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Ready or Not - Auf die Plätze, Fertig, Tot

Ready or Not - Auf die Plätze, Fertig, Tot
horror-komödie , usa 2019
original
ready or not
regie
matt bettinelli-olpin, tyler gillett
drehbuch
guy busick, r. christopher murphy
cast
adam brody,
andie macdowell,
samara weaving,
mark o'brien,
henry czerny, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
26. September 2019
homepage
http://www.fox.de/ready-or-not-1
bewertung

6 von 10 Augen

Die beiden Regisseure Matt Bettinelli-Oplin und Tyler Gillett gehören hierzulande noch zu den eher unbekannteren Namen in der Filmbranche. Mit „Devil’s Due“ versuchte sich das Regie-Duo 2014 erstmals am Genre des Horrorfilms, sorgte dabei jedoch noch für wenig Aufsehen. Dieses Jahr hingegen wird ein etwas anderer Ansatz gewählt, denn mit ihrem neusten Film „Ready or Not“ leisten die beiden Regisseure ihren Beitrag für das Genre der Horrorkomödie und auf dem Papier sind dafür auch alle nötigen Voraussetzungen gegeben: Das einfache Prinzip des Versteckspiels wird zum erbarmungslosen Kampf um Leben und Tod, bei dem eine reiche Adelsfamilie den angeheirateten Familienzuwachs aufgrund einer finsteren Familientradition möglichst rabiat aus der Welt schaffen will. Mit Fox Searchlight steht dabei auch noch ein vielfach ausgezeichnetes Produktionsstudio hinter dem Projekt („12 Years A Slave“, „Birdman“, „Shape of Water“, etc.), das schon mit „28 Days Later“ und „The Hills Have Eyes“ beweisen konnte, dass auch das Genre des Horrorfilms für das Studio keinen Fremdkörper darstellt. Dies klingt zwar alles vielversprechend, doch leider bleibt einiges an Potential ungenutzt, was dem Unterhaltungsaspekt aber keinen Abbruch tut.

Grace (Samara Weaving) wird am Abend ihrer Hochzeit mit Alex Le Domas (Mark O’Brien) von seiner exzentrischen und steinreichen Familie darum gebeten, an einer langjährigen Familientradition teilzunehmen. Die Le Domas haben ihren Reichtum über die Veröffentlichung von Gesellschaftsspielen erwirtschaften können, und so muss Grace eines dieser Spiele absolvieren, um als Teil der Familie anerkannt zu werden. Sie ahnt jedoch nicht, dass für sie damit ein Kampf um Leben und Tod beginnt, denn die abergläubische Familie sieht in Grace eine Gefahr für den Familienfrieden.

Auf rein visueller Ebene gibt es wenig zu meckern, denn hinsichtlich der Kameraarbeit und der Ausstattung entwirft „Ready or Not“ ein liebevoll gestaltetes Gesamtbild. Vor allem das Kostümdesign und die Detailverliebtheit wissen zu überzeugen. „Ready or Not“ spielt zu weiten Teilen im Anwesen der Familie Le Domas, das vor purer Dekadenz nur so trotzt. So wird auch die Größe des Hauses nur schwer ersichtlich, wodurch sich der Zuschauer – ähnlich wie die Hauptfigur Grace – in den Räumlichkeiten verlieren kann. „Ready or Not“ stellt den Reichtum der Familie eindrucksvoll aus und sorgt mit der musikalischen Verwendung von Beethoven und Tchaikovsky für eine Überinszenierung der familiären Bräuche und Traditionen, was vor allem zu Beginn des Films einen großen Unterhaltungswert hat.

Ein Highlight von „Ready or Not“ ist zudem die Badass-Performance von Samara Weaving („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“), die als wehrhafte Braut genretypische Opferrollen ablegt und die nötige Selbstironie in sich trägt. Auch Adam Brody („O.C., California“) sorgt als gelangweilter und zynischer Bruder des Bräutigams für Vergnügen. Leider ist aber auch „Ready or Not“ nicht frei von Klischeefiguren, die man so schon aus anderen Splatter-Komödien kennt (z.B. die koksende Schwester oder die pedantische Tante), was dem Film in einigen Momenten unnötigerweise schadet. In Anbetracht des recht großen Cast hätte man gut und gerne auf die ein oder andere Figur verzichten können oder einen kreativeren Umgang bevorzugen sollen.

