filmszene-Outtake: Ehre wem Ehre gebührt - das Kinojahr 2009

Der Cineast fürchtet ja immer die Bestandsaufnahme am Ende des Jahres: Wieder so ein Jahr, in dem doch eigentlich nicht so viel im Gedächtnis hängen blieb, wieder so ein Jahr voller mäßigem Popcornkino und der üblichen Suche nach kleinen Perlen. Anstatt aber nun zu lamentieren, dass es auch dieses Jahr nichts wurde mit den Meisterwerken in Serie, verleiht die Filmszene dieses Mal zum Jahresabschluss ihre eigenen Auszeichnungen für die Besten des Jahres - und die eher nicht so Guten.

Teenager des Jahres: Michael Bay

Die Zielgruppe seiner "Transformers"-Streifen versteht Michael Bay wahrscheinlich deswegen so gut, weil er selbst noch immer die emotionale Reife und Tiefe eines 13-Jährigen hat, und sich wie dieser mit Hormonstau und Lust auf Randale herumplagt. Anders sind seine Roboter mit Eiern oder solche, die nur ans Vögeln denken, und der stets bewahrte Blick auf das aus- und einladende Dekolleté von Megan Fox ja kaum zu erklären, die auch wieder im Großpaket georderten Explosionen und Kloppereien aus dem Computer sowieso. Und wie einen Teenager ficht Bay etwaige Kritik nicht an, worin ihn unverzeihlicherweise das Publikum unterstützt und den eigentlich schlimmen "Transformers 2" zum wohl schlechtrezensiertesten Megablockbuster aller Zeiten macht. "Wer braucht schon Kritiker?" wird sich Bay sagen und vor dem Geistesauge die nächste explosive Wichsvorlage mit Militärfetisch zusammenbauen. Einzig in einem wichtigen Punkt unterscheidet sich Bay von der ADS-Generation: Durch seinen kaum noch zügelbaren Exzess werden seine Filme immer länger. Demnächst gibt es seine Filme in zwei Teilen, mit Ouvertüre und Entr'Acte-Musik: Lawrence of Transformia!

Kultur- und Sprachwissenschaftler des Jahres: Quentin Tarantino

Da hat sich einer noch mal vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit gerettet, und das im ganz großen Stil. Mehr noch: Er hat sich in seiner eigenen Disziplin rehabilitiert. Denn wo nach "Kill Bill 2" und vor allem dem endlos öden "Deathproof" Zweifel angebracht waren, ob Herr Tarantino einen Weg aus dem gespreizten, eitlen Geschwafel und dem Blick auf den eigenen Bauchnabel finden würde, so hat er mit "Inglourious Basterds" den imposanten Gegenbeweis angetreten. Dem endlosen, formlosen Geseiere in "Deathproof" setzt er präzise ausbalancierte Dialoge entgegen, die aufzeigen, dass in Kriegszeiten das Wort oftmals eine größere Waffe ist als die Pistole. Grandios jongliert er - nur in der Originalfassung nachzuvollziehen - Sprachen, Dialekte und kulturelles Know How zu einem nervenanspannenden Geduldsspiel. Auch hier sind Dialoge teilweise banal, aber sie haben einen Zweck und einen Spannungsbogen, es geht buchstäblich um Leben und Tod. Da sei Tarantino dann auch die eine oder andere Albernheit verziehen, denn mit den genau geplanten und stringent durchgeführten Schlüsselszenen aus "Inglourious Basterds" bewies er, was wir seit "Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction" wussten, in den letzten Jahren aber zunehmend vergessen haben: Wenn Tarantino seine Worte und Referenzen konzentriert und planvoll zusammensetzt, kann nicht mal die Anwesenheit von Regiekumpel Eli Roth als vermeintlichem Schauspieler seinen Filmen etwas anhaben.

