filmszene special: Berlinale 2001
 
 
 

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+++ Freitag, 09.02.2001 +++

Ein Leuchtstern in unserer Mitte

Monica Bellucci

Wahrhaftig eine zauberhafte Frau:
Monica Bellucci im weißen Oberteil

Monica heisst dieser Stern, Monica Bellucci. Als Sie den Raum betritt kurzes Raunen, dann starker Applaus. Oh Mann, was für eine Frau! Gegen die wirkt Jennifer Lopez wie ein uninteressantes Püppchen, und ihren Spitznamen "The Butt" kann sie auch gleich an Monica abtreten. Wo doch ihr entzückendes Hinterteil im Wettbewerbsbeitrag "Der Zauber von Malena" von nicht geringer Bedeutung ist. Dazu gleich mehr. Erst mal bleibt unser Blick an Monica hängen, in ihrem weissen Oberteil. Aber nicht nur der Blick. Sperrt man die Ohren auf, so hört man eine das Englische entzückend artikulierende Stimme, die dann von der Körpersprache ihrer Filmfigur spricht, während man doch nur auf ihre eigene Körpersprache achtet.

Aber wenn man sich ein bisschen aus der Trance löst, dann merkt man, dass die Frau durchaus einiges zu sagen hat. Auf die Frage nach der im Film aufgezeigten Repression gegenüber Frauen im Italien der 40er Jahre erhebt La Bellucci die Stimme, wird leidenschaftlich im Appell und politisch im Anliegen. Diese Unterdrückung der Frau sei doch bis in die heutige Zeit gerettet worden. "Viele Frauen haben kein Wahlrecht, dürfen nicht über eine Abtreibung entscheiden" sagt sie und in ihren Augen funkelt es.

Schade nur, daß man von ihrer wundervollen Stimme im Film fast gar nichts hört. Als Objekt der Begierde einer ganzen Stadt tritt Signora Bellucci in "Der Zauber von Malena" als Geißel ihrer eigenen Schönheit auf, wirkt mehr als das sie spricht, und gerät zur ersten Liebe eines pubertierenden Knaben. Aus dessen Perspektive, mit allen Träumen
Belucci, Tornatore
Wir kriegen nicht genug von ihr: Monica Belucci,
immer noch in weiß, mit Regisseur Tornatore
und jugendlichen Fantasien, ist der Film dann auch erzählt, wodurch manch voreiliger Kritiker dazu verleitet werden könnte, den Blick dieses von kräftigen Hormonschüben beeinflussten Jungen als den des Regisseurs misszudeuten. Man sollte daher nicht den Fehler begehen, den neuen Film von "Cinema Paradiso"-Regisseur Giuseppe Tornatore als künstlerisch verbrämte Fleischbeschau abzutun. Dem spärlichen Beifall zum Schluss der Vorführung nach zu urteilen ist aber leider genau das passiert. Bleibt zu hoffen, daß die Damen und Herren Kollegen noch ein wenig nachdenken, bevor sie zu ihren Rezensionen ansetzen. Es wäre sonst schade um einen ebenso nostalgischen wie tragisch-realen Film.

Dass auch diese Veranstaltung aber von Gegensätzen lebt, wurde bei "Italiensk for Begyndere" ("Italienisch fuer Anfänger") deutlich, dem fünften Film der Dogma-Reihe. Dogma, waren das nicht diese verrückten Dänen mit den irren Regeln fürs Filme

drehen? Ganz genau die sind es, aber der Film an sich, nach dem "Keuschheitsgebot" gedreht, hat inhaltlich kaum etwas mit den schwermütigen oder todernsten Vorgängern zu tun. Eine romantische Komödie ist es geworden und eine ganz bezaubernde dazu. So leichtfüssig wie es im "Dogma"-Stil eben geht, tragen alle Figuren ihren Anteil an Schicksalsschlägen mit sich herum, aber am Ende wird alles gut. Ein modernes Märchen ohne Witze, aber mit unglaublich viel schrägem, teilweise traurigem Humor. Die vielen köstlichen Stellen brachten lautes Gelächter und Szenenapplaus, völlig zurecht. Vom stürmischen Schlussapplaus ganz zu schweigen. Ein Film, der vielleicht nicht gewinnen wird, aber zumindest in Sachen Popularität bislang vorne liegt. Und da das "Dogma"-Markenzeichen ja auch in Deutschland bekannt ist, wird der in seiner Heimat erfolgreichste aller Dogma-Streifen vielleicht auch hier einen Achtungserfolg landen. Verdient hätte er es.

Kaalund, Jensen
Echte Dogmatiker: Lars Kaalund und Sara
Indrio Jensen aus "Italienisch für Anfänger"

Verdient hätte man auch einen Platz bei der dritten Tagespremiere, Mike Nichols' "Wit", gehabt. Da aber gerade "wit and witness" der Offiziellen zu wünschen übrig lässt, setzte sich das organisatorische Versagen als Running Gag fort. Diesmal musste man gleich an die hundert Leute nach Hause schicken, da Kapazität des Kinos und Besucherzahlen im krassen Missverhältnis standen, was natürlich von niemandem erahnt werden konnte. Gott, lass Fähigkeit vom Himmel regnen!

Aber was macht das alles schon, bei einem Film, der einem versichert, dass das Glück, oder eine Art von Glück, an der nächsten Ecke warten kann. Und auch Dich findet, falls Du selbst es nicht schaffst. Und wenn das nicht reicht, schweifen die Gedanken nochmals Richtung Bella Monica und alles wird gut. Leinen los ins Traumland, auch und gerade im regnerischen Berlin.

S. Staake

 

Die täglichen "Berlinale"-Round-Ups

Donnerstag, 8. Februar
Mittwoch, 7.Februar