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Der Cineast
fürchtet ja immer die Bestandsaufnahme am Ende des Jahres:
Wieder so ein Jahr, in dem doch eigentlich nicht so viel im Gedächtnis
hängen blieb, wieder so ein Jahr voller mäßigem
Popcornkino und der üblichen Suche nach kleinen Perlen. Anstatt
aber nun zu lamentieren, dass es auch dieses Jahr nichts wurde mit
den Meisterwerken in Serie, verleiht die Filmszene dieses Mal zum
Jahresabschluss ihre eigenen Auszeichnungen für die Besten
des Jahres - und die eher nicht so Guten.
Teenager des Jahres: Michael Bay
Die Zielgruppe seiner "Transformers"-Streifen
versteht Michael Bay wahrscheinlich deswegen so gut, weil er selbst
noch immer die emotionale Reife und Tiefe eines 13-Jährigen
hat, und sich wie dieser mit Hormonstau und Lust auf Randale herumplagt.
Anders sind seine Roboter mit Eiern oder solche, die nur ans Vögeln
denken, und der stets bewahrte Blick auf das aus- und einladende
Dekolleté von Megan Fox ja kaum zu erklären, die auch
wieder im Großpaket georderten Explosionen und Kloppereien
aus dem Computer sowieso. Und wie einen Teenager ficht Bay etwaige
Kritik nicht an, worin ihn unverzeihlicherweise das Publikum unterstützt
und den eigentlich schlimmen "Transformers
2" zum wohl schlechtrezensiertesten Megablockbuster aller
Zeiten macht. "Wer braucht schon Kritiker?" wird sich
Bay sagen und vor dem Geistesauge die nächste explosive Wichsvorlage
mit Militärfetisch zusammenbauen. Einzig in einem wichtigen
Punkt unterscheidet sich Bay von der ADS-Generation: Durch seinen
kaum noch zügelbaren Exzess werden seine Filme immer länger.
Demnächst gibt es seine Filme in zwei Teilen, mit Ouvertüre
und Entr'Acte-Musik: Lawrence of Transformia!
Kultur- und Sprachwissenschaftler des
Jahres: Quentin Tarantino
Da hat sich einer noch mal vor dem Sturz
in die Bedeutungslosigkeit gerettet, und das im ganz großen
Stil. Mehr noch: Er hat sich in seiner eigenen Disziplin rehabilitiert.
Denn wo nach "Kill Bill 2" und vor allem dem endlos öden
"Deathproof" Zweifel angebracht waren, ob Herr Tarantino
einen Weg aus dem gespreizten, eitlen Geschwafel und dem Blick auf
den eigenen Bauchnabel finden würde, so hat er mit "Inglourious
Basterds" den imposanten Gegenbeweis angetreten. Dem endlosen,
formlosen Geseiere in "Deathproof" setzt er präzise
ausbalancierte Dialoge entgegen, die aufzeigen, dass in Kriegszeiten
das Wort oftmals eine größere Waffe ist als die Pistole.
Grandios jongliert er - nur in der Originalfassung nachzuvollziehen
- Sprachen, Dialekte und kulturelles Know How zu einem nervenanspannenden
Geduldsspiel. Auch hier sind Dialoge teilweise banal, aber sie haben
einen Zweck und einen Spannungsbogen, es geht buchstäblich
um Leben und Tod. Da sei Tarantino dann auch die eine oder andere
Albernheit verziehen, denn mit den genau geplanten und stringent
durchgeführten Schlüsselszenen aus "Inglourious Basterds"
bewies er, was wir seit "Reservoir Dogs" und "Pulp
Fiction" wussten, in den letzten Jahren aber zunehmend vergessen
haben: Wenn Tarantino seine Worte und Referenzen konzentriert und
planvoll zusammensetzt, kann nicht mal die Anwesenheit von Regiekumpel
Eli Roth als vermeintlichem Schauspieler seinen Filmen etwas anhaben.
