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15.03.2007
Filmkritiker gehören wegrationalisiert!
Zumindest wenn es nach dem Willen von Brian Robbins geht, seines
Zeichens Regisseur der allen Hinweisen nach unsäglichen Eddie-Murphy-im-Fettkostüm-Komödie
"Norbit" und Produzent der vermutlich sauschlechten, aber
in den USA trotzdem schweineerfolgreichen Biker-Klamotte "Wild
Hogs". Der jeden kritischen Betrachter ernüchternde Erfolg
dieses Schundes aus der Komödien-Resterampe beflügelte
den an beiden Filmen beteiligten Herrn doch glatt mal dazu, uns
Filmkritiker kollektiv für überflüssig zu erklären.
"Die einzigen Filme, die gute Rezensionen bekommen, sind welche,
die sich kein Mensch ansieht", jammerte Herr Robbins, der offenbar
nichts von dem Erfolg von "The
Departed" oder "Spiderman
2" gehört hat. Ein Schelm, wer denkt, Robbins sei
nur ein mauliger Regisseur hundsmiserabler Streifen wie "Shaggy
Dog", der sich durch den gerade für europäische Augen
oft unfassbaren Erfolg seiner grenzdebilen Genreware in Übersee
in der eigenen Eitelkeit bestätigt sieht.
Mit einem hat Herr Robbins ja durchaus
recht: Potenzielle Zuschauer von "Norbit" sind nicht zwangsläufig
auch potenzielle Leser von mahnenden Kritikerstimmen. Tatsächlich
muss man doch stark davon ausgehen, dass Leute, die freiwillig in
Filme wie "Epic Movie"
oder "Norbit" gehen, keine Filmrezensionen lesen. Andererseits
muss man ebenfalls davon ausgehen, dass diese Leute überhaupt
nicht lesen. Der Erfolg der jeden IQ blitzartig ins Untergeschoss
befördernden Blödelklamotten - aus deutschen Landen ist
man so was ja auch schon gewöhnt, Stichwort "Sieben Zwerge"
oder "Siegfried" - gibt dem Argument scheinbar recht.
Können Millionen Kinogänger irren, wo eifrige Kritiker
vor Fäkalhumor und Kalauerkeule warnen? Sind wir vielleicht
doch nur humorlose ARTE-Gutfinder und Baskenmützen-tragende
Weltfremde im Rausch des Kunstkinos? Sind wir damit vielleicht gar
überflüssig gewordene Relikte? Werden die Straßen
bald voll sein von marodierenden Banden verwilderter Verrückter,
die zwischen unverständlichen Grunzlauten ständig etwas
von ihrer einstmals gloriosen Karriere als Filmkritiker brabbeln?
Oder gibt es noch Hoffnung für unsere sich zwischen Kunstkacke
und Kommerzdreck, zwischen Meisterwerk und Mogelpackung, zwischen
Leinwandtriumph und Leiden-in-Filmen-wie-"Norbit" bewegenden
Zunft?
Neben
Herrn Robbins scheinen beizeiten auch die Studios und Verleihfirmen
zu denken, dass man aufs Presseecho getrost verzichten kann. Während
es in den USA bereits übliche Praxis ist, bei Filmen, für
die man nicht unbedingt Beifallstürme aus Reihen der Kritiker
erwartet, gleich gar keine Pressevorführungen abzuhalten (vor
allem Horrorfilme laufen inzwischen durch die Bank unter vorherigem
Ausschluss der schreibenden Zunft an) und sich einzig auf die in
ihren Effekten leichter zu steuernden PR-Maßnahmen wie Trailer
und Werbeanzeigen zu verlassen, hält dieser unschöne Trend
mittlerweile Stück um Stück auch in Deutschland Einzug.
Wer sich etwa wunderte, warum es auf diesen Seiten keine Rezension
zu "Ghost Rider" mit Nicolas Cage zu lesen gab, der darf
sich denn gleich mal bei Sony Pictures beschweren, die nach einer
einzigen Vorführung für Interviewpartner davon absahen,
den Film dem Rest der bundesweiten Presse zu zeigen. Bei "Norbit"
(im Verleih von Paramount) verhielt es sich nicht anders.
Filme, die "nicht so doll" geworden
sind, bleiben also zunehmend unter Verschluss, bis man sie der uninformierten
Öffentlichkeit ohne eine Chance auf vorherige Warnung vorwirft.
Was den Cineasten im Kritiker zwar erleichtert aufatmen lässt
(muss man sich mit dem Stuss dann schließlich nicht auseinander
setzen), erzürnt doch den Redakteur und Journalisten. Denn
Filmkritik hat nicht umsonst das Wort "Kritik" in sich,
und auch ein Film, bei dem man Verrisse erwarten kann, gehört
der Presse zugänglich gemacht. Wer informierte Berichterstattung
nach eigenem Ermessen nur noch als eine lenk- und von Fall zu Fall
verzichtbare Werbemaßnahme ansieht, führt das Prinzip
einer freien Presse ad absurdum, versucht die eigene potentielle
Kundschaft im Dunkeln zu halten, und gibt indirekt von vornherein
zu, dass das eigene "Produkt" so miserabel ist, dass echte
Filmliebhaber es unmöglich mögen können. Aber wer
weiß, vielleicht findet sich ja doch der ein oder andere Redakteur
mit einer Schwäche für Trashfilme, der "Ghost Rider"
oder "Norbit" zum verkannten Meisterwerk ausruft?
Auch wenn manche Studios es vielleicht
gerne sähen, wenn es für Filmkritiker außerhalb
der Lichtspielhäuser ein kleines Schild "Wir müssen
draußen bleiben" inklusive Ring zum Anleinen gäbe
- wir bleiben drin. Und diejenigen Filme, die wir trotz mutwilligem
Vorenthalten erwischen, bekommen die Kritik, die sie verdienen.
Und jetzt her mit dem Meisterwerk über kotzende Kleinwüchsige,
die sich als vollbusige Frauen verkleidet in US-Universitäten
einschreiben und launige Abenteuer voller Verwechslungen und Tritte
in Genitalien erleben.
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