DVD: Largo Winch - Tödliches Erbe

action, fra 2008
original
largo winch
regie
jerôme salle
drehbuch
julien rappeneau, jerôme salle
cast

tomer sisley,
kristin scott thomas,
mélanie thierry,
karel roden,
miki manoljovic, u.a.

spielzeit 108 min.
dvd-start
20.11.2009

Plakat

 

Largo Winch - Special Edition (2 DVDs)
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Comicverfilmung einmal anders: Statt den kostümierten Superhelden aus den USA haben wir es hier mit einer franko-belgischen Vorlage zu tun, deren Umsetzung zwangsläufig dann auch in französischer Hand landete. Dort erwies sich "Largo Winch" im letzten Jahr als absoluter Kino-Kassenschlager, der auch der Comicvorlage Unkundige mit seinen auf Hochglanz polierten Abenteuern begeisterte. Hierzulande bleibt es bei einem direkten DVD-Start, das Ansehen ist "Largo Winch" aber allemal wert, auch wenn in Deutschland nur wenige die erfolgreiche Comicreihe kennen dürften.
Dies ist allerdings auch gar nicht weiter schlimm, denn wie in solchen Fällen üblich wird in "Largo Winch" die Herkunft der Titelfigur erklärt, zudem modernisiert und ändert die Filmversion etwas die ursprüngliche Geschichte. Da es uns fern liegt, hier zu viel verraten zu wollen, nur kurz zur Ausgangssituation: Das "tödliche Erbe" des Untertitels muss Largo Winch (Tomer Sisley) antreten, da sein Ziehvater Nerio Winch (Miki Manoljovic, "Irina Palm") auf mysteriöse Art ums Leben gekommen ist. Während aber der junge Abenteurer die Mörder seines Vaters sucht, bekommt er noch ganz andere Probleme, denn seine Erbschaft macht nicht allen Freude: Die Verantwortlichen der W-Gruppe, Nerio Winchs riesigem Firmenimperium, bleiben skeptisch, was den plötzlich auftauchenden Erben betrifft. Nur Nerios rechte Hand Ann Ferguson (Kristin Scott Thomas) scheint dem jungen Mann zu vertrauen. Und dann droht auch noch Gefahr von außerhalb: Eine Firmengruppe unter Leitung des mysteriösen Korsky (Karel Roden) plant eine feindliche Übernahme. Largo muss also schnellstmöglich die Legitimität seines Erbes nachweisen, eine zunehmend gefährlichere und alsbald tödliche Aufgabe....

Dass in Frankreich ja nun schon seit Jahren Genrekino auf ausgesprochen hohem technischem Niveau geboten wird, ist nichts Neues. Neben "Largo Winch" lief etwa auch "Taken" (in Deutschland "96 Hours") 2008 erfolgreich und wurde dann in diesem Frühjahr in den USA zu einem der Überraschungserfolge des Jahres. Während man dort aber mit Liam Neeson auf ein internationales Zugpferd setzte, verblüffte die Auswahl des Hauptdarstellers von "Largo Winch" nicht wenige. Mit Tomer Sisley wurde ein Standup-Komiker gewählt, der weder einen großen Bekanntheitsgrad besitzt, noch sich auf den ersten Blick in irgendeiner Form als Actionheld angeboten hätte.
Aber der geschickte Schachzug von Regisseur Jean-Christophe Salomé ging auf, auch weil das ausnahmsweise wirklich mal "neue Gesicht" die Erwartungen erfüllen konnte. Sisley füllt seine Rolle mit Charme und einem Look, der ihn von den 08/15-Schönlingen aus Hollywoods Nachwuchstruppe abhebt. Dazu gesellen sich dann schöne Drehorte, kurz aber heftig eingesetzte Actionszenen und eine Story, deren Industrie- und Finanzaspekte natürlich nur den Rahmen für allerlei Abenteuer, Täuschung und Intrigen liefern.
Es braucht also keiner Angst zu haben, hier würde es nur im Fachjargon über Firmenübernahmen gehen. Auch wenn man als Zuschauer den einen oder anderen Braten schon riecht, bevor er einem aufgetischt wird: Besonderen Spaß machen an "Largo Winch" die Überraschungen, sowohl was die Identitäten der Bösewichter betrifft, als auch die von Largo selbst, über den wir im Laufe des Films immer mehr erfahren. Ist man da wie der Aufsichtsrat am Anfang skeptisch, so wird auch für den Zuschauer im Verlaufe des Films immer deutlicher, wie und warum Largo hier als Mini-James Bond bestehen kann.
Apropos: Die Anleihen, die "Largo Winch" bei der klassischen Bond-Reihe macht, sind überdeutlich: Das musikalische Hauptmotiv des Soundtracks ist etwa so eindeutig von den klassischen John Barry-Scores inspiriert, dass man da mit einigem Wohlwollen noch von Hommage spricht, bei etwas mehr Bösartigkeit schon von Plagiat. Aber: Während sich Herr Bond ja mittlerweile eher wie Herr Bourne ausnimmt und "Ein Quantum Trost" alte Fans der Serie endgültig vergrätzte, braucht man ja vielleicht Nachfolger, die in elegant gefilmten internationalen Locations haarsträubende Abenteuer erleben. Auch wenn es hier - wie bei den letzten beiden Bonds - eher um Privates geht anstatt die Weltherrschaft: Old School Bond-Fans sei ein Blick auf "Largo Winch" besonders empfohlen, denn er bietet eigentlich alles, was sie von ihrer (ehemaligen) Lieblingsfilmreihe erwarten.
Nur für jede Menge Liebschaften hat Tomer alias Largo kaum Zeit, dafür muss er viel zu oft um sein Leben laufen. Und im Gegensatz zum Comic, in dem Largo ständig von knapp bis gar nicht bekleideten Damen umgeben ist, bleibt es auch bei einer kurzen Sexszene. Immerhin reicht es für eben jenes Techtelmechtel mit der undurchsichtigen Léa (Mélanie Thierry). Auch wenn Frau Thierry hier als drittgrößter Star genannt wird, hat sie allerdings nur eine knappe Viertelstunde Leinwandzeit.