Fetischist des Jahres: Zack Snyder
Zack Snyder hat viele Fetische, und er
konnte sich in "Watchmen
- Die Wächter" an allen von ihnen laben. Zuerst mal
Lob, wo Lob angebracht ist: Snyder hat es geschafft, was anderen,
talentierteren Regisseuren wie Terry Gilliam oder Paul Greengrass
nicht gelungen ist, nämlich die als unverfilmbar geltende Vorlage
in einen Film umzuwandeln. Aber sein Film zeigte auch unverkennbar
die Snyder-Schwächen auf, die die Promo-Formel "vom visionären
Regisseur von '300'" doch etwas albern erscheinen ließ.
Denn Visionen hat Snyder nicht, außer von dem was "cool"
ist (viel Zeitlupe und viel Gewalt in Großaufnahme). Und seine
Visionen sind ja immer die sklavisch umgesetzten Visionen anderer.
Eigene Ideen hat er auch, aber nicht immer zum Besseren. Denn nichts,
nicht mal Sex, gibt Snyder einen größeren Ständer
als krasse Gewalt. Die einzige Sexszene des Films filmt Snyder wie
einen Porno ab, wahrscheinlich seine einzige Inspirationsquelle,
und unterlegt das ohnehin schon lächerliche Treiben dann auch
noch hochnotpeinlich mit Leonard Cohens "Hallelujah" (Gewinner
des "Am schlechtesten eingesetzter Song des Jahres"-Award).
Die wahre Freude bereitet ihm aber das detaillierte Darstellen von
Gewalt, nicht die sexuelle Penetration, sondern die Penetration
des Körpers durch Messer, Äxte, Schraubenzieher, Fäuste.
Das war schon in "300" bestenfalls Geschmackssache, wird
aber in "Watchmen" zum Ärgernis, weil es eben doch
einen Unterschied gibt zwischen der durchaus ebenso gewaltgeilen
Vorlage von Frank Miller für "300" und der subtilen
Meisterklasse von Alan Moores "Watchmen". Mutwillig ändert
Snyder ausgerechnet hier die Vorlage ab, an die er sich sonst so
bemüht hält und verfälscht so die Charaktere und
ihre Motivationen. Die Unterschiede zwischen und Charakterentwicklungen
von Figuren wie Rohrschach, Night Owl und Silk Spectre II werden
so über den Haufen geworfen, gewaltgeil sind sie hier alle,
als Alter Ego ihres Regisseurs.
Dass Snyder überhaupt etwas geändert hat (wobei sein neues
Ende durchaus Sinn machte), war sowieso die größte Überraschung,
denn sein größter Fetisch ist die unantastbare Vorlage,
die er teilweise Bild für Bild umsetzt. Was ihn diesmal in
die Bredouille brachte, da Fans die doch vorgenommenen Änderungen
und notwendigen Kürzungen wenig gefielen und der Stoff schlicht
zu dicht war für diejenigen, die die Vorlage nicht kannten.
Manchmal kann man eben nicht gewinnen. "Watchmen" war
zwar kein Flop im eigentlichen Sinne, unterbot aber doch deutlich
die kommerziellen Erwartungen. Künstlerisch war es besser als
befürchtet, aber nicht so gut wie erhofft, weil Snyder sich
mit seinen ausgiebig betriebenen Vorlieben selbst Stöcke in
die Beine warf.
