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STAR TREK - Mit der ENTERPRISE zurück in eine bessere Zukunft? - Staffel 4

Staffel 4: Das vorzeitige Finale

Man hatte bei Paramount Einiges gewagt mit der dritten Staffel von "Enterprise". Der radikale Bruch vom gewohnten Konzept mit einzelnen Charakter-Episoden und wenigen Mehrteilern hin zu einer einzigen, alle Episoden bestimmenden Storyline kam bei den Fans auch überwiegend gut an. Nur wenige lehnten diese Idee ab, die meisten (so bekannterweise auch die Filmszene-Redaktion) liebten sie. Dieser Mut zum Risiko wurde im Bezug auf die Zuschauerzahlen aber leider nicht belohnt. Nun gut, er wurde auch nicht bestraft, sondern die Quoten blieben einfach auf unverändert mittelmäßigem Niveau. Es gab also für die Verantwortlichen keinen zwingenden Grund, nach dem Ende der "Xindi"-Saga gleich noch einmal ein ähnlich gigantisch gelagertes Szenario aufzuziehen. Andererseits hatte man sich die Kritik, die insbesondere die etwas arg konventionelle zweite Staffel abbekommen hatte, durchaus zu Herzen genommen. Und so präsentiert uns Staffel Vier dann auch einen bunten Mix aus "klassischen" Einzelepisoden, Zweiteilern und den sich im Hintergrund weiter entfaltenden Konflikt zwischen den Menschen, Vulkaniern und Andorianern.

Der Auftakt der Staffel gerät dabei allerdings recht schwach. Was sich am Ende von Staffel Drei noch recht viel versprechend ankündigte, entpuppt sich in "Storm Front Teil 1 und 2" als eine ziemlich trashige Räuberpistole, die sich kurz mit dem Satz "Fiese Aliens versuchen den Nazis dabei zu helfen, den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen" zusammenfassen lässt. Hier zeigt sich erneut, dass der in der kompletten Serie immer mal wieder aufgegriffene "temporale kalte Krieg" einfach ein zu schwammiges Konzept war, welches daher auch letztendlich nicht wirklich befriedigend aufgelöst werden kann. Aber nachdem wir das hinter uns haben, wird es dafür umso interessanter. Wie man überhaupt konstatieren kann, dass die vierte Staffel der Serie weniger einzelne Highlights bietet, sondern sich vielmehr kontinuierlich steigern kann.
Ein erster Höhepunkt ist dabei zweifelsohne der Auftritt von "Data"-Darsteller Brent Spiner, der erneut in die Rolle eines der Urahnen seines Charakters schlüpft, nämlich des Wissenschaftlers Dr. Arik Soong. Bemerkenswert sind an diesem gelungenen Gastauftritt gleich zwei Dinge: Einerseits die Entscheidung von Spiner, diesmal einen ziemlichen Unsympathen zu spielen (man merkt übrigens, dass ihm das ziemlich viel Spaß gemacht haben muss). Und andererseits die Tatsache, dass er nicht nur für eine, sondern gleich drei Folgen verpflichtet werden konnte, so dass sich die Geschichte um die künstlich gezüchteten Supermenschen über die Episoden "Borderland", "Cold Station 12" und "The Augments" hinweg entfalten kann.
Dass das populäre Spiegeluniversum nach wie vor für interessante Folgen gut ist, beweist der Zweiteiler "In a Mirror Darkly". Größer entfalten können sich diesmal die Andorianer, die auch gleich in einer Handvoll Folgen mitwirken, von denen der spannende Thriller "Babel One" die stärkste und das x-te Duell auf Leben und Tod mit Captain Archer in "United" die schwächste darstellen. Obwohl sie mit ihrer blauen Haut und den beiden Kopfantennen ja eigentlich recht albern aussehen, erfreuen sich die Andorianer bei den "Star Trek"-Fans seit jeher einer großen Beliebtheit. Heftig umstritten war dagegen von Anfang an die, auf viele etwas konstruiert wirkende, romantische Beziehung zwischen den Besatzungsmitgliedern Trip und T'Pol. Diese erlebt kurz vor Schluss dieses Jahrgangs dann allerdings einen dramatischen Höhepunkt in dem indirekten Zweiteiler "Demons" und "Terra Prime".

