Adams Äpfel

komödie, dan 2005
original
adams æbler
regie
anders thomas jensen
drehbuch
anders thomas jensen
cast

ulrich thomsen,
mads mikkelsen,
nicolas bro,
ali kazim,
paprika steen, u.a.

spielzeit
89 min.
kinostart
31.08.2006
homepage

http://www.adams-aepfel.de

bewertung

(9/10 augen)





 

 

 

 



 

Wenn es einer geschafft hat, das Image der Dänen im Ausland zu prägen, dann er: Anders Thomas Jensens Filmographie beinhaltet fast alle dänischen Filme, die man in den letzten Jahren südlich der Flensburger Förde so zu sehen bekam. Zunächst etablierte er sich "nur" als Drehbuchautor von Filmen wie "Mifune", "In China essen sie Hunde" oder "Stealing Rembrandt"; seit "Flickering Lights" übernimmt er aber auch schon mal selbst die Regie. Was jetzt nach Monopolstellung klingt, ist keineswegs negativ zu verstehen, denn Jensen macht Filme vom Feinsten: Vor zwei Jahren begeisterte er zuletzt mit seinen makabren "Dänischen Delikatessen" das Publikum, nun schlägt er erneut zu. Die schwarze Komödie "Adams Äpfel" ist ein Affront gegen political correctness auf allen Ebenen, und genau das macht den Film zum reinsten Vergnügen.

Pfarrer Ivan (Mads Mikkelsen) hat's nicht leicht: seine Dorfkirche ist Resozialisierungszentrum für allerlei harte Fälle, z.B. den Trinker und Vergewaltiger Gunnar (Nicolas Bro) und Tankstellenräuber Khalid (Ali Kazim). Von Besserung ist bei den beiden allerdings nichts zu sehen, das merkt sogar Neuzugang Adam (Ulrich Thomsen, "Brothers", "Das Fest"). Bessern will sich der überzeugte Neonazi zwar auch nicht, jedoch ist ihm Ivans Naivität und Güte schnell suspekt. Der Pfarrer beharrt darauf, in allem nur das Gute zu sehen, und hat für alles eine plausible Erklärung und vor allem viel Verständnis, außer jemand will sich vorm Gottesdienst drücken. Als es darum geht, eine passende Aufgabe für seine Zeit in der Gemeinde zu wählen, schlägt Adam vor, einen Apfelkuchen aus den hauseigenen Äpfeln zu backen. Wider erwarten verkündet Ivan, das sei eine hervorragende Aufgabe. So viel Optimismus ist zuviel des Guten für Adam, der daraufhin beschließt herauszufinden, wie lange der gutmütige Pfarrer noch bereit ist, beide Augen zuzudrücken und beide Wangen hinzuhalten.

Geschichten über den Kampf zwischen Gut und Böse sind nicht gerade selten, aber "Adams Äpfel" erzählt sie immer wieder neu, solange bis man nicht mehr genau weiß, wer oder was gut oder böse ist. Vor allem erzählt der Film sie mit soviel Humor, Leidenschaft und einem ironischen Augenzwinkern, dass man auch nicht recht weiß, ob man lachen oder weinen soll.
Anders Thomas Jensens Weltbild jedenfalls ist weder schwarz-weiß noch rosarot, soviel steht fest, und das ist gut so. Und es beweist wieder einmal, dass es neben der erhobenen Zeigefingermoral des Mainstream-Hollywood-Kinos auch noch alternative Denkansätze gibt. Die Dreistigkeit, mit der sich Jensen triefend-kitschiger Klischees bedient aber gleichzeitig andere Klischees entlarvt, ist geradezu brillant. Er nennt die Dinge beim Namen, und dadurch wirken die dargestellten Emotionen und Konflikte immer "echt" und nicht geschönt oder durch den "politically correct"-Filter verweichlicht.

Ebenfalls genial ist sein Umgang mit der gängigen biblischen Symbolik, frei nach dem Motto "Warum kleckern, wenn man auch klotzen kann". Was spärlich eingesetzt vielleicht eher abgedroschen gewirkt hätte, wird so zum absurd-genialen Stilmittel, schließlich fängt der Regisseur schon bei "A" wie Adam an und macht vor "W" wie Wurm nicht halt. Dabei wird der Glaube an Gott hier nicht durch den Kakao gezogen wie in Filmen wie Monty Pythons "Das Leben des Brian". Das sieht offenbar auch die dänische Kirche so, denn Anders Thomas Jensen bekommt in diesem Jahr den Kulturpreis der dänischen Priester verliehen.

Wer in den letzten Jahren einen dänischen Film gesehen hat, dem werden die meisten Namen auf der Besetzungsliste bekannt vorkommen. Optisch jedoch sind sie kaum wieder zuerkennen, ein weiteres Plus für den Regisseur und seine Darsteller. Thomsen und Mikkelsen übertreffen sich wie immer gegenseitig, aber erst die Nebendarsteller machen das Ensemble zu einer grandiosen Einheit. Kein Wunder, dass "Adams Äpfel" neben etlichen dänischen Filmpreisen letztes Jahr auch den Publikumspreis beim Hamburger Filmfest gewann.