Comeback des Jahres: Mickey Rourke
Wem sonst dürfte dieser Titel gebühren
als dem heruntergekommenen, zerbeulten Rourke, der den heruntergekommenen,
zerbeulten Wrestler Randy
Robinson so kongenial darstellt, weil der Film eigentlich eine Metapher
auf Rourkes eigenen Sturz von der Spitze darstellt. Das genialste
daran aber war, wie Regisseur Darren Aronofsky im ungewohnt naturalistischen
Fach trotz tiefemotionaler Momente sämtliche "Rocky"-Klischees
umschifft. Rourkes Figur ist ein Verlierer durch und durch - und
aus ihm wird auch nicht durch Hollywood-typische Mogelei am Ende
des Films ein heimlicher Gewinner gemacht. Robinson ist ein in seinen
alten Gewohnheiten gefangenes Wrack, das eines Tages im Wrestling-Ring
oder in seinem verlotterten Wohnwagen elendig krepieren wird. So
weit wird es für Rourke hoffentlich nicht kommen, wenngleich
sein erstaunliches Comeback wie Robinsons Traum vom letzten großen
Kampf ein abruptes Nicht-Happy End fand, als ihm der zugegebenermaßen
in "Milk" großartig
aufspielende Sean Penn die wohl einzige Chance auf einen Oscar-Gewinn
nahm. Aber mit diesem einen Film haben Rourke und Aranofsky - der
hiermit ebenfalls ein Comeback feiert nach seinem Jahre verschlingenden
"The Fountain"-Flop - uns einen wunderbaren, unvergesslichen
Blick auf das Scheitern des amerikanischen Traums beschert, der
durch jede von Rourkes Gesichtsfurchen scheint.
Coolster Abgang des Jahres: Clint Eastwood
Der heilige Clint hatte gleich zwei Filme
am Start: das groß auf Oscar-Jagd gehende (und dabei erfolglose)
Ausstattungsdrama "Der
fremde Sohn" und dann, leise hinterher geschoben den 'kleinen
Film' "Gran Torino".
Der aber so klein gar nicht war, sondern Eastwood nach über
45 Jahren als Kinostar sein bestes US-Startwochenende überhaupt
einbrachte und sich über Wochen in den Charts hielt, ein Dauerbrenner
wie sein Star quasi. Schlussendlich landete "Gran Torino"
in den Top 20 der erfolgreichsten amerikanischen Filme des Jahres,
verblüffend und schlicht sensationell für ein kleines
Drama ohne anderen Star außer Eastwood. Wie Meryl Streep und
ihr "Mamma Mia" in einem ganz anderen Genre letztes Jahr
zeigte Eastwood, dass Hollywood sein älteres Publikum nicht
unterschätzen sollte. Viele, die mit "Dirty Harry"
groß geworden sind, wollten noch ein letztes Mal sehen, wie
Clint mit der Waffe in der Hand böse Buben aus dem Weg räumt.
Seine Rolle als einsilbiger und grimmiger alter Mann mit langsam
erweichendem Herzen spielte dabei geschickt mit dem Image, das Eastwood
seit den Leone-Filmen und "Dirty Harry" anhing, reflektierte
nochmals die Gewalt, derer sich seine Figuren zumeist bedienten.
Ironisch und wunderbar zugleich, dass Eastwood, dessen Schauspielkarriere
ja durch ikonografische Bilder mit diversen Waffen in der Hand bestimmt
wurde, in seinem letzten Showdown in seinem letzten Film als Schauspieler
mit einem Feuerzug in der Hand in einem blaze of glory von uns geht.
Gruseliger Märchenonkel des Jahres:
Michael Haneke
So ein bisschen sieht Michael Haneke mit
seinem weißen Vollbart ja schon aus wie Vadder Abraham, dafür
hatte er bisher aber eher nur Böses im Sack - von seinen "Funny
Games" über "Wolfzeit" bis hin zu "Caché".
In diesem Jahr präsentierte er der Filmwelt mit "Das
weiße Band" eine - so sagt der Untertitel - deutsche
Kindergeschichte. Und siehe da: Diese Kindergeschichte wurde zu
einem Werk, auf das sich ausnahmsweise mal fast alle einigen konnten.
