" den leicht albernen Titel zu verzeihen und sich den Film bis zum Ende anzuschauen. Das ist keine besonders schmerzhafte Erfahrung, auch nicht für eher widerwillig mitgeschleifte und nur bedingt romantische Herren im Publikum. Denn viel Tempo und frische Popmusik lassen zumindest die Zeit recht flott vergehen und wenig Raum für Langeweile oder allzu schlimme Kitschmomente.
Da ist vor allem die Hauptdarstellerin davor, denn Anna Fischer kann vermutlich gar keinen Schmalz und besitzt scheinbar einen natürlichen Abwehrschild gegen übertriebene Rührseligkeit. Schon in ihren bisherigen Nebenrollen in "Fleisch ist mein Gemüse" oder "Liebe Mauer" zeigte die Berliner Göre Biss und Temperament, und das erfreulichste an "Groupies" ist, dass sie nun in ihrer ersten Kino-Hauptrolle weit genug von der Leine gelassen wird, um dem Film ihren unverkennbaren Stempel aufzudrücken.

Das Werk hat diesen quirligen Wirbelwind allerdings auch ganz furchtbar nötig, da es in diversen sonstigen Kategorien akut absturzgefährdet ist. Das beginnt bei der komplett unglaubwürdig konstruierten und auf dem Niveau einer Bravo Foto-Love-Story balancierenden Story und wird verstärkt durch die klischeehaften Abziehbilder unter den Nebenfiguren. Als da wären: Die hohlen Paris Hilton-Kopien, die ja heutzutage in jeder Schulklasse anscheinend in Gruppenstärke vertreten sind, die schmierigen und herzlosen Manager und Pressefritzen oder die naseweisen kleinen Geschwister mit hohem Nervfaktor.
Immerhin: Den gutherzigen und hilfreichen Security-Schrank mit Migrationshintergrund hatten wir so noch nicht, der darf wohl als Eigenkreation verbucht werden. Geklaut ist dagegen hier und da die wohlklingende Mucke und zwar nicht nur bei den offiziellen Coverversionen, wie dem wirklich sehr hübschen "Stumblin' In" im Abspann, sondern leider auch zu einem guten Teil bei den vorgeblich originären Nummern der Filmband "Berlin Mitte" - die Diskussion darüber, aus welchen Klassikern sich da bedient wurde, schien für einige Journalisten nach der Presse-Vorführung jedenfalls die spannendste Frage überhaupt zu sein.

Ist "Liebeserklärung an Berlin" vielleicht etwas zu hoch gegriffen, so lässt der Film mit dem viel zu langen Namen aber seinem Handlungsort allemal eine weitere Hauptrolle zukommen. Sei es der Tiergarten, die Spree, das umgetaufte Ritz Carlton-Hotel oder die O2-Arena - alles eindeutig identifizierbar und prägnant in Szene gesetzt. Was hilfreich ist um sich zu vergewissern, dass man sich auch wirklich im Jahr 2010 befindet, denn ansonsten bestünde durchaus Verwechslungsgefahr zu deutschen Teenie-Komödien der seligen 80er Jahre, derart albern und platt werden hier das Popstarleben und das grenzdebile Verhalten aller davon Betroffenen porträtiert.
Im Grunde ist "Groupies…" daher gar nicht mal so weit von damaligen Perlen wie "Gib Gas, ich will Spaß" entfernt wie man vielleicht denken mag, und das betrifft nicht nur die Titelfindung. Kurzweilig ja, aber doch halt auch ziemlich doof. Und den ebenfalls als Hauptdarsteller geführten Kostja Ullmann in seiner Rolle als aalglatten Teenieschwarm als "charismatisch" zu beschrieben, ist auch wirklich nur dem Presseheft gestattet. Nix da, dieser Film wird einzig und allein gerettet durch die umwerfende natürliche Präsenz seiner Hauptdarstellerin. Der wir schon bald in einem vermutlich wesentlich interessanteren Berlin-Film wieder begegnen werden, denn in "Wir sind die Nacht" macht Anna Fischer dann als wilde Vampirin die Straßen der Hauptstadt unsicher. Und darauf muss man sich einfach freuen.

V. Robrahn