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Montag, 1. April 2002
LOS ANGELES - Eine Woche ist seit der Oscar-Verleihung
vergangen, die Showbiz-Hauptstadt der Welt hat den Kater nach der
großen Party längst auskuriert und ist zum Alltagsgeschäft
zurück gekehrt. Doch für manche war der große Gala-Abend
nicht das Ende, sondern der Anfang aller Aufregung.
Dick Remreid hat in seinem Berufsalltag als Computervertreter an
der Westküste für gewöhnlich nicht mit dem Glitter
und Glammer von Hollywood zu tun, was er allerdings am vergangenen
Sonntagabend über den roten Teppich flanieren sah, versetzte
Remreid in seiner Funktion als Sprecher der Amerikanischen Organisation
zum Kampf gegen gesundheitsgefährdende Idealfiguren in helle
Aufregung: "Ich war der festen Überzeugung, dass wir nach
der vorbildlichen Pionierarbeit von Kate Winslet oder Christina
Ricci, die sich entgegen jedem Schlankheitswahn gerne mit ihren
vollen weiblichen Formen in der Öffentlichkeit zeigten, die
schlimmsten Zeiten hinter uns hatten. Ich meine, wenn selbst jemand
wie Kate Moss die körperlichen Folgen einer Schwangerschaft
in Kauf nimmt, sollte man das doch als Schritt in die richtige Richtung
sehen". Der Aufmarsch der Reichen und vor allem Schönen
im frisch eröffneten Kodak Theatre im Herzen Hollywoods letzte
Woche bewies allerdings das Gegenteil. Remreid, der seinen dezenten
Bierbauch ohne falsche Scham vor sich her trägt, war erschüttert:
"Wie sich da manche der prominentesten Damen des Filmgeschäfts
als ausgehungerte Skelette präsentierten, da wurde mir direkt
ganz anders beim Gedanken an all die jungen Cosmopolitan-Leserinnen
vor den Bildschirmen, die nun plötzlich glauben: Wenn Jennifer
Connelly außer Haut nichts mehr auf den Knochen hat, ist diesen
Sommer wohl wieder der androgyne Hunger-Look angesagt".
Die Preisträgerin in der Kategorie Beste Nebendarstellerin
sorgte in der Tat für das größte Aufsehen bei Remreid
und den vielen Freunden seiner Organisation. Vor allem im Vergleich
mit älteren Aufnahmen der sexy Brünetten war sie in ihrem
beigen, trägerlosen Oscar-Kleid kaum noch wieder zu erkennen.
"Hervor stehende Schulterknochen, der kaum noch vorhandene
Hals hinter einem dünnen Schal verborgen und fleischlos am
ganzen Körper - schockierend", fasst Remreid, in den letzten
Monaten ebenfalls Co-Organisator einer Boykottaktion gegen die TV-Serie
"Ally McBeal" und ihre Hauptdarstellerin Calista Flockhart,
seinen Eindruck zusammen.
Und erhält dabei Beistand aus der wissenschaftlichen Gemeinde:
Harold Weinberg, Professor für Biologie und Zoologie an der
Universität von Kalifornien, stimmt Remreid in seiner Kritik
zu. "Es ist gut, dass diese Damen hier im warmen Kalifornien
leben. In den kälteren Landesteilen hätten sie mit ernsthaften
Gesundheitsrisiken rechnen müssen, wenn sie die harten Wintermonate
ohne ausreichende Wärmepolster verbracht hätten. Nicht
umsonst verzeichnen wir in den nördlichen Staaten jedes Jahr
einen signifikanten Schwund in der Rehkitz-Population aufgrund von
Erfrierungen".
Weinbergs persönliches Lieblingsbeispiel für dieses dem
menschlichen Überlebenstrieb widerstrebende Phänomen bei
der Oscar-Gala ist Jungstar Reese Witherspoon, die ihn "mit
ihrem runden, fröhlichen Gesicht immer an mein aller erstes
Miezekätzchen erinnert". Davon war jedoch nicht mehr viel
zu sehen, als die Hauptdarstellerin des Kinohits "Natürlich
Blond" mit ihrem Ehemann Ryan Philippe über den dieses
Jahr burgunderroten Teppich flanierte. "Eingefallenes Gesicht,
all die schönen Konturen verschwunden. Äquivalente im
Tierreich finden sich da nur noch bei vom Aussterben bedrohten Rassen".
Auch die Herzogin von York Sandra Ferguson, als "Fergie"
einstmals Königin der Klatschspalten und heute sehr erfolgreiche
Werbeträgerin der Abnehm-Organisation "Weight Watchers",
äußerte sich bei einem kurzen Telefoninterview kritisch:
"Sicher ist es, vor allem für die jungen Darstellerinnen,
schwer, sich zu etablieren, und bevor wichtige Rollen an ein paar
Pfunden scheitern, greifen sie lieber gleich zur Kalorientabelle.
Doch damit ist Vorsicht geboten, denn nicht alle Unternehmen bieten
so eine wissenschaftlich gefestigte und gesunde Beratung wie Weight
Watchers' an. Dass so etwas schnell zu weit führen kann, haben
wir letzte Woche beobachten können".
Hoffnung, so sind sich alle Experten einig, besteht lediglich darin,
dass die Casting-Agenten der Traumfabrik diesem Trend einen Riegel
vorschieben, bevor er überhand nimmt, und dagegen mit Rollenangeboten
für gesunde, gut gepolsterte Schauspielerinnen ein deutliches
Zeichen setzen. Nicht umsonst war Dick Remreid's Favoritin für
die Kategorie Beste Hauptdarstellerin die Texanerin Renée
Zellweger aus "Bridget
Jones - Schokolade zum Frühstück", die für
ihre Rolle mehr als zwanzig Pfund zugenommen hatte, "und mit
ihrem süßen Doppelkinn noch viel besser aussah als sonst".
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Connelly in "A Beautiful Mind" ...

... und auf dem roten Teppich mit Kollegin Hellen Mirren.

Witherspoon vor kurzem in "Natürlich Blond" ...

und letzte Woche bei den Oscars.
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