Das in strengem schwarz-weiß gehaltene Werk verzichtete auf
die Haneke sonst so eigene Didaktik und Publikumserziehung. Subtexte
zur Entstehung des Nationalsozialismus konnte man sehen, musste
man aber nicht. Und Hanekes Horrormär funktionierte deswegen
so gut, weil der Zuschauer ständig darauf wartet, dass nun
bald das Grauen über das kleine norddeutsche Dorf herfällt,
während sich der eigentliche Horror ganz nebenbei abspielt,
in rigiden und archaischen Machtstrukturen. Schon Heinrich Mann
wusste ja im "Untertan": Wer treten will, muss sich treten
lassen. Von "Das weiße Band" ließ man sich
gerne blaue Flecken verpassen - und der Film sackte nach der goldenen
Palme in Cannes auch den europäischen Filmpreis ein. Demnächst
darf es dann vielleicht noch der Oscar sein.
Keinohr-Angsthase des Jahres: Til Schweiger
Wenn man dachte, Schweigers Vorsichtsmaßnahme
zu "1 ½ Ritter", diese Klamotte angesichts drohender
Verrisse der Presse vorzuenthalten, wäre ein Einzelfall, wurde
man eines besseren belehrt. Auch bei "Zweiohrküken",
der Fortsetzung der "Keinohrhasen", dessen Erfolg Schweiger
und seine Filme ja erst criticproof machte, musste der Großteil
der Presse draußen bleiben. Würde Schweiger jetzt sagen
"ich brauche keine Kritiker, meine Filme machen auch so genug
Kohle", wäre das immerhin konsequent. Aber "ausgesuchte
Mitglieder der Presse" (auf gut Deutsch: handverlesene Speichellecker)
durften denn doch zugucken, um Schweigers Ego angstfrei zu befriedigen.
Danke, aber da behalten wir doch lieber unsere kritische Distanz
zu Schweigers qualitativ doch arg schwankendem Oeuvre. Demnächst
aus der Schweiger-Schmiede: Keinmummkerlchen, Regie und Hauptrolle:
Til Schweiger.
Oldie-Ohrwurm des Jahres: "Putting
Out Fire (Cat People)" von David Bowie
Den Kuratoren vom Schlage eines Wes Anderson
oder Quentin Tarantino hat man ja immer wieder wunderbare Ausgrabungen
zu verdanken. Während im letzten Jahr Anderson uns dank "Hotel
Chevalier" und dem "Darjeeling Limited" das so absurde
wie absurd schwer aus dem Kopf zu bekommende "Where Do You
Go To My Lovely?" von Peter Sarstedt als Oldie-Ohrwurm des
Jahres im Kopf herumschwirrte, hievte Tarantino David Bowie als
Film-Pop-Star zurück ins Bewusstsein. Dessen große Songs
der mittigen bis späten 1980er Jahre stammten ja fast ausnahmslos
aus Soundtracks: "Absolute Beginners", "When the
Wind Blows", "Underground" und eben das glorreiche,
bedrohlich schleichende und dann explodierende "Putting Out
Fire (Cat People)", damals von Paul Schrader im Abspann des
käsigen "Cat People - Katzenmenschen" komplett verschenkt.
"Der hat fucking Nastassja Kinski und macht nichts mit dem
Song!" regte sich Tarantino zu Recht auf, und schneiderte Melanie
Laurent zum Beginn der Abschlussepisode der "Inglourious Basterds"
einen Galaauftritt zu Bowies Schleicher-dann-Stampfer auf den Leib.
Lippen und Kleider waren nie roter, der Spannungsaufbau war perfekt,
Bowies vergessene Hymne rehabilitiert. Großer Pop und großes
Kino - in diesem Fall hatte Tarantino alles verstanden.