Anna Plumeyer

 


Name: martin
Email: -
Bewertung:                 (7 von 10 Digital Eyes)

Eine gelungene Komödie.



Name: priscilla2603
Email: priscilla2603@web.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

hmm. warum es hier den preis der dänischen priester gab verstehe ich zwar nicht aber das kann ich mir als doppelte bigotterie vorstellen indem sie so tun als merkten sie nicht dass es sich bei dem film wie meiner meinung nach das ende zeigt um einen schlag gegen die manipulation der güte vorspielenden und einen falschen halt vorgaukelnden kirche handelt. einen auffangplatz für psychopathen und solche die es werden wollen - und ein ort der verdrängung und realitätsfremde und lebensunfähigkeit. zu streng? ok ... aber das ist für mich schon grund genug den film zu sehen. zum film selbst kann ich sagen, dass ich wahrscheinlich selten im kino so überrascht worden bin wie hier. da wird zum schrägen witz von dänische delikatessen noch ein wenig brutalität beigemixt und statt mich angewidert abzuwenden muss ich lachen - und das blieb mir dann öfter im halse stecken bei der reflektion was da gerade wirklich gezeigt wird. dabei war es nie vorhersehbar und deshalb nie langweilig trotz kleiner länge im mittelteil nach der es der regisseur aber wieder schafft spannung aufzubauen und zum tollen ende anzusetzen. auf typisch dänische art ein sehr sehr guter film mit untypisch vielen gags und schenkelklopfern die ich so nicht erwartet hätte statt leisem witz und dabei nie oberflächlich, viel lebensweisheit und grandiosen schauspielern. z.b. "adam" der mit einem blick alles sagen kann, wobei ich eigentlich niemanden speziell herausnehmen will. keinerlei schwarz-weiß-malerei oder wertung stören das kinovergnügen - einfach mal alles nicht nur aus der eigenen sicht sehen heißt die devise und dass andere unter ihren anderen lebensumständen und wertvorstellungen auch andere entscheidungen für sich treffen als man selbst. falls sie überhaupt fähig sind eigene entscheidungen zu treffen. man schaut halt zu wie sie agieren und ist bei aller komik oft schmerzlich berührt. die schauspieler sind zwar aus anderen produktionen bekannt - man sieht sie aber ganz als die personen an , die sie hier spielen und besonders komisch sind die stellen in denen die rolle nicht mit dem charakter übereinstimmt - wo tun und reden sich widersprechen und ich dabei festgestellt habe wieviele menschen ich kenne, die so sind dass sie ihrer umwelt ein anderes bild von sich vermitteln als wie sie wirklich drauf sind. sehr lebensnah das ganze. jedenfalls für mich . im film war ich erst mal irritiert nach dem motteo: das passt aber jetzt nicht zusammen - im leben brauche ich dafür oft etwas länger ..



Name: roaches
Email: sachich@nicht.de
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

was für ein film... !!
während das eine auge lacht, muss das andere weinen...
...einfach nur schön !



Name: LeeCooper
Email: cooperleecooper@yahoo.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Einfach nur cool,gefühlsbetont und witzig!
Super Darbietung von Mads Mikkelsen ..freue mich schon auf seinen bösen Blick wenn er den neuen Bond-Schwächling in die Mangel nimmt!



Name: Sterni
Email: sternenzaehler@gmx.net
Bewertung:               (6 von 10 Digital Eyes)

Ich versteh voll und ganz, warum der Film bei den dänischen Klerikern so gut ankommt. Spätestens wenn er "das Buch" in die Hand nimmt, sollte es doch jedem klar sein wie sich die Story weiterentwickelt.
Eigentlich leicht zu durchschauen. So richtig bitterschwarze Szenen gibt es, ja, aber teilweise ist auch Leerlauf drin. Die mystisch angehauchten Szenen kommen mir zu gezwungen daher, religiöser Vorschlaghammer pur.

Mein Fazit:
Sehr gute Schauspieler, ein paar echte Brüller, wenige satirische Elemente, etwas Fäkalhumor und eine versteckt offene Moral von der Geschicht... hau dem Priester ins Gesicht. Gutes Mittelmaß.



Name: zelig
Email: egal@egal.de
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Was für eine volle Packung absurden, schwarzen Humors!

Die Filmkritik beschreibt sehr treffend, worin die Einzigartigkeit dieser dänischen Filmperle begründet liegt – was eben eigentlich gar nicht so einfach ist. Kompliment dafür.

„Adams Äpfel“ ist in sich so dermaßen political uncorrect, daß sich die Unkorrektheiten fast schon wieder gegenseitig aufheben. Hier bekommt jeder sein Fett ab. Somit wird eigentlich auch keine Glaubens- oder Volksgruppe gegenüber der anderen benachteiligt …

Schön, daß sich Kinobesitzer trauen, solch eine herzerfrischende Gemeinheit zu zeigen. Obwohl sie fürchten müßten, den Kinosaal von erzkonservativen Christen, allzu frauenbewegten Frauen, militanten ausländischen Mitbürgern und wütenden Glatzen zerlegt zu bekommen.