Fetischist des Jahres: Zack Snyder

Zack Snyder hat viele Fetische, und er konnte sich in "Watchmen - Die Wächter" an allen von ihnen laben. Zuerst mal Lob, wo Lob angebracht ist: Snyder hat es geschafft, was anderen, talentierteren Regisseuren wie Terry Gilliam oder Paul Greengrass nicht gelungen ist, nämlich die als unverfilmbar geltende Vorlage in einen Film umzuwandeln. Aber sein Film zeigte auch unverkennbar die Snyder-Schwächen auf, die die Promo-Formel "vom visionären Regisseur von '300'" doch etwas albern erscheinen ließ. Denn Visionen hat Snyder nicht, außer von dem was "cool" ist (viel Zeitlupe und viel Gewalt in Großaufnahme). Und seine Visionen sind ja immer die sklavisch umgesetzten Visionen anderer.
Eigene Ideen hat er auch, aber nicht immer zum Besseren. Denn nichts, nicht mal Sex, gibt Snyder einen größeren Ständer als krasse Gewalt. Die einzige Sexszene des Films filmt Snyder wie einen Porno ab, wahrscheinlich seine einzige Inspirationsquelle, und unterlegt das ohnehin schon lächerliche Treiben dann auch noch hochnotpeinlich mit Leonard Cohens "Hallelujah" (Gewinner des "Am schlechtesten eingesetzter Song des Jahres"-Award). Die wahre Freude bereitet ihm aber das detaillierte Darstellen von Gewalt, nicht die sexuelle Penetration, sondern die Penetration des Körpers durch Messer, Äxte, Schraubenzieher, Fäuste. Das war schon in "300" bestenfalls Geschmackssache, wird aber in "Watchmen" zum Ärgernis, weil es eben doch einen Unterschied gibt zwischen der durchaus ebenso gewaltgeilen Vorlage von Frank Miller für "300" und der subtilen Meisterklasse von Alan Moores "Watchmen". Mutwillig ändert Snyder ausgerechnet hier die Vorlage ab, an die er sich sonst so bemüht hält und verfälscht so die Charaktere und ihre Motivationen. Die Unterschiede zwischen und Charakterentwicklungen von Figuren wie Rohrschach, Night Owl und Silk Spectre II werden so über den Haufen geworfen, gewaltgeil sind sie hier alle, als Alter Ego ihres Regisseurs.
Dass Snyder überhaupt etwas geändert hat (wobei sein neues Ende durchaus Sinn machte), war sowieso die größte Überraschung, denn sein größter Fetisch ist die unantastbare Vorlage, die er teilweise Bild für Bild umsetzt. Was ihn diesmal in die Bredouille brachte, da Fans die doch vorgenommenen Änderungen und notwendigen Kürzungen wenig gefielen und der Stoff schlicht zu dicht war für diejenigen, die die Vorlage nicht kannten. Manchmal kann man eben nicht gewinnen. "Watchmen" war zwar kein Flop im eigentlichen Sinne, unterbot aber doch deutlich die kommerziellen Erwartungen. Künstlerisch war es besser als befürchtet, aber nicht so gut wie erhofft, weil Snyder sich mit seinen ausgiebig betriebenen Vorlieben selbst Stöcke in die Beine warf.

Comeback des Jahres: Mickey Rourke

Wem sonst dürfte dieser Titel gebühren als dem heruntergekommenen, zerbeulten Rourke, der den heruntergekommenen, zerbeulten Wrestler Randy Robinson so kongenial darstellt, weil der Film eigentlich eine Metapher auf Rourkes eigenen Sturz von der Spitze darstellt. Das genialste daran aber war, wie Regisseur Darren Aronofsky im ungewohnt naturalistischen Fach trotz tiefemotionaler Momente sämtliche "Rocky"-Klischees umschifft. Rourkes Figur ist ein Verlierer durch und durch - und aus ihm wird auch nicht durch Hollywood-typische Mogelei am Ende des Films ein heimlicher Gewinner gemacht. Robinson ist ein in seinen alten Gewohnheiten gefangenes Wrack, das eines Tages im Wrestling-Ring oder in seinem verlotterten Wohnwagen elendig krepieren wird. So weit wird es für Rourke hoffentlich nicht kommen, wenngleich sein erstaunliches Comeback wie Robinsons Traum vom letzten großen Kampf ein abruptes Nicht-Happy End fand, als ihm der zugegebenermaßen in "Milk" großartig aufspielende Sean Penn die wohl einzige Chance auf einen Oscar-Gewinn nahm. Aber mit diesem einen Film haben Rourke und Aranofsky - der hiermit ebenfalls ein Comeback feiert nach seinem Jahre verschlingenden "The Fountain"-Flop - uns einen wunderbaren, unvergesslichen Blick auf das Scheitern des amerikanischen Traums beschert, der durch jede von Rourkes Gesichtsfurchen scheint.

