Elephant

drama, usa 2003
original
elephant
regie
gus van sant
drehbuch
gus van sant
cast

alex frost,
eric deulen,
john robinson,
elias mcconnell, u.a.

spielzeit
81 min.
kinostart
08.04.2004
homepage

www.elephantmovie.com

bewertung

(8/10 augen)





 

 

 

 



 

Ein (fast) ganz normaler Tag an einer High School in Oregon. John kommt zu spät zum Unterricht, Nathan spielt Football, drei Mädchen schwärmen von ihm, Eli entwickelt Photos - und Alex und Eric veranstalten ein Blutbad. Nach Michael Moore ("Bowling for Columbine") wagt sich nun Regisseur Gus Van Sant an die filmische Verarbeitung der High School-Schießerei von Columbine, und kehrt damit nach einem längeren Ausflug in den Mainstream ("Good Will Hunting", "Finding Forrester") wieder zu seinen Independent-Wurzeln ("My Own Private Idaho") zurück.
Wie "Bowling for Columbine" wurde auch "Elephant" bereits mit Preisen reich belohnt (er erhielt u.a. die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes), jedoch könnten die beiden Werke nicht unterschiedlicher sein. Van Sants Film ist frei von Polemik, Anklagen und Statistiken. Keine Interviews mit Prominenten und Betroffenen, sondern ausschließlich Laienschauspieler. Van Sant sucht nicht nach Antworten oder Schuldigen, sondern zeigt dem Zuschauer eine mögliche Variante, die sich zwar an viele Details von Columbine hält, aber keinen dokumentarischen Anspruch erhebt. Machen wir uns nichts vor, Columbine ist überall, in Portland und in Erfurt.
Ohne weiteren Kommentar schickt Van Sant uns in die Schule, wo die Kamera teilweise minutenlang einem der Hauptdarsteller durch Routine und Banalitäten des Alltags folgt. Die Kamera verweilt hier und dort, aber man sieht nicht unbedingt wer spricht oder hört was im Vorbeigehen gesprochen wird. Als Zuschauer treibt man förmlich im Geschehen hin und her. Dies ist anfangs gewöhnungsbedürftig, aber nach einer Weile wird einem klar, dass man mit den Schülern durch die kahlen, klaustrophobischen Korridore gehen muss, um an ihrem Schicksal teil zu haben, um den ewig gleichen Alltagstrott zu verstehen, der am Ende auf solch erschreckende Weise zerrissen wird.
Wie in jedem High School-Film trifft man hier auf bekannte Typen: den erfolgreichen Footballspieler mit der hübschen Freundin, Bulimie-kranke Mädchencliquen, Künstler, Außenseiter, Sozialos und - Mörder. Dabei sind alle wichtig, keiner wird bevorzugt, manche Szenen werden sogar mehrmals aus verschiedenen Perspektiven gezeigt. Dann allerdings verlassen wir die Schule, um Alex und Eric näher zu beobachten.
Die Sequenz ist zugleich unglaublich bewegend aber auch problematisch: Alex spielt "Für Elise" (Deutsch, aber zum Glück nicht Wagner!) auf dem Klavier, während Eric am Laptop einen brutalen Ego-Shooter spielt. Zwar werden Nazikult und Computerspiele oft mit Verbrechen dieser Art in Zusammenhang gebracht, jedoch hatte Michael Moore doch gerade gezeigt, dass diese Verbindung oft nur in den Medien hochgespielt wird. Van Sants Andeutung homosexueller Neigungen ist ebenfalls fraglich: Ist dies nun Zufall, Motivation, oder nur die 'Handschrift' des Regisseurs, der sich schon oft filmisch mit seiner eigenen Sexualität auseinandergesetzt hat? Van Sant weigert sich, eine definitive Antwort zu geben.
Seine Figuren sind Typen, nicht wirkliche Individuen. Trotzdem ist sein Film bewegend und schockierend. Obwohl die eigentliche Schießerei kaum 10 Minuten der Spielzeit einnimmt, überschattet einen die Gewissheit, dass eben diese Minuten irgendwann kommen, zunehmend. "Elephant" - benannt nach Alan Clarks gleichnamigem Film über Rachetaten in Nordirland und als Metapher zu verstehen für eine Sache, die man eigentlich nicht übersehen kann (wie einen Elefanten im Wohnzimmer, oder eben Gewalt in den Schulen) - bietet uns keine Analyse von Tatsachen oder Vorschläge für die Zukunft. Vermutlich wird dieser Film keine einzige Gewalttat verhindern. Ansehen sollte man ihn trotzdem, denn er ist allein formal jetzt schon einer der sehenswertesten Filme des Jahres.

A. Plumeyer

 


Name: Larrz Vegaz
Email: hjkdlhk@hkjhkjh.de
Bewertung:       (2 von 10 Digital Eyes)

"einer der sehenswertesten Filme des Jahres"?! Dann gute Nacht!
Der veehrte Herr Plumeyer hat sich bei seiner Filmbewertung offenbar zu sehr von der goldenen Palme irritieren lassen, die der Film erhalten hat und liegt daher mit seiner Bewertung absolut daneben. Außerdem muss ernsthaft bezweifelt werden, ob der Wortschatz des geschätzten Herrn Plumeyer das Wort "klischeehaft" beinhaltet. Dies trifft nämlich sowohl auf den Inhalt und die Charaktere als auch auf die indepent-Machart zu, die z.B. durch überzogen lange Kamerafahrten doch zu anstrengenden Längen und unfreiwilliger Komik vor allem in der ersten Hälfte des Films führt.
Die Bewertung oben passt aber insoweit ins Bild, als dass sämtliche Filme, die sich mit der 9/11 oder Columbine-Thematik beschäftigen, überall in den Himmel gelobt werden, egal wie gut sie sind.



Name: Frank
Email: -
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Der Film ist nicht einfach, weder von der Thematik noch von der Erzählweise bzw. den Bildern her. Der Zugang wird so nicht ganz einfach, weil auf fast alle filmischen Konventionen verzichtet wurde. Die Charaktere bleiben Skizzen, bewertet wird nichts und niemand – als Zuschauer bleibt man bloßer Beobachter. Besonders gelungen finde ich die Verfolgung der Figuren durch die Gänge der Schule – das hat etwas von den Third-Person-Shootern, die ewig heran gezogen werden, wenn es zu Gewaltausbrüchen wie in Erfurt oder Columbine kommt. Allerdings bleibt es hier nur Stilmittel, keine Begründung der Tat. Ein eindrucksvoller Film, allerdings nicht etwas für einen entspannten Abend.



Name: Stucki
Email: monster-party@web.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Dieser Film ist so schlicht gehalten, und gerade deswegen so beeindruckend. Er erzählt einfach, ohne eine übertriebene "Story". Wenn man den Film gesehen hat, weiß man, es war "die Wirklichkeit" und man weiß, dass solch ein Massaker überall sein kann. Er lügt den Zuschauer nicht an, mit verschönten Details. Sehenswert, auch wenn manche Szenen für den einzelnen Zuschauer zu lang sind.



Name: DD
Email: -
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

definitiv einer der intensivsten Filme der letzten Jahre, der zugegeben durch seine unkonvenstionelle Erzählweise nicht jeden liegen sollte.
Wer sich allerdings auf dieses filmische Experiment einlässt wird es ganrantiert nicht bereuen.
Solche eine Gänsehaut hatte ich bei einen Film schon lange nicht mehr