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Scary Stories to Tell in the Dark

Scary Stories to Tell in the Dark
horror-abenteuer , usa 2019
original
regie
andré Øvredal
drehbuch
john august, marcus dunstan, guillermo del toro, kevin hageman
cast
austin abrams,
zoe colletti,
michael garza,
gabriel rush,
austin zajur, u.a.
spielzeit
107 Minuten
kinostart
31. Oktober 2019
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Halloween und Kino – diese Kombination bescherte Filmliebhabern mit „Halloween“ von John Carpenter aus dem Jahre 1978 zwar einen Klassiker des Horrorgenres, leider aber wurde das Motiv der Hexen- und Geisternacht schnell zum Kennzeichen lieblos produzierter Gruselstreifen – von den bisweilen zehn Filmen des „Halloween“-Franchise mal ganz zu schweigen. Und auch wenn es hier und da immer mal wieder zu kleineren Lichtblicken kam („Trick ’r Treat“ aus dem Jahre 2007 beispielsweise), der letzte wirklich erfreuliche Halloween-Film liegt lange zurück. An diesem Vorhaben versucht sich nun der norwegische Regisseur André Øvredal. Schon 2018 zeigte Øvredal, dass er durchaus dazu in der Lage ist, das Horrorkino – bei aller genretypisch-inszenatorischer Wiederholungsgefahr – erfrischend effektiv zu gestalten. Mit „The Autopsy of Jane Doe“ gelang ihm ein minimalistisch gehaltener Horror-Thriller, der vor allem über die erste Filmhälfte hinweg eine stimmige Gruselwirkung hinterlassen konnte. Bei seinem neusten Projekt „Scary Stories to Tell in the Dark“ widmet sich Øvredal der gleichnamigen literarischen Vorlage des US-amerikanischen Autors Alvin Schwartz. Die Grusel-Kurzgeschichten erfreuten sich vor allem in den 90ern großer Bekanntheit und behandeln rätselhafte Todesfälle rund um eine Gruppe Jugendlicher.
 

Die Freundesgruppe rund um die junge Stella Nicholls (Zoe Margaret Colletti) findet in der Halloween-Nacht in einem verlassenen Haus ein mysteriöses Buch mit handgeschriebenen Gruselgeschichten. Angeblich war das Buch einst im Besitz von Sarah Bellows, einer jungen Frau, welche aufgrund von übernatürlichen Kräften von der Familie Bellows im Keller des Hauses gefangen gehalten wurde. Was wie ein schlechter Scherz wirkt, soll der Gruppe schnell zum Verhängnis werden, denn nach dem Lesen des Buches ereignen sich unerklärliche und grausame Vorfälle.

Mit Guillermo del Toro steht einer der bekanntesten Regisseure der Gegenwart als Produzent hinter dem Film. Del Toros Vorliebe für Horror- und Gruselgeschichten wurde schon mit „Devil's Backbone“, „Pans Labyrinth“ und „Crimson Peak“ deutlich, außerdem scheint Del Toro viel daran gelegen zu sein, jungen und aufstrebenden Regisseuren eine Plattform zu bieten. 2013 finanzierte er beispielsweise den Horrorthriller „Mama“ von Andrés Muschietti, welcher heute (rein rechnerisch) mit der Stephen King-Adaption „Es“ zu den erfolgreichsten Horrorregisseuren des Gegenwartskinos zählt. Del Toros Einfluss auf „Scary Stories to Tell in the Dark“ wird vor allem aufgrund einiger märchenhaft gestalteter Erzählpassagen deutlich: Die Jugendlichen werden in einzelnen Horrorepisoden mit ihren Ängsten konfrontiert, die sich vorrangig aus fantastischen und übernatürlichen Elementen zusammensetzen.

Was zunächst stark an die bereits genannten „Es“-Adaptionen erinnert, zeigt sich im weiteren Verlauf als große Stärke des Films, denn die einzelnen Horrorsequenzen wirken in ihrem episodischen Charakter keinesfalls störend (wie man es den beiden „Es“-Teilen vorwerfen kann), sondern fügen sich stimmig in die Gesamterzählung ein. Des Weiteren sorgt das oftmals liebevoll gestaltete Monster-Design auf visueller Ebene für Höhepunkte. Auch der Einsatz von CGI erweist sich glücklicherweise als wenig störend, vieles wird hierbei von dem Fantasy-Charakter des Filmes aufgefangen. Die Horrorepisoden besitzen untereinander zwar kleinere Qualitätsunterschiede und es kommt hier und da auch immer mal wieder zu Logiklücken, die Erzähleinschübe sorgen insgesamt aber für jede Menge spaßige Momente.