Coolster Abgang des Jahres: Clint Eastwood

Der heilige Clint hatte gleich zwei Filme am Start: das groß auf Oscar-Jagd gehende (und dabei erfolglose) Ausstattungsdrama "Der fremde Sohn" und dann, leise hinterher geschoben den 'kleinen Film' "Gran Torino". Der aber so klein gar nicht war, sondern Eastwood nach über 45 Jahren als Kinostar sein bestes US-Startwochenende überhaupt einbrachte und sich über Wochen in den Charts hielt, ein Dauerbrenner wie sein Star quasi. Schlussendlich landete "Gran Torino" in den Top 20 der erfolgreichsten amerikanischen Filme des Jahres, verblüffend und schlicht sensationell für ein kleines Drama ohne anderen Star außer Eastwood. Wie Meryl Streep und ihr "Mamma Mia" in einem ganz anderen Genre letztes Jahr zeigte Eastwood, dass Hollywood sein älteres Publikum nicht unterschätzen sollte. Viele, die mit "Dirty Harry" groß geworden sind, wollten noch ein letztes Mal sehen, wie Clint mit der Waffe in der Hand böse Buben aus dem Weg räumt. Seine Rolle als einsilbiger und grimmiger alter Mann mit langsam erweichendem Herzen spielte dabei geschickt mit dem Image, das Eastwood seit den Leone-Filmen und "Dirty Harry" anhing, reflektierte nochmals die Gewalt, derer sich seine Figuren zumeist bedienten. Ironisch und wunderbar zugleich, dass Eastwood, dessen Schauspielkarriere ja durch ikonografische Bilder mit diversen Waffen in der Hand bestimmt wurde, in seinem letzten Showdown in seinem letzten Film als Schauspieler mit einem Feuerzug in der Hand in einem blaze of glory von uns geht.

Gruseliger Märchenonkel des Jahres: Michael Haneke

So ein bisschen sieht Michael Haneke mit seinem weißen Vollbart ja schon aus wie Vadder Abraham, dafür hatte er bisher aber eher nur Böses im Sack - von seinen "Funny Games" über "Wolfzeit" bis hin zu "Caché". In diesem Jahr präsentierte er der Filmwelt mit "Das weiße Band" eine - so sagt der Untertitel - deutsche Kindergeschichte. Und siehe da: Diese Kindergeschichte wurde zu einem Werk, auf das sich ausnahmsweise mal fast alle einigen konnten. Das in strengem schwarz-weiß gehaltene Werk verzichtete auf die Haneke sonst so eigene Didaktik und Publikumserziehung. Subtexte zur Entstehung des Nationalsozialismus konnte man sehen, musste man aber nicht. Und Hanekes Horrormär funktionierte deswegen so gut, weil der Zuschauer ständig darauf wartet, dass nun bald das Grauen über das kleine norddeutsche Dorf herfällt, während sich der eigentliche Horror ganz nebenbei abspielt, in rigiden und archaischen Machtstrukturen. Schon Heinrich Mann wusste ja im "Untertan": Wer treten will, muss sich treten lassen. Von "Das weiße Band" ließ man sich gerne blaue Flecken verpassen - und der Film sackte nach der goldenen Palme in Cannes auch den europäischen Filmpreis ein. Demnächst darf es dann vielleicht noch der Oscar sein.

Keinohr-Angsthase des Jahres: Til Schweiger

Wenn man dachte, Schweigers Vorsichtsmaßnahme zu "1 ½ Ritter", diese Klamotte angesichts drohender Verrisse der Presse vorzuenthalten, wäre ein Einzelfall, wurde man eines besseren belehrt. Auch bei "Zweiohrküken", der Fortsetzung der "Keinohrhasen", dessen Erfolg Schweiger und seine Filme ja erst criticproof machte, musste der Großteil der Presse draußen bleiben. Würde Schweiger jetzt sagen "ich brauche keine Kritiker, meine Filme machen auch so genug Kohle", wäre das immerhin konsequent. Aber "ausgesuchte Mitglieder der Presse" (auf gut Deutsch: handverlesene Speichellecker) durften denn doch zugucken, um Schweigers Ego angstfrei zu befriedigen. Danke, aber da behalten wir doch lieber unsere kritische Distanz zu Schweigers qualitativ doch arg schwankendem Oeuvre. Demnächst aus der Schweiger-Schmiede: Keinmummkerlchen, Regie und Hauptrolle: Til Schweiger.

