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"Gegen
jeden Zweifel" ist einer dieser Filme, bei denen man sich fragt,
wie überhaupt irgendjemand auf der Entscheidungsebene eines
großen Hollywood-Studios der Auffassung sein konnte, es sei
eine gute und vor allem Profit-versprechende Idee, diesen Streifen
zu machen. Da kommt Regisseur und Autor Peter Hyams - der Mitte
der 90er mal den Ansatz einer vielversprechenden Karriere mit dem
Monster-im-Museum-Horror "The Relic" hatte, seit dem Schwarzenegger-Millennium-Flop
"End of Days" aber nichts
Nennenswertes
mehr zustande gebracht hat - an mit einem Remake eines Justiz-Thrillers
aus dem Jahre 1956, damals einer der letzten Filme von Fritz Lang
in seinem künstlerisch wenig beeindruckendem Hollywood-Exil.
Schon das Original war kein denkwürdiger Film und gehört
zu jener Sorte von 50er-Jahre-Schnellschüssen, deren Plot auf
einem im Grundsatz interessanten Kniff beruht, der aber für
einen vollen Film eigentlich zu wenig hergibt. Das gilt auch für
dieses Remake, das selbst mit seiner Besetzungsliste nicht trumpfen
kann - mal abgesehen von dem illustren Namen Michael Douglas. Vielleicht
war dieser der Grund, dass sich ein Studio fand um 25 Millionen
Dollar für diesen Film locker zu machen. Selbst schuld.
Die interessante Grundidee von "Gegen jeden Zweifel"
ist folgende: Ein Mann fälscht eine Kette an Indizienbeweisen
um dafür zu sorgen, dass er selbst für einen Mord vor
Gericht kommt, den er nicht begangen hat. Warum er das tun sollte?
Nun, der aufstrebende Journalist C.J. Nicholas (Jesse Metcalfe)
kommt auf diesen Plan, um den Staatsanwalt Mark Hunter (Michael
Douglas) zu überführen, der sich mit einer Reihe beeindruckender
Erfolge in Mordverfahren einen Namen gemacht hat und nun auf dem
besten Wege ist, sich daraus eine Politik-Karriere zu schneidern.
Allerdings gewann Hunter all diese Verfahren durch während
des Prozesses überraschend auftauchende Indizienbeweise, die
den Angeklagten entscheidend belasteten. C.J. und sein Kollege Corey
Finley (Joel David Moore, "Avatar") hegen den Verdacht,
dass Hunter bzw. seine Schergen die entscheidenden Beweise gefälscht
haben, um eine Verurteilung zu erreichen. Und so kommen die beiden
Reporter auf die Idee, eine Indizienkette zu fälschen, die
C.J. zum Verdächtigen in einem unaufgeklärten Mord machen
soll, um während des Prozesses dann Hunter auffliegen zu lassen,
wenn der sich seiner üblichen Tricks bedient, um C.J. als Täter
zu "überführen".
Wie gesagt, klingt zunächst ganz interessant, trägt aber
tatsächlich überhaupt nicht über komplette Spielfilmlänge.
Was auch daran liegt, dass der gesamte Film reichlich unsauber erzählt
ist. Das manifestiert sich vor allem in der Figur von Ella Crystal
(Amber Tamblyn), eine Assistentin von Hunter, die zu Beginn des
Films den Hofierungen von
C.J. erliegt und seine Geliebte wird, um in diesem Zwiespalt dann
für eine gute Stunde mit Sorgenfalten im Gesicht relativ untätig
die Handlung zu beobachten, bevor sie durch den entscheidenden Twist
in der Handlung in der letzten halben Stunde auf einmal zur handlungsführenden
Protagonistin mutiert.
Immerhin entwickelt "Gegen jeden Zweifel" zu diesem Zeitpunkt
endlich so etwas wie Zug in seiner Handlung, denn die erste Stunde
ist geprägt von einer viel zu ausgewalzten, spannungsfreien
Erzählung. Nachdem C.J. und Corey sich ihren Plan zurecht gelegt
haben, darf man ihnen erstmal gut 20 Minuten dabei zusehen, wie
sie die benötigten Indizien zusammenkaufen, inszenieren und
quasi haargenau das machen, was sie uns zuvor erklärt haben.
Völlig langweilig, da man die ganze Zeit darauf wartet, das
etwas Unvorhergesehenes passiert, was den geschmiedeten Plan ins
Wanken bringt. Das passiert aber nicht, bis endlich der Prozess
gegen C.J. läuft, und zu diesem Zeitpunkt ist der Film bereits
über eine Stunde alt.
Dann kommt endlich der zentrale Plot-Twist, der den schön zurecht
gelegten und so ausführlich dokumentierten Plan zunichte macht
(womit man sich einen Gutteil des bis hierher gezeigten also getrost
hätte sparen können) und C.J. plötzlich ernsthaft
in Gefahr bringt. Nun geht endlich so etwas wie eine halbwegs packende
Handlung los, mitgerissen wird man davon trotzdem nicht so richtig,
da es der Film in seiner übermäßig und unnötig
detailversessenen Exposition versäumt hat, seine Charaktere
und ihre Beziehungen zueinander ausreichend und glaubwürdig
einzuführen. Man muss eben glauben, dass die gute Ella sich
richtig ordentlich in C.J. verliebt hat, gespürt hat man davon
allerdings ziemlich wenig.
Die
Hauptakteure Metcalfe und Tamblyn stoßen hier ziemlich deutlich
an ihre darstellerischen Grenzen, wobei ihnen das Drehbuch auch
nicht sehr entgegen kommt. Die größte Frechheit ist aber
definitiv der Einsatz von Michael Douglas, den man sich hier eindeutig
nur teuer eingekauft hat, um einen dicken Namen aufs Plakat packen
zu können. Tatsächlich ist Douglas' Rolle relativ klein,
er verschwindet stellenweise für eine volle halbe Stunde aus
der Handlung und hat insgesamt kaum zehn Minuten Leinwandzeit, in
denen er dann auch nicht mehr bietet als eine ziemlich unengagiert
heruntergespielte Rolle. Danke für den Gehaltsscheck, und tschüss.
Zum Schluss gibt's dann noch eine "überraschende"
Schlusswendung, die den ganzen Film auf den Kopf stellen soll, die
aber zum einen für aufmerksame Zuschauer gar keine Überraschung
sein wird und zum anderen nur unterstreicht, dass der Film sein
Publikum mutwillig auf Distanz zu den Figuren gehalten hat, um dieses
Ende überhaupt durchziehen zu können. Wie gesagt: Sehr
unsauber erzählt.
So bewegt sich "Gegen jeden Zweifel" auf dem erzählerischen
Niveau seiner Vorlage, was ganz sicher kein Kompliment ist: Auch
Hollywoods Standardware hat in den letzten fünf Jahrzehnten
genug Fortschritte in Dramaturgie, Dialog- und Figurenführung
gemacht, so dass es eigentlich nur noch schlichtweg peinlich ist,
dass jemand ernsthaft glaubt, mit so einem Erzählkonstrukt
heutzutage noch punkten zu können. Kann man nämlich nicht,
wie der US-Lauf von "Gegen jeden Zweifel" zeigte: Ohnehin
nur in einer Handvoll Kinos gezeigt, spielte der Film nicht mal
35.000 Dollar ein und verschwand nach drei Wochen wieder von der
Leinwand, um dann alsbald auf DVD verheizt zu werden. Da half auch
Michael Douglas auf dem Plakat nix.
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