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A Breath Away

A Breath Away
survival-thriller , frankreich/kanada 2018
original
dans la brume
regie
daniel roby
drehbuch
guillaume lemans, jimmy bemon, mathieu delozier
cast
romain duris; olga kurylenko, u.a.
spielzeit
89 Minuten
kinostart
homepage
bewertung

7 von 10 Augen
brume

Frankreich ist ja nicht unbedingt für sein Genrekino bekannt, eher für massenkompatible Komödien à la „Ziemlich beste Freunde“. Klar, vor ein paar Jahren gab es eine Welle von knüppelharten Horrorfilmen („High Tension“, „Frontiers“, „Martyrs“, „Inside“). Aber Survival- oder Endzeitfilme haben die Gallier doch eher selten im Gepäck, weswegen „Dans La Brume“ (in Deutschland unter seinem leider recht nischtssagenden internationalen Verleihtitel erscheinend) eine schöne Überraschung ist, die vor ein paar Monaten im Heimatland im Kino lief und nun in Deutschland als DVD/BR-Premiere erscheint.

Größter Trumpf neben einer souveränen Inszenierung und guten Hauptdarstellern ist dabei vor allem der Handlungsort, denn wann hat man schon mal Paris als Katastrophengebiet gesehen? Das ist doch auch mal was anderes als die als New York verkleideten Toronto oder Vancouver. Zumal die Geschichte geschickt so entwickelt ist, dass sie so eigentlich auch nur in Paris funktionieren kann. Aber wir wollen nicht zu weit vorgreifen. Also kurz zurück zum Anfang: Mathieu (Romain Duris) kommt gerade von einer Geschäftsreise zurück und besucht seine Exfrau Anna (Olga Kurylenko) und Tochter Sarah (Fantine Harduin), die aufgrund einer raren Immunkrankheit in einer Glaskuppel mit eigenem Sauerstoffsystem lebt. Kurz drauf erschüttert ein Erdbeben Paris. Als Mathieu auf die Straße geht, um nachzusehen, was los ist, sieht er wie ein mysteriöser und scheinbar giftiger Nebel aus den Metro-Stationen aufsteigt. Mit Anna flüchtet er in die Dachwohnung seiner betagten Nachbarn Lucien (Michel Robin) und Colette (Anna Gaylor), wo sie zunächst in Sicherheit scheinen. Aber die Batterien von Sarahs Glaskuppel müssen regelmäßig ausgetauscht werden... und der Nebel scheint langsam aber sicher zu steigen...

...weswegen der Film natürlich nicht auf ewig in der Wohnung des älteren Pärchens bleiben kann, was uns wieder zu dem Clou des Schauplatzes führt, denn wo sonst könnte man sich über mehrere Straßenblöcke von Häuserdach zu Häuserdach hangeln als in der dichtbebauten Metropole? Wie überhaupt die Dacharchitektur von den Filmemachern für einige beeindruckende Szenen genutzt wird, die das gesamte Ausmaß der Katastrophe zeigen. Auch storytechnisch werden die Besonderheiten der Stadt genutzt, etwa wenn sich die anderen Überlebenden der Katastrophe in das auf einem Hügel gelegene Montmartre flüchten. Trotzdem bleibt der Film immer nah dran an Mathieu und Anna, weswegen man die sich dann dort ausbreitenden Krawalle nur mit Mathieu durch ein Fernglas sieht. Dennoch ist es nicht zu viel verraten, dass der Zuschauer sich in der zweiten Filmhälfte mit den Ptotagonisten durch die vernebelten Straßen von Paris aufmacht und Regisseur Daniel Roby dafür durchaus beklemmende Bilder findet.

Natürlich kann man es bedenklich finden, dass hier eine nationale oder gar globale Katastrophe als Hintergrund für ein Familiendrama benutzt wird. Andererseits haben Hollywoods Katastrophenfilme so schon immer funktioniert. Und auch über die Grundsituation mit einer Reihe von Checkows Pistolen (oder Glaskuppeln) muss man ein wenig wohlwollend hinwegsehen, es ist halt eine Variante des Kindes mit Asthma. Und zu bekritteln gibt es auch, dass der Film manchmal nicht ganz einheitlich ist, was die Auswirkungen des Nebels betrifft (Stichwort: Tiere). Entlohnt wird man dafür mit dem ungewöhnlichen Schauplatz und kleinen Szenen, die im Gedächtnis bleiben. Wenn etwa Mathieu sich mühsam über die Dächer hangelt und auf einmal ganz unverhofft vor einem Korb Lebensmittel steht. Oder wenn nur wenige Sekunden später eine Blutlache auf einer Wand stumm eine Geschichte erzählt. Überhaupt ist Effizienz hier das Stichwort: Am Anfang kurz gesehene oder genannte Dinge werden später noch mal wichtig, die Mini-Missionen von Mathieu und Anna sind immer klar und logisch und nach nicht einmal anderthalb Stunden ist das Ganze vorbei. Von solch effektivem Arbeiten kann sich so manch aufgeblasener Blockbuster ein Scheibchen abschneiden.

Viel hängt natürlich bei einem Film wie diesem mit etwa zehn größeren Sprechrollen von den Hauptdarstellern ab, zumal der Film wie gesagt die meiste Zeit mit Anna und Mathieu verbringt. Romain Duris darf sich hier statt als liebenswerter Schluffi als Normalo, der zum Helden werden muss, beweisen und zieht sich ganz gut aus der Affäre. Olga Kurylenko zeigt, dass ihr nach „Ein Quantum Trost“ durchaus ein paar bessere Rollen über den Weg hätten laufen können. Und die Senioren Michel Robin und Anna Gaylor geben ein herzzereißendes Paar ab.

„A Breath Away“ ist kein Film, der das Genre nachhaltig verändern wird, aber anderereseits ist es nun auch schon eine Weile her, dass man einen klassischen Survivalfilm gesehen hat anstatt eines hochgezüchteten Actionspektakels. Und mit seinem simplen, man kann fast sagen typisch französischem Charme kann dieser Film sich Genrefreunden zumindest für einen netten Heimkinoabend empfehlen.

Simon Staake

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