Dass diese gelungenen Episoden nicht auch das Finale der Staffel bilden, hat dann allerdings einen recht bitteren Grund. Denn "Enterprise" bewegte sich dank der mittelmäßigen Einschaltquoten ja von Anfang an auf einem schmalen Grat, und plötzlich war es dann soweit: Die Serie wurde 2004 eingestellt und ist damit die erste, die es seit dem Wiederaufleben der "Star Trek"-Franchise in den 80er Jahren nur auf vier statt der üblichen sieben Staffeln bringt. Als Abschluss und damit sich der Kreis gewissermaßen schließt, präsentierte man daher für die Schlussepisode einen weiteren Gastauftritt zweier "Next Generation"-Stars, nämlich den von Commander Riker und Counselor Troi.
Nach dieser netten Folge ist dann vorzeitig Schluss, aber die Schuld dafür dieser Serie und ihren Beteiligten allein zu geben, wäre sicher zu kurz gegriffen. Denn "Enterprise" kam vielleicht nicht ganz an die Klasse der "Next Generation" oder der späten Jahre von "Deep Space Nine" heran (vielleicht mit Ausnahme von Staffel Drei), ist aber auch ganz bestimmt nicht schlechter als "Voyager" und hatte eben einfach das Pech, ein von mittlerweile über 700 (!) "Star Trek"-Fernsehfolgen gesättigtes Publikum weiterhin fesseln und begeistern zu müssen.
Angesichts dieser Tatsachen ist es zwar sicher schade, dass nun also erstmals seit fast zwanzig Jahren keine aktuelle Serie dieser einmaligen Franchise mehr produziert wird. Andererseits ist diese Pause (und wir sind ja alle überzeugt, dass es sich nur um eine solche handelt) aber vielleicht auch einfach mal notwendig, um sich in Ruhe etwas Neues auszudenken und den Appetit der Zuschauer langsam wieder wachsen zu lassen.

"Enterprise" ist dabei die erste der "Star Trek"-Serien, die bei uns in Deutschland ihr Publikum hauptsächlich auf DVD gefunden hat. Denn während die vorherigen Serien ja einfach nur im Nachhinein für dieses Medium aufbereitet wurden, gab es die aktuellen "Enterprise"-Folgen ab der zweiten Staffel immer zuerst auf DVD zu sehen. Und während die Serie im Fernsehen eher stiefmütterlich behandelt wird, lassen die prächtigen Staffelboxen von Paramount praktisch keine Wünsche offen. Neben den 22 Episoden in verschiedenen Sprachfassungen und dem ausführlichen Booklet ist bei den Extras diesmal vor allem die zunehmende Zahl von Audiokommentaren erwähnenswert. Während es die zu Beginn der "Star Trek" DVD-Veröffentlichungen noch überhaupt nicht gab, kommentieren dieses Mal gleich drei Autoren und Redakteure verschiedene ausgewählte Episoden. Beim Rückblick auf die Staffel wirft man einen ausführlichen Blick auf die Produktion des "Spiegeluniversum"-Zweiteilers und natürlich fehlen auch Standards wie Outtakes und entfernte Szenen nicht.
Mit Interviews der Hauptdarsteller hält man sich aber ungewohnt zurück, was etwas schade ist, denn über deren Gefühle zum vorzeitigen Ende der Serie hätte man schon gerne etwas mehr gehört. Dass Einige über die Entscheidung, ausgerechnet bei der Finalfolge Gaststars aus einer anderen "Star Trek"-Serie in den Mittelpunkt zu stellen, nicht besonders glücklich waren, ist ja ein offenes Geheimnis. Einig ist man sich aber ganz klar darin, dass die vier Jahre "Enterprise" für alle Beteiligten eine schöne und aufregende Zeit waren. Und das werden wohl auch die meisten Zuschauer sagen, nachdem sie sich nun die komplette Serie ins Regal stellen können.

Volker Robrahn