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Midway - Für die Freiheit

Midway - Für die Freiheit
action-drama , usa 2019
original
midway
regie
roland emmerich
drehbuch
wes tooke
cast
ed skrein,
patrick wilson,
woody harrelson,
luke evans,
dennis quaid,
mandy moore,
nick jonas, u.a.
spielzeit
138 Minuten
kinostart
7. November 2019
homepage
bewertung

4 von 10 Augen
Midway - Poster

Nachdem er 1996 in "Independence Day" das Weiße Haus (und noch so einiges andere) pulverisiert und einen der (damals) erfolgreichsten Filme aller Zeiten abgeliefert hatte, war Roland Emmerich kurzzeitig der König der Welt und machte sich im Folgenden mit weiteren Katastrophenfilmen einen Namen als 'Master of Disaster'. Das ist allerdings alles schon wieder ziemlich lange her, und genau genommen hat Emmerich seit "The Day after Tomorrow" von 2004 keinen wirklich erfolgreichen Film mehr gemacht. Alles, was er in den letzten 15 Jahren ablieferte, lief finanziell betrachtet entweder unter leidlich enttäuschend ("2012", "White House Down", "Independence Day: Wiederkehr") oder war gleich ein veritabler Flop, so wie "10.000 BC" oder seine beiden Ausflüge ins ernsthafte Drama-Fach mit "Anonymus" und "Stonewall". 
MidwayDa überrascht es wenig, dass Emmerich so einige Schwierigkeiten hatte, das Budget für seinen nächsten Film zusammen zu bekommen. Dabei wäre "Midway" zu Emmerichs besten Zeiten ein Selbstläufer gewesen: Der 'Master of Disaster' erzählt die aus amerikanischer Perspektive wichtigste Seeschlacht des Zweiten Weltkriegs nach und lässt es dabei wieder ordentlich krachen? Box-Office-Gold! Wieviel Budget wollt ihr?

Doch diese Zeiten sind leider vorbei, zumal das große Geld in Hollywood dieser Tage nur noch für Superhelden-Filme und Franchise-Sequels bzw. Reboots ausgegeben wird. Das sieht man Emmerichs neuem Film auch schon in der ersten Viertelstunde an, denn die Hinleitung zu den zentralen Ereignissen von "Midway" beginnt historisch korrekt mit dem japanischen Überraschungsangriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941. Die Versenkung von großen Teilen der US-amerikanischen Pazifik-Flotte sieht hier allerdings so aus, als hätte es eine Arbeitsfassung aus der CGI-Schmiede versehentlich auf die Leinwand geschafft: Derart offensichtliche und unfertige Spezialeffekte hat man in einem Blockbuster schon lange nicht mehr gesehen. Im Vergleich zu Michael Bays immerhin auch schon 18 Jahre alter Materialschlacht zum selben Ereignis stinkt "Midway" mit dieser Eröffnung jedenfalls ziemlich ab. 

Immerhin: Das ist ja 'nur' der Anfang, und der eigentliche, dann auch in angemessener Breite durchzelebrierte Höhepunkt kommt später dann deutlich überzeugender daher. Bis es soweit ist, muss man sich als Zuschauer jedoch erstmal durch gut 80 ziemlich trockene Minuten kämpfen, die sich weniger wie ein aufreibender Kriegsfilm ausnehmen, als wie ein akkurat aufbereitetes Doku-Drama über Militärgeschichte. 

MidwayWenn man "Midway" eines zugute halten kann, dann dass er fast vollkommen frei ist von den üblichen Mitteln der filmischen Dramatisierung historischer Ereignisse. Was vor allem bedeutet: Es gibt hier keine "große Liebesgeschichte", die sich vor dem geschichtlichen Hintergrund abspielt und die Geschehnisse quasi auf eine direkte menschliche Ebene herunterbricht. Das ist einerseits auf gewisse Weise erfrischend, führt andererseits aber auch sehr bald vor Augen, warum die meisten Filme ähnlicher Strickart eben genau zu diesem Muster greifen. Denn wenn es "Midway" an einem mangelt, dann an emotionaler Involvierung seines Publikums. 

Es gibt eigentlich nichts in diesem Film, was einen wirklich reinzieht. Drehbuchautor Wes Tooke hat definitiv seine Hausaufgaben gemacht und einen Haufen Bücher zum Thema gelesen. Er liefert eine sehr präzise Nacherzählung aller militärischen Ereignisse, Verstrickungen und Entscheidungen, die schließlich zu der Schlacht um die Midway-Inseln im Juni 1942 führten, und bietet ein gutes Dutzend Hauptcharaktere auf - vom Kommandeur der Pazifik-Flotte, Admiral Chester Nimitz (Woody Harrelson), über den Geheimdienst-Offizier Edwin Layton (Patrick Wilson), der dazu beitrug, dass den Amerikanern bei Midway ein Überraschungsangriff auf die japanische Flotte gelang, hin zu Vize-Admiral William Halsey (Dennis Quaid), der einen der beteiligten Flugzeugträger kommandierte, und den Bomber-Piloten Dick Best (Ed Skrein) und Wade McCluskey (Luke Evans), die beide eine entscheidende Rolle in der Schlacht spielen sollten, bis hinunter zu einfachem Bord-Personal wie dem Maat Bruno Gaido (gespielt von Ex-Popstar Nick Jonas). So ziemlich alles, was man in diesem Film zu sehen bekommt, entspricht historisch verbürgten Tatsachen und ist weitgehend frei von Ausschmückungen - kommt genau deswegen aber auch arg trocken daher. 

