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"Star Trek: The Next Generation" - Staffel 7

Nach sechs überaus erfolgreichen Jahren wurde der Vertrag für die "Next Generation"-Serie 1993 noch einmal um ein weiteres Jahr verlängert. Dabei gelang es dann auch, sämtliche Hauptdarsteller (die ihren Marktwert seit Beginn der Serie deutlich gesteigert hatten) zur Unterschrift für weitere Folgen zu bewegen. Die Aussicht, direkt im Anschluss an das Ende der Serie den Sprung auf die große Kinoleinwand zu wagen, dürfte dabei für zusätzliche Motivation gesorgt haben. Außerdem hatte sich die "Next Generation" im Vergleich zum hausinternen Konkurrenten "Deep Space Nine" als klarer Platzhirsch und eindeutige Nummer Eins bei den Zuschauern erwiesen. Allerdings zeigt der Rückblick auf die siebte Staffel auch recht deutlich, dass die Luft bei den Autoren nun langsam raus war. Die Chemie und das Zusammenspiel zwischen den Charakteren funktionierte zwar weiterhin immer besser, aber der Anforderung, nach Jahren kreativer Höchstleistungen noch einmal 26 überzeugende Episoden zu präsentieren, konnte man nur noch vereinzelt gerecht werden. So geriet man langsam in eine Art "Familienwahn" indem plötzlich immer neue Verwandte und Angehörige der etablierten Figuren auftauchten oder zurückkehrten. Diese - für Soap Operas typische, für Science-Fiction Serien aber eher ungewöhnliche - Vorgehensweise führte dann zu in der Regel auch eher uninteressanten Folgen wie "Das Interface" (mit Geordis toter Mutter), "Soongs Vermächtnis" (introducing Datas "Mutter"), "Die oberste Direktive" (Worfs Adoptivbruder) und "Boks Vergeltung" (mit Picards Sohn). Lediglich die unterhaltsame Spukgeschichte "Ronin" - in der Beverly Crushers Familie näher vorgestellt wird - bot wirklich etwas Neues, insgesamt wurde in dieser Richtung aber eindeutig zu dick aufgetragen. Ferner ließ man bei Paramount auch einige wirklich wirre Episoden passieren, die den Zuschauer meist mit mehr offenen Fragen als überzeugenden Antworten zurückließen. So geschehen in "Traumanalyse" mit Datas bizarren Halluzinationen, den Auswirkungen einer göttlichen Maya-Maske in "Der Komet" und der Entwicklung von "Neuer Intelligenz" in Person des guten alten Holodecks.

Im steten (fast verlässlichen) Wechsel mit diesen Aussetzern gab es aber auch im letzten Serienjahr immer wieder einzelne Höhepunkte: "Parallelen" liefert erneut eine faszinierende "Zeitverschiebung", der Zweiteiler "Der Schachzug" eine zwar unglaubwürdige aber enorm spannende Geschichte mit Picard als Söldner unter Gesetzlosen und mit "Genesis" den wohl bis dahin gewagtesten Ausflug ins Horrorgenre. Sehr interessant auch die "Beförderungen", in denen endlich mal ein Blick auf die "einfachen" Besatzungsmitglieder geworfen wird, die längst nicht alles erklärt bekommen was "da oben" so entschieden wird. Und dann wäre da natürlich noch der auf Spielfilmlänge angelegte Abschluss der Serie mit dem Titel "Gestern, heute, morgen" oder wie es im Original etwas poetischer heißt: "All good Things" (... must come to an End). Hier gelingt es dann tatsächlich doch noch einmal einen großen Bogen zu schlagen, mit Rückblenden zu den Anfängen der Serie und entsprechenden Kommentaren dazu von einem durch verschiedene Zeitebenen gehetzten Picard. Ein wirkliches Abschiedsgefühl wird jedoch zumindest für die Darsteller kaum aufgekommen sein, denn nur eine Woche nachdem die letzte Episode im Kasten war, begann man ja bereits mit den Dreharbeiten zum Kinofilm "Generations". Die Reise der "Next Generation" war also noch nicht zu Ende, sondern sollte in bis heute vier aufwändigen Spielfilmen ihre Fortsetzung finden. Als Serie jedoch hatte man bereits Fernsehgeschichte geschrieben und trotz aller Anfangsschwierigkeiten und einem holperigen Start eine beachtliche Entwicklung durchgemacht und dabei Millionen neuer Anhänger gewonnen, die mit dem Thema "Star Trek" vorher oft noch gar nichts anzufangen wussten.

Die siebte DVD-Box der Serie bietet dann (wie erhofft) auch tatsächlich neben der gewohnten Qualität und Ausstattung doch noch einiges mehr an Bonusmaterial als ihre Vorgänger. Zwar fallen die "Missionsrückblicke" diesmal eher kurz aus, das ist aber aufgrund der weiteren enthaltenen Specials nicht tragisch: Neben einem "Making of" zum Serienfinale "All good Things", gibt es ein Feature über die "Mode in der Zukunft", einen Rückblick "Momente und Erinnerungen" und einige spezielle "Profile". Ferner äußert sich Patrick Stewart in "The Captain's Tribute" über das persönliche Verhältnis zu seinen Schauspielerkollegen. Dabei verschweigt er dann auch nicht, dass er seine Kollegen Dorn und Burton mit einer ungewollt rassistischen Bemerkung einmal sehr verärgerte. Und ganz zum Abschluss gibt es dann noch einen kurzen Ausblick auf die Schwesterserie "Deep Space Nine". Denn mittlerweile steht fest: Auch die wird im Laufe des Jahres 2003 mit sieben weiteren Boxen auf DVD verewigt. Und mehr darüber dann vielleicht demnächst auf diesen Seiten...

Volker Robrahn