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Vollblüter

Vollblüter
drama / thriller , usa 2018
original
thoroughbreds
regie
cory finley
drehbuch
cory finley
cast
anya taylor-joy,
olivia cooke,
anton yelchin,
paul sparks, u.a.
spielzeit
94 Minuten
kinostart
9. August 2018
homepage
http://upig.de/micro/vollblueter
bewertung

8 von 10 Augen

blüter 1Sie hatten sich über Jahre aus den Augen verloren, und so kommt es für Amanda (Olivia Cooke) ziemlich unerwartet, als ihre ehemalige gute Freundin Lily (Anya Taylor-Joy) sie zur Nachhilfe zu sich nach Hause einlädt. Es handelt sich dabei um eine von Amandas Mutter bezahlte Aktion, die zu dieser Maßnahme greift, damit ihre Tochter überhaupt mal wieder soziale Kontakte pflegt. Das kommt zwar bald heraus, doch trotzdem entwickelt sich zwischen den beiden jungen Frauen eine Verbindung. Denn unglücklich sind sie beide: Während Lily regelmäßig emotional ausrastet und zudem unter dem miserablen Verhältnis zu ihrem Stiefvater (Paul Sparks) leidet, ist Amanda dagegen überhaupt nicht zu Gefühlen fähig und begegnet ihrer Umwelt mit kühler Gleichgültigkeit. So hat sie auch keinerlei moralische Bedenken, die zunächst nur so daher gesagte Idee ernsthaft in die Tat umzusetzen, den unangenehmen Stiefvater einfach umzubringen. Als nützliches Mittel zum Zweck dient den Mädchen bei diesem Plan der heruntergekommene Drogendealer Tim (Anton Yelchin), der den Mord letztlich begehen und Lily und Amanda somit ein sicheres Alibi verschaffen soll.
 

blüter 2Es gibt kaum noch komplett neue Ideen im Kino und auch dem Konzept der durchtriebenen, eiskalten jugendlichen Mörder sind wir bereits in verschiedenen Ausprägungen begegnet. Ob als übernatürlich-teuflisches Wesen wie in den „Omen“-Filmen, als von Gier getriebene Intriganten in „Wild Things" oder eine durch pure Bosheit motivierte Christina Ricci in dem eher als Komödie angelegten „The Opposite of Sex“. Mit seiner angespannten, unangenehmen Stimmung erinnert „Vollblüter" aber am ehesten noch an den beeindruckenden „Stoker". Die formale Brillianz des Werkes von Park Chan-Wook erreicht der Film von Regisseur und Drehbuchautor Cory Finley zwar nicht ganz und auch nicht durchgehend, zu beeindrucken weiß dieses Debüt aber dennoch. Denn auch Finley zeigt bereits viel Talent für Stil und Atmosphäre und lässt den Betrachter von Beginn an spüren, dass sich unheilvolle Dinge ereignen werden. Zudem legt er seinen jungen Protagonisten einige wirklich feine, clevere Dialoge in den Mund, die diesen eine Aura der Stärke und Überlegenheit verleihen.

blüter 3Die beiden Darstellerinnen eben dieser Protagonistinnen wissen dabei zu überraschen, wobei eine Anya Taylor-Joy ihr Talent in Genre-Beiträgen wie „The Witch“ und „Split“ zweifellos bereits angedeutet hat. Die Rolle der emotional derangierten Lily fordert sie aber noch einmal mehr und Taylor-Joy meistert vor allem deren permanente Stimmungswechsel mit Bravour. Dennoch hat Olivia Cooke mit der völlig emotionslos agierenden und unter diesem Zustand nichtsdestotrotz extrem leidenden Amanda die noch etwas aufregendere Figur abbekommen. Gerade im Vergleich zu ihrer Verkörperung eines absolut “normalen“ All-American-Girl in Steven Spielbergs „Ready Player One“ weiß Cooke hier zu verblüffen und schafft es dabei mit ihrer Darstellung nie in die Bereiche der Karikatur abzudriften, die einer derart cool und naseweis agierenden Figur durchaus drohen. Im Schatten der beiden weiblichen Hauptcharaktere bleibt dann für die männlichen Vertreter auch nur noch die zweite Geige übrig, wodurch die letzte Kinorolle des jung verstorbenen Anton Yelchin leider keinen allzu prägenden Eindruck hinterlässt.

blüter 4Es ist immer eine erfreuliche Sache, wenn ein Thriller nicht völlig vorhersehbar abläuft, und das kann man „Vollblüter“ mit Sicherheit nicht vorwerfen. Um die namensgebenden Pferde geht es dabei nur indirekt. Wenn aber Amanda, die sich zuvor als große Pferdeliebhaberin bezeichnet hat, ihr eigenes irgendwann brutal abschlachtet, wird zumindest klar, dass hier von verwöhnten Wohlstandskindern nicht etwa nur geistreich philosophiert, sondern tatsächlich auch gehandelt wird. Das geschieht genauso verstörend wie faszinierend und auf eine ganz bestimmte Art sogar nachvollziehbar. Dass die Kamera dabei zwar viel Blut aber nicht die Tat selbst zeigt, sondern für die Vermittlung des Geschehenen einen anderen, originellen Ansatz wählt, ist nur eine der imposanten Kunstfertigkeiten dieses feinen, kleinen Dramas. Starkes Debüt, Mr. Finley!

Volker Robrahn

Sehr schöne Kritik, werde ich

10

Sehr schöne Kritik,

werde ich mir mal nach deiner Empfehlung im Kino anschauen :)

Liebe Grüße
Pia

Wow, da wurde sich aber Zeit

Wow, da wurde sich aber Zeit gelassen mit dem Release. Anton Yelchin weilt nun auch schon seit 2 Jahren nicht mehr unter uns.

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