Oldie-Ohrwurm des Jahres: "Putting Out Fire (Cat People)" von David Bowie

Den Kuratoren vom Schlage eines Wes Anderson oder Quentin Tarantino hat man ja immer wieder wunderbare Ausgrabungen zu verdanken. Während im letzten Jahr Anderson uns dank "Hotel Chevalier" und dem "Darjeeling Limited" das so absurde wie absurd schwer aus dem Kopf zu bekommende "Where Do You Go To My Lovely?" von Peter Sarstedt als Oldie-Ohrwurm des Jahres im Kopf herumschwirrte, hievte Tarantino David Bowie als Film-Pop-Star zurück ins Bewusstsein. Dessen große Songs der mittigen bis späten 1980er Jahre stammten ja fast ausnahmslos aus Soundtracks: "Absolute Beginners", "When the Wind Blows", "Underground" und eben das glorreiche, bedrohlich schleichende und dann explodierende "Putting Out Fire (Cat People)", damals von Paul Schrader im Abspann des käsigen "Cat People - Katzenmenschen" komplett verschenkt. "Der hat fucking Nastassja Kinski und macht nichts mit dem Song!" regte sich Tarantino zu Recht auf, und schneiderte Melanie Laurent zum Beginn der Abschlussepisode der "Inglourious Basterds" einen Galaauftritt zu Bowies Schleicher-dann-Stampfer auf den Leib. Lippen und Kleider waren nie roter, der Spannungsaufbau war perfekt, Bowies vergessene Hymne rehabilitiert. Großer Pop und großes Kino - in diesem Fall hatte Tarantino alles verstanden.

Franchise-Revival des Jahres: Star Trek

Wie man eine scheintot vor sich hin rottende Franchise wiederbelebt, und das in einem ebenfalls scheintoten Genre, zeigt der "Star Trek"-Reboot in ganz großem Stil auf. "Star Trek" war der Blockbuster des Jahres, der als einziger 2009 zeigte, dass man sehr wohl großes Effektkino und effektives Geschichtenerzählen miteinander verbinden kann. Der unter TV-Wunderkind J.J. Abrams entwickelte Streifen machte fast alles anders und vieles besser als die bisherigen "Star Trek"-Kinofilme. Vor allem injizierten Abrams und Co. die Reihe mit etwas, das den Kinofilmen schon seit langer Zeit abhanden gekommen war: Spaß und Aufregung. Die Zeiten eines Star Trek-Films, der wie eine Doppelfolge mit mehr Budget aussah, sind vorbei. "Star Trek" war pures Kino, benutzte die große Leinwand endlich, um auch eine große Geschichte zu erzählen. Dass dabei Puristen auf die Füße getreten wurde, war unvermeidbar, aber eigentlich auch nicht weiter schlimm. Wie die Batman- und James Bond-Reihen, die Vorreiter in Sachen Neuerfindung, legte "Star Trek" das Ewiggestrige ab, und ging trotzdem liebevoll mit seiner Herkunft und Tradition um. So wünschen wir uns das und warten gespannt auf das nächste Abenteuer der Juniorausgaben von Kirk, Spock und Co.

Franchise-Nicht-Revival des Jahres: "Terminator: Die Erlösung" und "X-Men Origins: Wolverine"

