In
ähnlicher Weise wie heutzutage chinesische Firmen die Ideen westlicher
Konzerne kopieren und Plagiate hervorbringen, bedienten sich gegen
Ende der 1990er Jahre diverse Filmemacher bei Marktführer Tarantinos
Kultstreifen "Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction".
Guy Ritchie, Reb Braddock, Troy Duffy und John Herzfeld wollten alle
ein Stück vom Kuchen abhaben - ebenso Skip Woods, Macher von
"Thursday", der mit einem solchen Namen auch im Pornogeschäft
Erfolge feiern könnte. Stattdessen entschied er sich dafür,
dem Club der von Quentin Tarantino inspirierten Regisseure beizutreten
und einen Film zu schaffen, der sich genau an dessen Erfolgskonzept
hält: Tiefschwarzer Humor, absurde Dialoge, groteske Situationen,
skurrile Charaktere und viel rohe Gewalt.
Aus der Filmgeschichte wissen wir, dass es für einen Gangster
im Ruhestand nur eine Frage der Zeit ist, bis er von seiner Vergangenheit
eingeholt wird. Bei Casey (Thomas Jane) geschieht dies in der Form
seines früheren Partners Nick (Aaron Eckhart), der eines Tages
in die beschauliche Vorstadtidylle eindringt und sein spießiges
Leben ein wenig interessanter gestaltet. Während Nick sich
in der Stadt um seine Geschäfte kümmert, findet Casey
in dessen Koffer eine große Menge Heroin, die er in einem
Anfall kleinbürgerlicher Rechtschaffenheit schnellstens der
Kanalisation übergibt. Die Zeiten des Drogenhandels sind für
ihn vorbei. Allerdings
sieht sich Casey alsbald mit einer Reihe von ungebetenen Gästen
konfrontiert, die reges Interesse am Inhalt des Koffers zeigen:
Ein Rastafari, der sämtliche Kifferklischees erfüllt;
Dallas, die sexsüchtige Ex von Nick; ein kreissägenschwingender
Spezialist für innovative Foltermethoden und ein korrupter
Polizist, souverän gespielt von Mickey "Mugshot"
Rourke. Sie alle hinterlassen eine scharlachrote Sauerei in Caseys
Haus, die selbst Mr. Wolf arge Probleme bereiten würde.
Im Verlauf des Tages, an dem Casey mehrmals dem Tod von der Schippe
springen muss, kommt beim Versuch, die Lage unter Kontrolle zu bringen,
immer mehr sein altes Gangster-Ich zum Vorschein. Verschwommene
Flashbacks unterbrechen das muntere Stelldichein im Haus und bringen
Licht in seine dunkle Vergangenheit. Eine Erklärung für
die blitzschnelle Mutation zum gutbürgerlichen Architekten
vermögen sie jedoch nicht zu liefern. Damit wäre zumindest
Nick geholfen, der mit Entsetzen feststellen muss, dass sein ehemaliger
Partner nun Sojamilch trinkt und einen Kombi fährt. Immerhin
besser als Drogen zu verticken und Konkurrenten umzunieten.
Alles alte Geschichten, die Casey am liebsten vor dem Adoptionsgutachter
verheimlichen würde, der ihn heute beurteilen wollte. Dank
Dallas erfährt der dennoch von Caseys wilden Jahren in LA.
Sein Bericht wird wahrscheinlich negativ ausfallen.
Neben diversen kleineren Einfällen und den starken schauspielerischen
Leistungen der Protagonisten kann vor allem die eindrucksvolle Anfangsszene
überzeugen. Geschickt vereinen sich in ihr alle Elemente, die
"Thursday" auszeichnen. Nicks Versuch, beim Kaffee bestellen
zu betrügen, endet mit einer toten Kassiererin und einem toten
Polizisten, dazwischen gibt es coole Sprüche und Anspielungen
auf die Popkultur. Mehr kann und sollte man von diesem Film auch
nicht erwarten. Vom Drehbuch über den geschickt gewählten
Soundtrack bis hin zum visuellen Stil - irgendwie bleibt immer das
Gefühl, in einem Tarantino-Remake gelandet zu sein, was dem
reinen Unterhaltungswert allerdings kaum schadet.
Da dieses Werk ohne die Arbeiten von Uns Quentin sicherlich nicht
entstanden wäre, erweist sich "Thursday" ergo als
Geheimtipp für all diejenigen, die mit einem neunzigminütigen
Déjà-vu keine Probleme haben, sondern sich stattdessen
einfach an den zahlreichen Vorzügen dieses Genres erfreuen
können.
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