Der größte Schwachpunkt von „Ready or Not“ ist jedoch die Uneindeutigkeit und Inkonsequenz, mit der die Geschichte erzählt wird: Der Film will das Publikum gleichermaßen beängstigen als auch belustigen. So wird immer wieder versucht, Ernsthaftigkeit in das Geschehen zu bringen, meist durch belanglose Dialogsequenzen oder fehlplatzierte Kapitalismuskritik. Hier und da kommt es deshalb zu unnötigen Längen in der Erzählung, was hinsichtlich der überschaubaren Laufzeit von ca. 90 Minuten vermeidbar gewesen wäre. Anstatt den Spagat zwischen Horror-Komödie und ernstzunehmenden Thriller zu meistern, besitzt die Genrevermischung leider einen störenden Charakter. Auch hinsichtlich der Splatter-Einlagen bleibt viel Luft nach oben: Einige dieser Szenen wirken leider so, als habe man sie mit angezogener Handbremse inszeniert, was Liebhaber des Splatter-Kinos enttäuscht zurücklassen wird. Allerdings muss fairerweise angemerkt werden, dass es durchaus auch die eine oder andere unterhaltsam-kreative Gewaltspitze gibt. Leider aber bleibt insgesamt das Gefühl, dass hier wesentlich mehr möglich gewesen wäre, zumal die Prämisse durchaus Ähnlichkeiten zum Home-Invasion-Thriller „You're Next" besitzt, der schon 2011 unter Beweis stellen konnte, wie Familiensatire und ernstzunehmender Horror-Thriller harmonisch unter einen Hut zu bringen ist.

Die angesprochenen Kritikpunkte trüben den Gesamteindruck zwar ein wenig, insgesamt sorgt „Ready or Not“ aber für einen unterhaltsamen Kinoabend. Darüber hinaus ist es erfreulich zu sehen, dass sich mittlerweile auch größere Studios an Genrefilmen versuchen und jungen Regisseuren und Regisseurinnen die Möglichkeit bieten, eigene und erfreulich unkonventionelle Ideen umzusetzen. Und etwas lernen kann man bei all der chaotischen Versteckspielerei dann auch noch: Wer sich immer mal schon gefragt hat, wozu eine durchschossene Handfläche so alles zu gebrauchen ist, wird den Kinosaal definitiv (wenn auch auf unschönem Weg) schlauer verlassen.

Moritz Hoppe

Am Wochenende haben wir uns

9

Am Wochenende haben wir uns spontan entschlossen, dieses filmische Kleinod anzuschauen (anstatt ES Teil 2) und ich fand, dass die Entscheidung goldrichtig war. Worum es im Groben geht, war mir zwar schon aus dem Trailer bekannt, daher war die Hinführung zur eigentlichen Geschichte auch wenig überraschend, wusste aber mit ihren leicht überzeichneten, schrulligen Figuren, die man nach und nach kennenlernt, bestens zu unterhalten, bevor das Spiel beginnt.
Dann geht es recht schnell und auch recht hart zur Sache. Die Jagd ist eröffnet und die arme Braut wird von ihrer schwer bewaffneten Schwiegerfamilie samt Anhang durch das Anwesen gejagt. Mehr aus Zufall als durch Eigengeschick überlebt sie dabei die eine oder andere brenzlige Situation und löst bald Hektik und Chaos unter den Jägern aus.
Der Tonfall wechselt dabei - wie schon in der Rezension richtig beschrieben - immer wieder zwischen Spannung und Klamauk, wobei ich finde, dass sich die Charaktere in diesem eigenen Film-Universum durchaus ernst nehmen. Der "Humor" entsteht eher durch die aberwitzigen Konfrontationen und dummen Zufälle, die nicht selten in Verletzungen oder Tod münden. Schwarzer Humor eben. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, passt aber zu diesem ganz speziellen Szenario und zur düsteren Kulisse des riesigen Herrenhauses und umliegenden Anwesens hervorragend ins Konzept.
Auch wenn hier ein paar gängige Horror-Klischees abgefeiert werden (zum Beispiel das typische Reden statt Handeln), bleibt es spannend das Ende setzt dem Ganzen die Krone auf.
Wenn man Kritikpunkte sucht - und die gibt es -, würde ich hier die stellenweise vorhandene Geschwätzigkeit anbringen, wenn es um Erklärungen der Traditionen und der Motive geht. das bremst das ansonsten hohe Tempo etwas aus und wäre verzichtbar gewesen. Und ich hätte gerne noch mehr von den tollen Räumlichkeiten im Haus gesehen. Es wechselt mir etwas zu schnell ins Freie. Kleinigkeiten! Alles andere hat für mich wunderbar zusammengepasst und mir einen tollen Kinoabend beschert.

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