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Das Anti-Raucher-Syndikat in Hollywood hat dazu
gelernt. Kämpfte man jahrzehntelang mit offener Entrüstung
gegen das Image des unnahbaren Cowboys und des muskulösen Action-Helden,
der ohne Kippe zwischen den Lippen einfach nicht vollständig
war (der Marlboro-Mann lässt grüßen), und erntete
für diese müden Proteste von der Öffentlichkeit nur
Ignoranz (woran auch der auffällig publizierte Lungenkrebs-Tod
des original Marlboro-Manns nichts ändern konnte), arbeitet
man heutzutage mit subtileren Mitteln. Denn während die Plots
üblicher Hollywood-Schinken immer einfacher und durchschaubarer
werden, die Figuren immer oberflächlicher und simpel, strebt
die Anti-Nikotin-Bewegung in die andere Richtung. Die unterschwellige
Botschaft, die sich unbemerkt mit dem Bildersturm in den Kopf des
Zuschauers spült und dort festsetzt, wird nun benutzt, und
die Glimmstengel beinahe unbemerkt anderen Leuten zwischen die Lippen
geschoben. Vorbei die Zeiten, als Will Smith seinem Kampfgefährten
Jeff Goldblum in "Independence Day" die Wichtigkeit einer
dicken Zigarre erläuterte und seinem bis dahin militant umwelt-
und gesundheitsschützenden (und ergo stinklangweiligen) Kompagnon
endlich die nötige Coolness verpasste. Im Action-Kino 2002
raucht nur der Bösewicht - und findet dadurch schneller den
Tod, als es die schlimmsten Lungenkrebs-Diagnosen prophezeien würden.
Schon seit sich "Titanic"-Diamantensucher Bill Paxton
im Moment des vermeidlichen Triumphs eine dicke Havanna anstecken
wollte und dann konsequenterweise erfolglos blieb deutete sich dieser
Trend an, der sich dieses Jahr verdichtete wie der Qualm in Arnold
Schwarzeneggers Zigarren-Club: Anfang des Sommers war es der Zigarettenanzünder
(nicht die Motorzündung) in der Nobelkarosse des schwerreichen
und kettenrauchenden Drahtziehers, der in "Der Anschlag"
die Autobombe auslöste und den Abgang des Schurken besiegelte.
Und im neuen Action-Kracher "Triple X" ist es wieder das
leidige Lungenteer-Laster, dass einem der Fieslinge den verfrühten
Filmtod beschert: Mit einem Scharfschützengewehr hinter guter
Deckung verschanzt, gönnt sich der Nikotin-Narr eine wohlschmeckende
Fluppe, und hat kurz darauf eine Wärmelenkrakete aus Vin Diesel's
Bazooka im Gesicht.
Seit dem letzten Auftritt von Bruce Willis als Raucher-Ikone John
McClane in "Stirb langsam 3" scheinen sich die Zigaretten
unmerklich aber stetig aus den Mundwinkeln der trocken One-Liner
in die Kamera nuschelnden Action-Helden dieser Welt verabschiedet
zu haben. Damit ist nicht nur die Aussprache und allgemeine Verständlichkeit
gestiegen (womit die One-Liner auch garantiert ankommen), dieser
Trend steht auch sinnbildlich für den neuen Typus von Krawumm-Protagonist.
Sympathische, aber chronisch versoffene Figuren wie McClane sind
nicht mehr gefragt, der Posterboy von heute besticht durch hundertprozentige
Fitness, die er gerne beim Freeclimbing demonstriert, oder ehrfurchterbietende
Waghalsigkeit, wie sie in ihrer Coolness auch aus einem der momentan
verstärkt laufenden "
doesn't smoke"-Spots
stammen könnte. Die Kippe ist bei solchen Heroen nicht mehr
zeitgemäß, der Glimmstengel stört schließlich
beim Snowboarden und Flikflaks schlagen ebenso wie beim beidhändigen
45er-Ballern.
Das Rauchen übernehmen in heutigen Blockbustern nur noch die
bösen Jungs - und damit ist den kreativen Effektebastlern wieder
eine neue Tür geöffnet. Konnte man bisher aus dem genüsslichen
Schmauchen kein Kapital schlagen - vor allem, wenn der Held beim
verbalen Sparring mit dem Obergauner vielleicht sogar eine gemeinsame
Fluppe wegpaffte - kann man sich mit der schlechten Angewohnheit
schlechter Menschen jetzt richtig austoben. Und die Anti-Raucher-Liga
- die neuerdings auch New Yorks regierenden Bürgermeister Mike
Bloomberg zu ihrer Gefolgschaft zählt, ließ dieser doch
kürzlich die Packungspreise in seiner Stadt auf sieben Dollar
erhöhen und will nun auch ein Rauchverbot in sämtlichen
öffentlichen Gebäuden durchsetzen - frohlockt über
diese beste aller Image-Kampagnen. Verfielen früher begeisterte
Kino-Zuschauer noch der Nikotinsucht, weil sie so cool sein wollten
wie Bruce Willis, ist jetzt der gegenteilige Effekt erreicht: Wer
cool ist, raucht nicht nur nicht, nein, er bringt die Qualmer auch
noch mit Hilfe ihres eigenen Lasters um die Ecke. Rauchen schadet
der Gesundheit jetzt auch im Kino, dafür aber wesentlich schneller.
That's entertainment.
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Hoffnungslos passé: Bruce Willis als John McClane, cooler
Nikotin-Junkie aus Überzeugung
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