MidwayMan merkt "Midway" durchweg an, dass hier ein Soldaten-Fanboy am Drehbuch saß, der quasi die Leinwandversion eines militärhistorischen Bestsellers herstellen wollte. Das hat nicht nur zur Folge, dass Frauen in diesem Film so gut wie gar nicht vorkommen, und wenn, dann sind sie reine Staffage, um zwischendurch mal ein bisschen Angst um ihre Männer zu haben (die an sich hervorragende Mandy Moore aus der grandiosen Drama-Serie "This is us" wird hier in dieser Hinsicht vollkommen verschwendet). Das führt vor allem dazu, dass alle Hauptfiguren dieses Films sich verhalten wie überidealisierte Abziehbilder von Werbeposter-Soldaten. Wenn man seinen besten Freund nur noch als verkohlte Leiche wiedersieht, dann muss Mann zum Beispiel nicht mit den Tränen kämpfen, sondern schaut nur kurz getroffen und geht dann ordentlich einen heben auf den toten Kameraden. Alles und jeder in diesem Film ist so unfassbar Macho, dass es schon fast an eine Karikatur grenzt. Passenderweise ist "Midway" voll von unfreiwillig komischen B-Movie-Dialogzeilen wie "Muss ich Sie daran erinnern, dass ich Ihr vorgesetzter Offizier bin?" oder "Das war das Mutigste, was ich jemals gesehen habe". 

Die schlimmsten dieser Momente drehen sich allesamt um den Piloten Dick Best, bei dem sich die im Drehbuch angelegte, selbstbewusste Großmäuligkeit auf denkbar ungünstige Weise mit dem hölzern-oberflächlichen Schauspiel seines Darstellers Ed Skrein kombiniert (dem man im Original übrigens überdeutlich anhört, dass er eigentlich Brite und ganz eindeutig kein Amerikaner ist). Resultat ist eine grässlich unsympathische Figur, die sich von ihrem ersten Auftritt an für den geilsten Typen der Welt hält, und in dieser Ansicht dann auch noch von der gesamten Filmhandlung bestätigt wird. Was offensichtlich als ehrerbietige Heldenverehrung für eine sagenumwobene Gestalt der US-Militärgeschichte gedacht war, verkommt zu einem mittelschweren Ärgernis. Zumindest der Rezensent hat selten eine Film-Hauptfigur erlebt, bei der er sich so sehr gewünscht hat, dass sie mal ordentlich eines auf die Fresse bekommt. 

Man muss Roland Emmerich zugute halten, dass er seine beschränkten Mittel richtig einsetzt und sich das Effekte-Budget für den großen Höhepunkt aufgehoben hat. Wenn in den ausgiebigen Schlacht-Sequenzen die amerikanischen Bomber im Sturzflug durch heftiges Flak-Feuer den japanischen Flugzeugträgern entgegenrasen, dann kommt bei "Midway" doch noch einige Spannung auf und es wird ein recht ordentliches Spektakel geboten. Und es ist angesichts dessen, was man aus "Independence Day"-Zeiten von ihm gewohnt war, schon sehr erstaunlich, dass Emmerich hier einen ganzen pathetischen Heldenverehrungs-Film hinlegt, ohne auch nur einmal eine amerikanische Flagge im Wind zu zeigen. 

Das ändert allerdings auch nichts daran, dass "Midway" ein reiner Männerfilm ist und eigentlich nur etwas für Militärgeschichte-Enthusiasten, die sich auch für den aus europäischer Perspektive eher unbedeutenden Pazifik-Krieg interessieren. Alle anderen dürften sich hier über weite Strecken halb zu Tode langweilen, wenn ihnen die vollkommen ironiefreie Huldigung soldatischer Tugenden und das Abfeiern vermeintlicher "echter Männlichkeit" nicht sogar etwas sauer aufstößt. Es ist jedenfalls nicht zu erwarten, dass Emmerich hiermit endlich mal wieder ein Hit gelingt.

Frank-Michael Helmke

Das klingt jetzt natürlich

Das klingt jetzt natürlich unfair, weil ich den Film noch nicht gesehen habe, aber: Wenn ich mich für eine Geschichtsstunde über den Pazifikkrieg in filmischer Form interessiere, dann schaue ich mir ganz bestimmt NICHT einen Film von Roland Emmerich an.

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