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"Star Trek: The Next Generation" - Staffel 6

In den Jahren 1991 und 92 hatte sich die Aufregung um den neuen "Star Trek"-Ableger "Deep Space Nine" erst einmal etwas gelegt und die "Next Generation" sich als die nach wie vor beliebtere und zugkräftigere Serie erwiesen. Und musste man beim Gesamteindruck des fünften Jahres ein wenig bangen, ob den Autoren nicht langsam die Ideen ausgehen würden, so zerstreute Staffel 6 diese Bedenken nahezu komplett. Auf das nach wie vor treue Publikum wartete ein Feuerwerk an spannenden, kurzweiligen und mitunter auch wirklich witzigen

Findet sich selbst und 
langweilt trotzdem: Worf

Episoden. Gab es im vorhergehenden Jahr noch einige wirklich zähe Folgen, so sprühten die Beteiligten jetzt anscheinend wieder vor Spielfreude und Einfallsreichtum. Und weil dem so ist, haken wir auch mal ganz schnell die wenigen Rohrkrepierer des Jahrgangs ab, bevor wir uns den zahlreichen Highlights widmen:

Dem bereits im Bericht zur fünften Season erwähnten Hang zu noch mehr Zweiteilern wurde weiter nachgegeben, und diesmal packte man gleich zwei Episoden mit Fortsetzungscharakter mitten in die Staffel: Bei der über 90 Minuten gestreckten klingonischen Selbstfindung in "Der Moment der Erkenntnis Teil 1 & 2" strapazierte man die Geduld des Zuschauers dann auch ganz erheblich. Ebenfalls eher albern kamen die verjüngten Versionen der Enterprise-Crew in "Erwachsene Kinder" daher, aber immerhin erfuhr man, dass Ro Laren ihr Stirnband auch schon als Göre trug. Und dann wäre da noch der Preis als wertvollster deutscher Episodentitel für "Gefangen in einem temporären Fragment". Ansonsten gleicht die Suche nach Mangelhaftem aber eher der nach dem Haar in der Suppe - und das ist unappetitlich, also lassen wir es.

Harter Tobak: Picard unter Folter
in "Geheime Mission auf Celtris III"

Gleich der zweite Mehrteiler bietet nämlich schon ein wesentlich interessanteres Szenario: "Geheime Mission auf Celtris III" stellt dabei nicht nur die Cardassianer innerhalb der TNG-Serie genauer vor, sondern zeigt auch einen - für "Star Trek" bis dahin ungewöhnlich brutalen - Foltermethoden ausgesetzten Picard. Ebenfalls sehr ernst und actionlastig gibt sich der Captain in "In der Hand von Terroristen" - oft und gern auch als "Star Trek's Stirb langsam" bezeichnet. In einen psychologischen Abgrund blickt William Riker dagegen im großartigen Verwirrspiel "Phantasie oder Wirklichkeit", der sich in "Riker:2=?" auch gleich noch einem Doppelgänger ausgesetzt sieht - bei der Wahl des Episodentitels zeigten sich die Macher übrigens als augenzwinkernde Kenner ihres eigenen kleinen Universums. Deanna Troi darf als Agentin in "Das Gesicht des Feindes" endlich einmal zeigen was in ihr steckt, und Data zeigt im amüsanten Holodeck-Western "Eine Handvoll Datas" zahlreiche neue Gesichter. Apropos Holodeck-Abenteuer: Das liefert mit der Sherlock Holmes-Story "Das Schiff in der Flasche" diesmal eine der gelungensten Folgen dieses Subgenres innerhalb der Serie. Bliebe dann noch die unvermeidliche Rückkehr von alten Bekannten: Neben dem sporadisch immer mal wieder für Unterhaltung sorgenden sympathischen Loser Lt. Barclay ("Todesangst beim Beamen"), erweist sich dieses Mal auch die Einbeziehung eines Mitgliedes der "Classic Crew" als durchaus erfreulich: Denn der gute Scotty ist auch als "Besuch von der alten Enterprise" ganz er selbst. Und während wir im vorhergehenden Jahr ausnahmsweise ganz auf den Störenfried Q verzichten mussten, gibt der sich diesmal gleich zweimal die Ehre: In "Eine echte Q" fördert er die Fähigkeiten einer jungen "Praktikantin" und im herrlichen "Willkommen im Leben nach dem Tode" zwingt er Picard zu einer Auseinandersetzung mit dessen Jugendsünden.

Ein Jahr mit der "Enterprise" das wirklich Spaß machte also, und dazu dann mit "Angriff der Borg Teil 1" auch endlich wieder ein Finale, das einen mit vor Spannung offenem Mund zurückließ - zum letzten Mal allerdings, denn es sollte nur noch ein weiteres Jahr mit den Abenteuern der "Next Generation" folgen.
Den Blick aufs sechste Jahr allerdings vertieft man auch dieses Mal wieder anhand der in der DVD-Box enthaltenen Anhänge über das Zustandekommen und die Realisierung der einzelnen Missionen. Ein besonderer Blick wird dabei dieses Mal auf Sets und Ausstattung sowie den Charakter von Data geworfen.
Ansonsten bietet auch Box Nummer sechs technisch und optisch das gewohnte Bild: Das mittlerweile schon gewohnt gute.

Volker Robrahn