Wie man dagegen eine Franchise garantiert nicht wiederbelebt, bewiesen "Terminator: Die Erlösung" und "X-Men Origins: Wolverine". Beide sollten eigentlich abgeschlossene Franchises, von denen eigentlich auch niemand unbedingt mehr wollte, wiederbeleben, scheiterten aber schon an den einfachsten Dingen: An einer interessanten Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden, zum Beispiel. An dem Mut, mit diesen von der Haupterzählung der vorherigen Filme losgelösten Streifen tatsächlich Neuland zu betreten und Leute dadurch doch neugierig zu machen. Gerade "Terminator: Die Erlösung" hatte ja mit seiner ersten hauptsächlich in der postapokalyptischen Zukunft spielenden Folge die Möglichkeit, für die Serie Neuland zu betreten, verlor sich aber in maßlosen Actionszenen und dann wieder unpassenden Bezügen auf die alte Reihe. Und "Wolverine" nutzte seine coole Hauptfigur, um eine spannungs- und überraschungsarme Geschichte abzudrehen, die sich eigentlich kaum von den X-Men-Filme unterschied. Auch hier hätte man aus den Comicvorlagen - etwa Wolverines Samuraizeit in Japan - viel Interessanteres herausholen können als diese relativ öde Herkunftsgeschichte. Mit ihrer sehr limitierten Kreativität waren "Terminator: Die Erlösung" und "X-Men Origins: Wolverine" gleichzeitig symptomatisch für die diesjährige Blockbustersaison mit Murks wie "G.I. Joe", die enttäuschend alte Formeln abarbeitete und wiederholte, während im letzten Jahr Filme wie "Iron Man" und "The Dark Knight" (und "Star Trek" in diesem, siehe oben) ja nachwiesen, dass es auch anders geht.

Überraschungshits des Jahres: "Taken" "Hangover", "District 9" und "Paranormal Activity"

Apropos Andersgehen: Dazu gehören sicher die "kleinen Filme", die es dieses Jahr schafften, den Großproduktionen ein Schnippchen zu schlagen. Geschickt über das Jahr verteilt, gruben nacheinander "Taken" (hierzulande mit dem nichtssagenden 'deutschen' Titel "96 Hours" verschlimmbessert), "Hangover", "District 9" und "Paranormal Activity" den arrivierten Kollegen mit größerem Budget das Wasser ab. "Taken" brachte eine Kompromisslosigkeit ins Actiongenre, die man unter CGI-Explosionen vermisst hatte, und machte Liam Neeson im Rentenalter zum Actionstar. "Hangover" nahm drei unbekannte Schauspieler und eine halbwegs gute Idee sowie reichlich Blödsinn und machte daraus den Komödienhit des Jahres. "District 9" zeigte, wie man auch eine Genre-Pastiche durch Unterlaufen der Konventionen frisch wirken lassen kann und wurde dafür entsprechend belohnt. Und "Paranormal Activity" machte sich gegen Ende des Jahres quasi zum zehnjährigen Jubiläum des "Blair Witch Project" daran, das Publikum erneut mit einer simplen Videokamera das Fürchten zu lernen. Insgesamt war 2009 durchaus ein Jahr der Überraschungshits (dazu gehörte ja auch "Gran Torino") und alle diese Filme kamen von außerhalb des klassischen Hollywoodstudiosystems. Man kann nur hoffen, dass manch ein Produzent daraus mal die richtigen Konsequenzen zieht und in Zukunft etwas mehr Mut auch bei vermeintlich schwierigen Projekten beweist.

"Wie lange soll das noch so weitergehen?"-Preis des Jahres: Hollywood-Horror

Ganz bitter sah es wieder mal im Horrorgenre aus. Wie üblich wurde ein Haufen an Remakes und Sequels an den Start geschickt, vom mittelprächtigen und Chancen verpassenden "Last House On The Left" über das Sequel eines Remakes ("Halloween 2") und den vierten Aufguss der "Final Destination" zum gar fünften Wiederkäuen der Folterfallen in "Saw VI". Ideen waren dieses Jahr wieder absolute Mangelware im Genre, von dem geschickt aufgebauten "Blair Witch"-ähnlichen "Paranormal Activity" mal abgesehen. Selbst ein unbestrittener Genremeister wie Sam Raimi lieferte mit "Drag Me To Hell" nur Mittelmaß ab. Die einzige Hoffnung ist da, dass mittlerweile auch das amerikanische Teenagerpublikum nicht mehr jeden Horrorstreifen zum Kassenschlager macht und damit ein Umdenken in kreativere Bahnen notwendig gemacht wird. Leider wohl ein Wunschtraum: Hollywood-Horror ist so billig herzustellen und hat so fantastische Gewinnspannen, dass uns wohl auch "Halloween 3" und "Saw VII" im nächsten Jahr nicht erspart bleiben. Leise Hoffnung auf zumindest ein halbwegs gelungenes "A Nightmare on Elm Street"-Remake bleibt.

