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Filmszene-Special: Gespräch mit den Hauptdarstellern von "Downton Abbey"

abbey i 1Vier Jahre nach dem eigentlichen Ende der Serie ist „Downton Abbey“ zurück und zwar auf der großen Leinwand. Für gut zwei Stunden versammeln sich all die vertrauten und ein paar neue Gesichter noch einmal für zwei Kino-Stunden auf dem noblen Anwesen von Lord Crowley. Der wird erneut verkörpert von Hugh Bonneville und genau der führt auch die Riege der Darsteller an, die zur Präsentation des Films nach Hamburg kam. Im passenden Ambiente des auch schon mehr als einhundert Jahre alten Hotels Vier Jahreszeiten plauderte auch Filmszene mit den britischen Damen und Herren.

Das Gefühl einer großen Familienzusammenkunft stellte sich aber nicht erst hier sondern bereits zu Beginn der Dreharbeiten ein, wie alle vier heute versammelten Darsteller beteuern. Trotz der mehrjährigen Pause sei das Gefühl für ihre vertraute Figur sofort und ohne Anlaufzeit wieder da gewesen meint etwa Laura Carmichael, die als Lady Edith im Film der Geburt ihres ersten Kindes entgegensieht. Carmichael genießt die Zuneigung der Fans auch deshalb so sehr, weil diese in den ersten Jahren der Produktion noch deutlich zurückhaltender ausfiel. „Edith gehörte nicht zu den beliebtesten Figuren, einige haben sie sogar regelrecht gehasst. Sie hat aber von allen die vielleicht größte Entwicklung durchgemacht und ich bin sehr dankbar eine so facettenreiche Rolle spielen zu dürfen“. Entwickelt hat sich auch der Charakter von Daisy, die als Dienstmagd ganz unten in der Hierarchie des Hauses anfing und sich mit Ehrgeiz und Willen weiterbildete und empor gearbeitet hat. „Zwischen dem Ende der Serie und dem Film hat sie nochmal einen großen Sprung in Sachen Selbstbewusstsein gemacht“, erläutert Darstellerin Sophie McShera, die zur Untermauerung dieser These auf gleich mehrere Szenen verweisen kann, in denen ihre Daisy die Initiative und das Kommando ergreift, wenn es darum geht wie das Personal den angekündigten Besuch von König und Königin bewältigen soll. Mit ihrer spürbaren Energie und Gestik sowie der kratzigen, sehr markanten Stimme wirkt McShera tatsächlich fast wie ein Ebenbild ihrer fiktiven Figur.

abbey i 2Einen Eindruck, den man allerdings auch von Hugh Bonneville gewinnt, der mit genau der demonstrativen Entspanntheit und Ruhe antwortet, die man von einer Führungspersönlichkeit erwartet. Den Hinweis, dass auch seine Filmfigur diesmal sehr relaxt wirkt und im Gegensatz zur Serienzeit keine allzu dramatischen Probleme zu lösen hat kontert Bonneville gekonnt mit der Aussage, dass das sei „eine sehr nette Umschreibung dafür, dass ich absolut nichts zu tun habe, in diesem Film, vielen Dank dafür.“ Aber es sei in Ordnung, dass diesmal die Handlung von Anderen getragen werde und es für Robert keine inneren Konflikte zu bewältigen gebe. „Und wenn ich trotzdem weiterhin gut bezahlt werde, kann das auch alles gern so bleiben“ kokettiert der Mime, dem aber sehr wohl bewusst ist, welche Bedeutung die Verpflichtung für Downton Abbey für seine Karriere hatte: „ Das hat einfach unheimlich viele Türen geöffnet und mir den Zugang zu Projekten verschafft, die sonst sicher nicht möglich gewesen wären.“

abbey i 3Die Frage, auf die keiner der Anwesenden eine wirkliche Antwort hat ist die nach dem Grund für die weltweite Popularität von Downton Abbey. „ arum interessieren sich Menschen in Afrika oder Südamerika für unsere Geschichten, die doch so gar nichts mit deren Lebenswirklichkeit zu tun haben? Ich habe dafür keine wirkliche Erklärung“, meint Laura Carmichael, „daher genieße ich einfach, dass es so ist“. „Die Ablenkung vom Alltag und der Blick in eine Welt, die trotz aller Widrigkeiten irgendwie einfacher und klarer strukturiert und zu verstehen war“, ist ein Erklärungsansatz für Phyllis Logan, die als Hausdame Mrs. Hughes einen strengen Blick auf die Leistungen des Personals hat. Logan selbst besitzt im persönlichen Gespräch nur wenig von der eher herben Ausstrahlung ihrer Figur, lacht viel und hat Spaß daran kleinen Anekdoten zu erzählen. „Und dass meine spröde Filmfigur im Verlauf der Geschichte dann ausgerechnet in dem nicht weniger steifen Kollegen Mr. Carson sogar noch ihre große Liebe findet sei doch wirklich „eine aufregende Entwicklung, die weder mir noch den Autoren zu Beginn der Serie in den Sinn gekommen wäre“. Wie das Leben des nicht mehr ganz jungen Paares auch außerhalb der Mauern des Schlosses verläuft bekommen wir in der Kinoversion nun ebenfalls zu sehen.

abbey i 4So gerne alle Beteiligten auch in die Zeit von vor rund einhundert Jahren eintauchen und in ihre prächtigen Kostüme schlüpfen, so wenig wünschen sie sich aber ganz in dieser Zeit zu leben. „Dafür war das Leben damals doch zu hart und entbehrungsreich und bot - vor allem für Frauen – auch nur wenig Entfaltungsmöglichkeiten. Außer als Bedienstete, als Magd oder Zimmermädchen gab es ja praktisch keine Möglichkeit überhaupt einen Beruf auszuüben“ erläutert. Sophie McShera. Doch es gibt auch Dinge, in denen man damals schon mal etwas weiter war, meint Hugh Bonneville. „Anstand und Manieren waren einfach auf einem anderen Niveau, es gab mehr Respekt voreinander und vor den Meinungen anderer. Auch wenn Einiges davon durch gesellschaftliche Konventionen aufgezwungen war, so herrschte doch ein grundsätzlicher Konsens über gewisse Grundsätze. Heute dagegen brüllt jeder seine Meinung heraus, ohne die des anderen anzuhören und auch was die politischen Führungsfiguren anging waren wir sicher schon mal besser dran“. Sprichts und wehrt aber gleich alle weiteren Nachfragen zum Thema „Brexit“ ab, „da ich mir davon heute nicht die gute Laune verderben lassen möchte. Aber wissen sie was: Auch das werden wir überleben“.

abbey i 5So sieht es wohl aus und auch über Downton Abbey würden ja politisch gesehen dunkle Wolken aufziehen, sollte die Geschichte tatsächlich noch weiter gehen und sich mit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts befassen. Für den Moment empfinden aber alle Beteiligten den vorliegenden Kinofilm als einen passenden und würdigen Abschluss für die Serie und ihre eigenen Figuren. Wenn das Publikum das anders sehen und nach mehr verlangen sollte, dann wären sie aber dennoch alle wieder bereit dabei zu sein. Schaun wir mal.....

Volker Robrahn

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