"Largo Winch" wird einem französischen Blockbuster (die unvermeidliche Fortsetzung ist bereits in Arbeit) angemessen von Sunfilm in einer schönen Doppel-DVD Edition herausgebracht, die einiges an Extras auffährt. Ein Interviewspecial für das französische TV ist ergiebiger und tiefgründiger als die meisten vergleichbaren Beiträge. Ein 50-minütiges Making Of gibt interessante Einblicke in den Dreh, in dem sowohl Humor (es wird viel geblödelt und Tomer Sisley erzählt eine herrliche Anekdote, wie er in Hongkong mit dem Schauspielkollegen Vincent Elbaz verwechselt wird) als auch ungeschönte Einblicke in so manche Probleme beim Dreh gegeben werden: So darf der Regisseur des zweiten Teams mal so richtig schön fluchen über all die ihn umgebenden unfähigen Idioten, die ihn täglich zwei bis drei Stunden wertvolle Arbeitszeit kosten. Und ein Beleuchter macht ein unnachahmliches "Ups"-Gesicht, als er mit dem Klebeband zur Markierung auch den Lack eines Autos abzieht. Neben Featurettes mit dem Stunt-Verantwortlichen und dem Kampfszenentrainer gibt es zudem exklusiv noch ein Interview mit dem "Largo Winch"-Comiczeichner Philippe Francq, ein Storyboard/Film-Vergleich und die Trailer zum Film runden das Bonuspaket ab.

"Largo Winch" ist modernes Actionkino auf höchstem technischen Niveau, bei dem es einzig in der B-Note kleine Abzüge für Originalitätsmängel gibt. Wer aber den Abenteurer der Hochfinanz schon aus der Comicvorlage (oder der leicht trashigen TV-Serie gleichen Namens) kennt oder aber mit gutem Grund neu kennen lernen will, dem sei dieser Film ans Herz gelegt.


Bilder: Courtesy of Sunfilm Entertainment, Copyright 2008
S. Staake
 



Name: NoNameoShame
Email: atzespost@web.de
Bewertung:   

habe den film nicht im wissen gesehen, dass die vorlage ein comic ist und da man auch keinen hollywood-actionfilm serviert bekommt, weist beim betrachten des streifens nicht wirklich viel drauf hin, was ich für eine comicverfilmung eigentlich ein bisschen schade finde. im gegensatz zu den üblichen französischen kinomagneten à la "taxi, taxi" fühlte ich mich trotzdem sowohl vor, als auch nach der zigarettenpause, ganz gut unterhalten.

bei den ersten bondfilmen war sean connery so cool und sexy, wie es tomer sisley hier nie schafft. anschließend wurde das franchise, wie es heute so schön heißt, zum kult. sowohl die filme mit timothy dalton, als auch die mit daniel craig versprühen ein ganz anderes flair, als es vom britischen agenten erwartet wird. trotzdem sind sind es gute filme. leider hat "largo winch" keinen extrem charismatischen darsteller, noch vergleichbar originelle und in der regel gut gefilmte actionteile im film. dass vom bondflair hier noch weniger übrig bleibt, als bei "ein quantum trost" soll keine kritik sein, denn schließlich hat hier eine eigene geschichte als vorlage gedient, doch letztlich bleibt der film etwas farblos und unauffällig. da die story zumindest deutlich fesselnder und intelligenter konstruiert als bei typischen 007-werken ist, mag man dem film während der 108 min. außer der angesprochenen orginalitätsmängel, nix vorwerfen, ihn 2 wochen später auf einer filmseite in den himmel zu heben wird aber auch nur ganz wenigen passieren.

P.S.: schade, dass man hier keine augen geben kann, es wären sonst 7



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