Richtig gehört: „spaßige“ Momente. Wer bei „Scary Stories to Tell in the Dark“ einen brutalen Gruselschocker erwartet, wird den Kinosaal definitiv enttäuscht verlassen. Der Film besitzt vielmehr den Charakter klassischer Schauergeschichten für Kinder und Jugendliche, wie man es beispielsweise von der „Gänsehaut“- oder „Fear Street“-Buchreihe kennt. So besitzt der Film tatsächlich auch einen durchaus humoristischen Unterton, was unter anderem am toll besetzten Cast der jugendlichen Hauptfiguren liegt. Parallelen zur Figurenkonstellation aus „Stranger Things“ lassen sich nicht leugnen, was den Darstellungen aber keineswegs schadet. So sorgen rasant geschriebene Dialoge für auflockernde Unterhaltungsmomente – ganz abseits der Horrorsequenzen.

Inhaltlich orientiert sich „Scary Stories to Tell in the Dark“ an den sogenannten Urban Legends – modernen Gruselsagen – die sich rein erzählerisch zwar klassischer Muster bedienen, es jedoch schaffen, mit Hilfe des Rückgriffs auf menschliche Urängste eine effektive Gruselwirkung zu erzielen. So finden die genretypischen Jumpscares und Schockmomente zwar statt, werden jedoch immerhin mit messerscharfer Präzision inszeniert. Das ist wenig innovativ, dafür aber extrem wirkungsvoll. Hinsichtlich des Nostalgiefaktors reiht sich „Scary Stories to Tell in the Dark“ in den derzeitigen Trend ein: Was zuletzt noch bei Tarantinos „Once Upon a Time… in Hollywood“ in darstellerischer Perfektion und Ausgiebigkeit behandelt wurde, bietet auch in Øvredals neustem Werk die Grundlage der popkulturellen und gesellschaftlichen Bezugnahmen: Die späten 60er, um genau zu sein, das politisch angespannte Jahr 1969. Das bekannte Verweismuster (Kinoplakate im Hintergrund, Radiosongs, etc.) funktioniert zwar immer wieder, leider aber wirkt die zeitliche Verortung hinsichtlich des politischen Kontexts etwas störend. So wird in fast schon penetranter Manier immer wieder versucht, inhaltliche Verbindungen zum vorherrschenden Vietnamkrieg aufzustellen. Dies äußert sich an einer der Figuren überdeutlich, wird aber keinesfalls ausreichend innerhalb des Films behandelt, um wirklich erzählerische Tiefe zu erzielen. Der Fokus der Geschichte ist ein anderer, was in Anbetracht der Inszenierung auch der sinnvollere Weg ist. Eine stimmige Retro-Atmosphäre entwirft „Scary Stories to Tell in the Dark“ aber trotzdem und die Zitate und Referenzen zur Popkultur der 60er sind harmonisch und stilvoll im Szenenbild verbaut.

Jene, die den Halloween-Abend gerne im Kino verbringen und auf der Suche nach einem stimmungsvollen und toll inszenierten Horrorfilm sind, werden mit „Scary Stories to Tell in the Dark“ definitiv auf ihre Kosten kommen. Zwar verliert sich der Film ab und an in repetitiven Standard-Horror-Elementen, einer möglichen Fortsetzung (wie es mit dem Ende des Films durchaus möglich erscheint) dürfte man aber aufgrund der tollen Inszenierung wohlgesonnen entgegentreten. Außerdem zeigt André Øvredal einmal mehr, dass er die Zukunft des Horrorfilms noch entscheidend mitgestalten könnte.

Moritz Hoppe

Ich fand ihn eher langatmig

5

Ich fand ihn eher langatmig und uninspiriert, hatte wohl zu hohe Erwartungen :/

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