Die Zeit die bleibt

drama, fra 2005
original
le temps qui reste
regie
francois ozon
drehbuch
francois ozon
cast

melvil poupaud,
jeanne moreau,
valeria bruni-tedeschi,
christian sengewald, u.a.

spielzeit
86 min.
kinostart
20.04.2006
homepage

http://www.die-zeit-die-bleibt.de

bewertung

(8/10 augen)





 

 

 

 



 

Mit "Die Zeit die bleibt" liefert der französische Regisseur Fran ois Ozon den zweiten Teil seiner "Trilogie über die Trauer" ab, die er mit "Unter dem Sand" begonnen hatte. In diesem Film ging es um eine Frau, die sich nicht von ihrem verschollenen Ehemann lösen kann, während es in Ozons neuestem Film über die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod geht.

Der erfolgreiche Pariser Modefotograf Romain (Melvil Poupaud, "Sommer", "Eine Affäre in Paris") bricht bei der Arbeit zusammen. Als er im Krankenhaus zu sich kommt, erfährt der gerade mal 30-jährige, dass er an einem Gehirntumor leidet und nur noch wenige Wochen zu leben hat. Aufgrund der Prognose entschließt sich Romain, gleich ganz auf die Therapie zu verzichten und stattdessen "die Zeit die bleibt" sinnvoll zu nutzen.
Wert auf Gesellschaft legt er dabei zunächst nicht, beim gemeinsamen Abendessen mit der Familie schürt er die ohnehin vorhandenen Konflikte noch, anstatt sich seinen Eltern und der Schwester anzuvertrauen und sich zu versöhnen. Auch seinen Freund Sasha (Christian Sengewald) vertreibt er scheinbar gefühlskalt aus seinem Leben. Der einzige Mensch, dem Romain sich anvertrauen kann, ist seine Großmutter (fantastisch: Jeanne Moreau), "weil du so bist wie ich, du stirbst auch bald." Hier zeigt sich Romain das erste Mal nicht nur unerbittlich ehrlich, sondern auch verletzlich.

Hinter dieser Sequenz mit dem viel zu kurzen Auftritt von Leinwand-Legende Moreau, die schon mit Regisseuren von Truffaut über Welles bis zu Wenders gearbeitet hat, verbirgt sich das Herzstück des Films. Erst mit dieser Sequenz ermöglicht es Ozon seinen Zuschauern, wirklich mit Romain zu fühlen und zu bangen, und Poupaud vollbringt es, seine Figur vom arroganten Kerl in einen sympathischen Menschen zu verwandeln. Je näher das Ende kommt, desto mehr befasst sich Romain auch mit seiner Kindheit. Immer wieder sieht er sich als kleinen Jungen, bis der Kreis des Lebens sich zu schließen scheint, als Romain auf ein kinderloses Ehepaar trifft.

"Die Zeit die bleibt" ist bei weitem nicht der erste Film, der sich mit der Thematik des eigenen Todes auseinander setzt. Eins der bewegendsten Beispiele der letzten Zeit war sicherlich "Mein Leben ohne mich" von Isabel Coixet, in dem die Krebskranke Ann ebenfalls verheimlicht, wie es um sie steht und in der ihr verbleibenden Zeit noch eine Art "To-do-Liste" abhaken möchte. Dieses Verhalten steht wohl im krassen Gegensatz zu dem von Royal Tenenbaum in Wes Andersons Komödie, der vortäuscht, Krebs zu haben um die Beziehung zu seinen Angehörigen zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

Ozons Geschichte ist weder besonders originell noch frei von Klischees, jedoch berührt sie durch die großartigen Darstellungen der Schauspieler, allen voran Poupaud und Moreau.

Anna Plumeyer

 


Name: McJ
Email: McJ@McJ.de
Bewertung:                 (7 von 10 Digital Eyes)

Filme von Francois Ozon sind ja immer so eine Sache: intelligent, gut gefilmt, mit einem gewissen Perfektionismus. Aber nie kommt man wirklich emotional berührt aus dem Kino.

Bei „Die Zeit die bleibt“ ist das vielleicht ganz gut. Ein Film über einen bald sterbenden, jungen Menschen emotional zu gestalten ist einfach, ihn mit einer gewissen Distanz zu versehen, die es auch erlaubt, tiefere Fragen anzugehen, ist schwierig. Ozon hat das gut gemeistert. Wichtig an der Geschichte ist gar nicht so sehr der Tod und das Sterben selbst, sondern viel mehr die Sekundärfragen: wie gehe ich als Sterbender mit meinen Mitmenschen um? Wie viel mute ich ihnen zu? Was kann ich noch Sinnvolles tun? Hier brilliert der Film, hier werden auf den ersten Blick normale, auf den zweiten Blick unglaublich schöne, aber auch doppelbödige, Bilder gefunden (die Bett-Szene als Leihvater, die Einsamkeit zwischen Menschen am Strand).

Wie schon bei „5 mal 2“ entsteht so ein Film, der eher im Nachgang wirkt, als direkt im Kinosaal, der vielleicht beim zweiten oder dritten Sehen erst so richtig zu würdigen ist. Und den man darum auch ein erstes Mal sehen sollte.



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