Franchise-Revival des Jahres: Star Trek
Wie man eine scheintot vor sich hin rottende
Franchise wiederbelebt, und das in einem ebenfalls scheintoten Genre,
zeigt der "Star Trek"-Reboot
in ganz großem Stil auf. "Star Trek" war der Blockbuster
des Jahres, der als einziger 2009 zeigte, dass man sehr wohl großes
Effektkino und effektives Geschichtenerzählen miteinander verbinden
kann. Der unter TV-Wunderkind J.J. Abrams entwickelte Streifen machte
fast alles anders und vieles besser als die bisherigen "Star
Trek"-Kinofilme. Vor allem injizierten Abrams und Co. die Reihe
mit etwas, das den Kinofilmen schon seit langer Zeit abhanden gekommen
war: Spaß und Aufregung. Die Zeiten eines Star Trek-Films,
der wie eine Doppelfolge mit mehr Budget aussah, sind vorbei. "Star
Trek" war pures Kino, benutzte die große Leinwand endlich,
um auch eine große Geschichte zu erzählen. Dass dabei
Puristen auf die Füße getreten wurde, war unvermeidbar,
aber eigentlich auch nicht weiter schlimm. Wie die Batman- und James
Bond-Reihen, die Vorreiter in Sachen Neuerfindung, legte "Star
Trek" das Ewiggestrige ab, und ging trotzdem liebevoll mit
seiner Herkunft und Tradition um. So wünschen wir uns das und
warten gespannt auf das nächste Abenteuer der Juniorausgaben
von Kirk, Spock und Co.
Franchise-Nicht-Revival des Jahres:
"Terminator: Die Erlösung" und "X-Men Origins:
Wolverine"
Wie man dagegen eine Franchise garantiert
nicht wiederbelebt, bewiesen "Terminator:
Die Erlösung" und "X-Men
Origins: Wolverine". Beide sollten eigentlich abgeschlossene
Franchises, von denen eigentlich auch niemand unbedingt mehr wollte,
wiederbeleben, scheiterten aber schon an den einfachsten Dingen:
An einer interessanten Geschichte, die es wert ist, erzählt
zu werden, zum Beispiel. An dem Mut, mit diesen von der Haupterzählung
der vorherigen Filme losgelösten Streifen tatsächlich
Neuland zu betreten und Leute dadurch doch neugierig zu machen.
Gerade "Terminator: Die Erlösung" hatte ja mit seiner
ersten hauptsächlich in der postapokalyptischen Zukunft spielenden
Folge die Möglichkeit, für die Serie Neuland zu betreten,
verlor sich aber in maßlosen Actionszenen und dann wieder
unpassenden Bezügen auf die alte Reihe. Und "Wolverine"
nutzte seine coole Hauptfigur, um eine spannungs- und überraschungsarme
Geschichte abzudrehen, die sich eigentlich kaum von den X-Men-Filme
unterschied. Auch hier hätte man aus den Comicvorlagen - etwa
Wolverines Samuraizeit in Japan - viel Interessanteres herausholen
können als diese relativ öde Herkunftsgeschichte. Mit
ihrer sehr limitierten Kreativität waren "Terminator:
Die Erlösung" und "X-Men Origins: Wolverine"
gleichzeitig symptomatisch für die diesjährige Blockbustersaison
mit Murks wie "G.I. Joe",
die enttäuschend alte Formeln abarbeitete und wiederholte,
während im letzten Jahr Filme wie "Iron Man" und
"The Dark Knight" (und "Star Trek" in diesem,
siehe oben) ja nachwiesen, dass es auch anders geht.