Teeniesensation des Jahres: Die "Twilight"-Saga

Inoffiziell auch bekannt als "Kind, was ist'n das schon wieder?"-Award. Da hatten sich Mütter im ganzen Land gerade dran gewöhnt, dass ihre pubertierenden Töchter mit Tokio Hotel T-Shirt rum liefen, nun sind die aber blitzartig passé und alles, was weiblich und zwischen zwölf und sechzehn ist, lechzt nach Robert Pattison. Immerhin musste Mami keine großen Änderungen durchmachen, auch zu den Vampiren der "Twilight"-Saga trägt man natürlich klassisch schwarz. So groß der Hype um die beiden Twilight-Filme "Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen" und "New Moon - Bis(s) zur Mittagsstunde" auch war, qualitätsmäßig orientierten sie sich an den Buchvorlagen von Stephenie Meyer und lieferten mittelmäßigen bis unterdurchschnittlichen Romantikgrusel für die ganz Zarten. Die ließen sich weder von hölzernen Darstellern noch schwachen Effekten abhalten, und machten die "Twilight"-Saga zu einer der erfolgreichsten Franchises nicht nur dieses Jahres, sondern überhaupt. Da dies nun wirklich mal ein Eisen ist, welches ordentlich geschmiedet wird, solange es noch heiß ist, kommt der dritte Teil der Saga schon im nächsten Jahr in die Kinos. Man will ja nicht, das die Zielgruppe zwischenzeitlich aus dem für derlei platte "Romeo und Julia"-Varianten empfänglichen Alter heraus wächst. Bis dahin wird uns wohl noch Einiges an Robmania, Vampirchic und Teenietraumas bevorstehen: Twilight - Bis(s) zum Erbrechen.

"Vorsprung durch Technik"-Auszeichnung des Jahres: 3 D-Kino

Am Anfang des Jahres wurde es als Trend ausgerufen, gar als Allheilmittel für die insgesamt schwächelnde Kinobranche. Nicht wenige spöttelten, rieten von dem Risiko ab, Kinosäle für viel Geld mit der 3D-Technik auszustatten. Aber der Erfolg belehrt sie jetzt eines Besseren, denn ohne Frage hat sich im letzten Jahr 3D als die neue Technik etabliert, die zumindest kommerziell wegweisend ist, während zum Jahresabschluss "Avatar - Aufbruch nach Pandora" bewies, dass ihr auch kreative Schaffenskraft zukommen kann, anstatt als reines Gimmick ständig dem Zuschauer nur Gegenstände entgegen zu werfen oder zu recken. Mit den albernen grün-roten Brillen aus grauer Vorzeit der Technik haben moderne 3D-Kinos nichts mehr zu tun, und können dementsprechend wie IMAX-Kinos Premiumpreise verlangen. Weswegen die Kinobetreiber am Jahresende ein sattes Umsatzplus zum Vorjahr vermerken können. Womit bewiesen ist: Auch in Zeiten von Youtube, Netflix und illegalen Downloads will das Publikum ein richtiges Kinoerlebnis, und ist bereit, dafür auch tief(er) in die Tasche zu greifen. Ironischerweise bleibt sich 3D damit treu, denn die Technik wurde schließlich in den 1950er Jahren entwickelt, um dem neuen Konkurrenten Fernsehen entgegenzuwirken. Zurück in die Zukunft also.
Allerdings müssen bei dieser Technik wieder einige wenige Filme das ganze Jahr tragen, gut daher, dass unter den 3D-Filmen des Jahres solche Hits wie "Monsters vs. Aliens", Pixars "Oben" - natürlich wieder der Animationsfilm des Jahres - und der dritte Teil des "Ice Age" dabei waren. Überhaupt scheint man hier auf Kinder zu setzen (für die Größeren gab es den "blutigen Valentinstag" als Kontrastprogramm), was sicherlich nicht falsch ist, denn für die Kleinen wird der Geldbeutel auch noch mal ein Stück weiter geöffnet. "Avatar" öffnete dann auch die Tore zum in 3D nun Möglichen noch mal ein gutes Stück weiter - man darf gespannt sein, wie Filmemacher in 2010 und den nachfolgenden Jahren auf James Camerons Steilvorlage reagieren.


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Endlich wieder auf dem Gipfel seines Könnens: Tarantino lieferte mit "Inglourious Basterds" ein beeindruckendes Comeback

 

 

 

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Wegweiser in die Zukunft des Kinos: James Camerons 3D-Offenbarung "Avatar"

S. Staake