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The Hole in the Ground

The Hole in the Ground
horror-drama , irland/belgien/finnland 2019
original
the hole in the ground
regie
lee cronin
drehbuch
lee cronin, stephen shields
cast
seána kerslake,
james quin markey,
simone kirby,
steve wall,
u.a., u.a.
spielzeit
91 Minuten
kinostart
2. Mai 2019
homepage
https://www.weltkino.de/filme/the-hole-in-the-ground
bewertung

7 von 10 Augen

Dass Horrorfilme keinesfalls eine monströse, personifizierte Bedrohung benötigen, um eine effektive Wirkung zu entfalten, haben schon Filme wie Stanley Kubricks „Shining“ oder auch im südkoreanischen Kino Kim Jee-woons „A Tale of Two Sisters“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ging die Bedrohung im klassischen Horrorkino noch von Monstern und im Slasher dann von Serienkillern aus, ist sie im modernen Independent-Horror nun immer öfter innerhalb der Familie zu finden. Dadurch wird die Bedrohung geradezu omnipräsent, umgibt die Figuren tagtäglich und entfaltet ihr Grauen vorrangig auf psychologischer Ebene. Ein klares Genredenken fällt hier schwer, da es sich um Mischformen aus Familiendrama und Horrorfilm handelt. Die Filmproduktionsgesellschaft A24 steht dabei sinnbildlich für diese Genrehybridisierung – neben prämierten Dramen wie „Lady Bird“ oder „Moonlight“ veröffentlichte A24 auch hochgelobte Horrorfilme wie „It Comes at Night“ oder zuletzt „Hereditary“.

Nun will der irische Regisseur Lee Cronin mit „The Hole in the Ground“ diese Genrezusammenführung weiter vorantreiben. Ebenfalls unter Obhut von A24 verwandelt Cronin den ländlichen Raum Irlands in ein apokalyptisches Horrorszenario, in dem eine Mutter-Sohn-Beziehung den Kern des aufkommenden Grauens darstellt.

Die alleinerziehende Mutter Sarah (Seàna Kerslake) versucht mit ihrem achtjährigen Sohn Chris (James Quinn Markey) ihre von Gewalt und Schmerz geprägte Vergangenheit in der wenig besiedelten irischen Provinz hinter sich zu lassen und ein neues Leben zu beginnen. Eines Nachts verschwindet Chris jedoch im angrenzenden Wald, in dem ein riesiges Loch große Teile des Waldstücks vereinnahmt. Erst nach einigen Stunden kehrt Chris zwar glücklicherweise zurück, doch Sarah merkt, dass etwas mit ihm nicht stimmt. In ihren Angstvorstellungen gefangen sieht Sarah Verbindungen zwischen dem eigenartigen Verhalten ihres Sohnes und dem mysteriösen Loch im Wald…

„The Hole in the Ground” arbeitet thematisch verschiedene Pathologien der menschlichen Psyche ab: Verlustängste, Wahnvorstellungen, die Angst vor Veränderungen – was sonst eher nach einem Drama klingt, findet sich hier im Gewand des Horrorfilms wieder. Leider aber kann sich „The Hole in the Ground“ nicht so ganz entscheiden, was er eigentlich sein will. Für einen reinen Horrorfilm sind die behandelten Themen zu weitgreifend, für ein Horrordrama hingegen funktionieren die Horror- und Dramaszenen zu separiert voneinander. Der schon angesprochene „A Tale of Two Sisters“ schafft es beispielsweise wesentlich harmonischer, beide Genres in ein Gesamtkonstrukt zu packen und familiäre Probleme kreativ zu porträtieren, „The Hole in the Ground“ wirkt dahingehend manchmal leider etwas holprig. Trotz allem sorgen gezielt gesetzte Matchcuts und ein spannendes Spiel mit Symbolik für einen Unterhaltungswert, der nicht nur aus einem rein sinnlichen Schauwert, sondern auch aus der Geschichte heraus funktioniert.

Rein inszenatorisch gibt es bei „The Hole in the Ground“ wenig zu meckern, die Einzelszenen sind allesamt wirkungsvoll gestaltet und erzeugen eine ebenso dichte wie düstere Atmosphäre. Selbst die scheinbar idyllischen Landschaftsaufnahmen gestalten sich mit Verlauf des Films immer trostloser und bedrohlicher, mit Zuspitzung des Konflikts scheint sich auch die Handlungsfreiheit der Hauptfigur immer mehr einzuengen. Obwohl sich Lee Cronin bezüglich der Horrorinszenierung hier und da genrebekannten Bausteinen bedient, tut das der Spannung keinen Abbruch. Viel wird dabei über die atmosphärische Inszenierung und weniger über eine von Jumpscares durchsetzte Inszenierungsweise gelöst.

Dass sich der Einsatz von Kindern als Horrorfiguren als ungemein effektiv gestalten kann, wurde filmgeschichtlich schon mehrfach unter Beweis gestellt (bsp. das Intro von Halloween). Leider besteht hierbei jedoch die Gefahr, ins ungewollt Komische abzurutschen (so hat beispielsweise die erste filmische Adaption von „Friedhof der Kuscheltiere“ von 1989 mit diesem Problem zu kämpfen). „The Hole in the Ground“ gehört jedoch nicht in diese Kategorie, sondern sorgt aufgrund der eher zurückhaltenden Charakterisierung von Chris für eine eindrucksvollere Gruselwirkung. Cronin arbeitet sehr stark mit doppeldeutigen Motiven, viele Bilder zeugen von einer Metaphorik, was sich innerhalb des Films in der Symbolik von Spiegeln manifestiert.

Auch wenn es “The Hole in the Ground” insgesamt nicht schafft, einen runden Erzählfluss aufzubauen, kann er dennoch mit seiner atmosphärischen Inszenierungsweise überzeugen. Lee Cronin leistet mit seinem Langfilmdebüt einen unterhaltsamen als auch beklemmenden Beitrag für das Genre des Horrordramas, in dem sich zwar hier und da eine Diskrepanz zwischen beiden Gattungen auftut, es insgesamt aber auch mit bestehenden Genrekonvention auf erfrischende Art und Weise bricht. Die verschiedenen Lesarten des Films führen zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit seinen Themen, die auch über die 90 Minuten Laufzeit herausragt und somit nicht nur für Freunde des Horrorkinos interessant sein dürfte.

Moritz Hoppe

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