Überraschungshits des Jahres: "Taken"
"Hangover", "District 9" und "Paranormal
Activity"
Apropos Andersgehen: Dazu gehören
sicher die "kleinen Filme", die es dieses Jahr schafften,
den Großproduktionen ein Schnippchen zu schlagen. Geschickt
über das Jahr verteilt, gruben nacheinander "Taken"
(hierzulande mit dem nichtssagenden 'deutschen' Titel "96 Hours"
verschlimmbessert), "Hangover",
"District 9"
und "Paranormal Activity"
den arrivierten Kollegen mit größerem Budget das Wasser
ab. "Taken" brachte eine Kompromisslosigkeit ins Actiongenre,
die man unter CGI-Explosionen vermisst hatte, und machte Liam Neeson
im Rentenalter zum Actionstar. "Hangover" nahm drei unbekannte
Schauspieler und eine halbwegs gute Idee sowie reichlich Blödsinn
und machte daraus den Komödienhit des Jahres. "District
9" zeigte, wie man auch eine Genre-Pastiche durch Unterlaufen
der Konventionen frisch wirken lassen kann und wurde dafür
entsprechend belohnt. Und "Paranormal Activity" machte
sich gegen Ende des Jahres quasi zum zehnjährigen Jubiläum
des "Blair Witch Project" daran, das Publikum erneut mit
einer simplen Videokamera das Fürchten zu lernen. Insgesamt
war 2009 durchaus ein Jahr der Überraschungshits (dazu gehörte
ja auch "Gran Torino") und alle diese Filme kamen von
außerhalb des klassischen Hollywoodstudiosystems. Man kann
nur hoffen, dass manch ein Produzent daraus mal die richtigen Konsequenzen
zieht und in Zukunft etwas mehr Mut auch bei vermeintlich schwierigen
Projekten beweist.
"Wie lange soll das noch so weitergehen?"-Preis
des Jahres: Hollywood-Horror
Ganz bitter sah es wieder mal im Horrorgenre
aus. Wie üblich wurde ein Haufen an Remakes und Sequels an
den Start geschickt, vom mittelprächtigen und Chancen verpassenden
"Last House On The Left"
über das Sequel eines Remakes ("Halloween 2") und
den vierten Aufguss der "Final
Destination" zum gar fünften Wiederkäuen der
Folterfallen in "Saw VI".
Ideen waren dieses Jahr wieder absolute Mangelware im Genre, von
dem geschickt aufgebauten "Blair Witch"-ähnlichen
"Paranormal Activity" mal abgesehen. Selbst ein unbestrittener
Genremeister wie Sam Raimi lieferte mit "Drag Me To Hell"
nur Mittelmaß ab. Die einzige Hoffnung ist da, dass mittlerweile
auch das amerikanische Teenagerpublikum nicht mehr jeden Horrorstreifen
zum Kassenschlager macht und damit ein Umdenken in kreativere Bahnen
notwendig gemacht wird. Leider wohl ein Wunschtraum: Hollywood-Horror
ist so billig herzustellen und hat so fantastische Gewinnspannen,
dass uns wohl auch "Halloween 3" und "Saw VII"
im nächsten Jahr nicht erspart bleiben. Leise Hoffnung auf
zumindest ein halbwegs gelungenes "A Nightmare on Elm Street"-Remake
bleibt.
Teeniesensation des Jahres: Die "Twilight"-Saga
Inoffiziell auch bekannt als "Kind,
was ist'n das schon wieder?"-Award. Da hatten sich Mütter
im ganzen Land gerade dran gewöhnt, dass ihre pubertierenden
Töchter mit Tokio Hotel T-Shirt rum liefen, nun sind die aber
blitzartig passé und alles, was weiblich und zwischen zwölf
und sechzehn ist, lechzt nach Robert Pattison. Immerhin musste Mami
keine großen Änderungen durchmachen, auch zu den Vampiren
der "Twilight"-Saga trägt man natürlich klassisch
schwarz. So groß der Hype um die beiden Twilight-Filme "Twilight
- Bis(s) zum Morgengrauen" und "New
Moon - Bis(s) zur Mittagsstunde" auch war, qualitätsmäßig
orientierten sie sich an den Buchvorlagen von Stephenie Meyer und
lieferten mittelmäßigen bis unterdurchschnittlichen Romantikgrusel
für die ganz Zarten. Die ließen sich weder von hölzernen
Darstellern noch schwachen Effekten abhalten, und machten die "Twilight"-Saga
zu einer der erfolgreichsten Franchises nicht nur dieses Jahres,
sondern überhaupt. Da dies nun wirklich mal ein Eisen ist,
welches ordentlich geschmiedet wird, solange es noch heiß
ist, kommt der dritte Teil der Saga schon im nächsten Jahr
in die Kinos. Man will ja nicht, das die Zielgruppe zwischenzeitlich
aus dem für derlei platte "Romeo und Julia"-Varianten
empfänglichen Alter heraus wächst. Bis dahin wird uns
wohl noch Einiges an Robmania, Vampirchic und Teenietraumas bevorstehen:
Twilight - Bis(s) zum Erbrechen.
"Vorsprung durch Technik"-Auszeichnung
des Jahres: 3 D-Kino
Am Anfang des Jahres wurde es als Trend
ausgerufen, gar als Allheilmittel für die insgesamt schwächelnde
Kinobranche. Nicht wenige spöttelten, rieten von dem Risiko
ab, Kinosäle für viel Geld mit der 3D-Technik auszustatten.
Aber der Erfolg belehrt sie jetzt eines Besseren, denn ohne Frage
hat sich im letzten Jahr 3D als die neue Technik etabliert, die
zumindest kommerziell wegweisend ist, während zum Jahresabschluss
"Avatar - Aufbruch nach
Pandora" bewies, dass ihr auch kreative Schaffenskraft
zukommen kann, anstatt als reines Gimmick ständig dem Zuschauer
nur Gegenstände entgegen zu werfen oder zu recken. Mit den
albernen grün-roten Brillen aus grauer Vorzeit der Technik
haben moderne 3D-Kinos nichts mehr zu tun, und können dementsprechend
wie IMAX-Kinos Premiumpreise verlangen. Weswegen die Kinobetreiber
am Jahresende ein sattes Umsatzplus zum Vorjahr vermerken können.
Womit bewiesen ist: Auch in Zeiten von Youtube, Netflix und illegalen
Downloads will das Publikum ein richtiges Kinoerlebnis, und ist
bereit, dafür auch tief(er) in die Tasche zu greifen. Ironischerweise
bleibt sich 3D damit treu, denn die Technik wurde schließlich
in den 1950er Jahren entwickelt, um dem neuen Konkurrenten Fernsehen
entgegenzuwirken. Zurück in die Zukunft also.
Allerdings müssen bei dieser Technik wieder einige wenige Filme
das ganze Jahr tragen, gut daher, dass unter den 3D-Filmen des Jahres
solche Hits wie "Monsters
vs. Aliens", Pixars "Oben"
- natürlich wieder der Animationsfilm des Jahres - und der
dritte Teil des "Ice Age"
dabei waren. Überhaupt scheint man hier auf Kinder zu setzen
(für die Größeren gab es den "blutigen
Valentinstag" als Kontrastprogramm), was sicherlich nicht
falsch ist, denn für die Kleinen wird der Geldbeutel auch noch
mal ein Stück weiter geöffnet. "Avatar" öffnete
dann auch die Tore zum in 3D nun Möglichen noch mal ein gutes
Stück weiter - man darf gespannt sein, wie Filmemacher in 2010
und den nachfolgenden Jahren auf James Camerons Steilvorlage reagieren.
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Endlich wieder auf dem Gipfel seines Könnens: Tarantino
lieferte mit "Inglourious Basterds" ein beeindruckendes
Comeback

Zu visionäre Vorlage für einen Mann ohne echte Visionen:
Zack Snyders latent gescheiterte "Watchmen"-Adaption

So kaputt wie seine Rolle, so gut wie nie zuvor: Mickey Rourke
in "The Wrestler"

Mal wieder ein Oscar für Deutschland? Michael Hanekes "Das
weiße Band" hat exzellente Chance

Da konnte man nur staunen: J.J. Abrams' mutige Revitalisierung
der Trek-Franchise

Viel Lärm um ziemlich wenig: "Terminator - Die Erlösung"

Blutleerer Film, trotzdem gigantisch erfolgreich: "Twilight",
das Teenie-Phänomen du jour

Wegweiser in die Zukunft des Kinos: James Camerons 3D-Offenbarung
"Avatar"
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