Die unbarmherzigen Schwestern

drama, gb 2002
original
the magdalene sisters
regie
peter mullan
drehbuch
peter mullan
cast

anne-marie duff,
nora-jane noon,
dorothy duffy,
geraldine mcEwan u.a.

spielzeit
116 min.
kinostart
09.01.2003
homepage
 
bewertung

(8/10 augen)

Plakat

 

 

 

"Die unbarmherzigen Schwestern" erregten gleich zweifach Aufsehen. Erst gewann Peter Mullans unversöhnliches Drama eher unverhofft den Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig, dann protestierte prompt die Katholische Kirche gegen die Darstellung ihrer Nonnenkloster. Was Wunder. Zeigt der Film doch keine Scheu, mit seiner Anklagehaltung wenn nötig auch dem Papst persönlich auf die Füße zu treten, und dabei auch ein oder zwei Zehen zu zerquetschen. Worum dreht sich aber nun die ganze Aufregung?

Um die titelgebenden unbarmherzigen Schwestern (eine schlaue Verkehrung ihres wirklichen Namens, nannten sich die Nonnen doch "Sisters of Mercy"), die Nonnen des Magdalenenordens, die in Irland fast bis ins dritte Millennium hinein in ihren Klöstern junge Frauen gegen deren Willen gefangen hielten, schikanierten, ausbeuteten und quälten. Unter dem Deckmantel der Barmherzigkeit wurden sogenannte "gefallene Mädchen" hier aufgenommen und mussten dann körperlichste Schwerstarbeit verrichten, während die Nonnen freie Hand über sie hatten. Die Gründe, als "Gefallene" in das Kloster eingewiesen zu werden, waren zumeist banal bzw. kaum nachvollziehbar.

Deutlich gemacht wird dem Zuschauer dies an dem Schicksal der drei Hauptfiguren: Das Vergehen von Margaret (Anne-Marie Duff) war es, die Vergewaltigung durch ihren eigenen Cousin nicht einfach stillschweigend hinzunehmen. Rose (Dorothy Duffy) bekam ein uneheliches Kind, welches ihr die Eltern nach der Adoption wegnahmen. Und Heimkind Bernadette (Nora-Jane Noon) war schlichtweg zu hübsch und flirtfreudig, weswegen sie als "Verführerin" gebrandmarkt hinter die Mauern des Magdalenenklosters kommt. Dort fristen die drei jungen Frauen ihren harten Alltag, erleben Demütigungen und Leid. Crispina (Geraldine McEwan), deren Vergehen einzig ihre geistige Zurückgebliebenheit ist, wird sogar regelmäßig missbraucht. Auf ihre eigene Art versucht jede der Frauen zurechtzukommen. Bernadette, die Rebellin, versucht zu fliehen und wird harsch bestraft. Margaret möchte den Missbrauch von Crispina unterbinden, und Rose will möglichst nur unbeschadet durchkommen.

Die mit nichts zu rechtfertigenden Untaten, die in Namen Gottes und dessen Barmherzigkeit verübt wurden, zeigt Regisseur Peter Mullan (immer noch durch seine schauspielerische Glanztat in "Das Reich und die Herrlichkeit" im Gedächtnis) ohne Scheu oder Rücksicht. Dies hat er bei Ziehvater Ken Loach - DEM britischen Regisseur für sozialrealistische Filme mit kritischem Ton - so gelernt. Und Mullan ist sich nicht zu schade, selbst dem Bösen ein Antlitz zu geben. So hat er einen kurzen aber prägnanten Cameoauftritt als ein die eigene Tochter verstoßender und halb zu Tode prügelnder Vater.
Die Katholische Kirche maulte, Mullans Porträt wäre einseitig und ungerecht, auch ungerechtfertigt. Einseitig stimmt schon, aber übel zu nehmen ist es diesem Film nicht, der nicht um Nachsicht für die Täter bittet, sondern um Mitgefühl für die Opfer. Er will aufrütteln, wütend machen, sich als Mahnmal gebären. Ein Film gegen das Vergessen. Einer, der härter an immer noch vorherrschenden Realitäten kratzt, als einem lieb sein kann. Zwar ist der Film in den 60er Jahren angesiedelt, jedoch wurde das letzte Magdalenenkloster unfassbarer Weise erst 1996 geschlossen. Zudem demaskiert Mullan nicht nur Kirche, sondern auch Gesellschaft: Den Iren wird es nicht gefallen, wenn statt Gastfreundschaft und Gutmütigkeit die Kehrseite dieser streng katholischen Nation zum Vorschein gebracht wird. Aber es wird eine Art Antithese zum üblichen Irlandbild aufgebaut, denn der Film zeigt auch auf, dass nur in einer so fundamental religiös sowie stark patriarchalisch geprägten Gesellschaft wie der irischen die Magdalenenklöster Akzeptanz und Langlebigkeit durch das gesamte zwanzigste Jahrhundert haben konnten. Und so werden neben den kaltherzigen Nonnen und missbrauchenden Priestern auch die rechtschaffenen Väter angeklagt, die lieber die Tochter verstoßen, als "öffentliche Schande" zu riskieren. Und wer einmal mit eigenen Augen gesehen hat, wie ungerührt es zur Kenntnis genommen wird, dass ein Vater seine Tochter in aller Öffentlichkeit an den Haaren wegschleift, weil sie heimlich in der Disco war, der hat an dieser Interpretation keinerlei Zweifel.

Die Entscheidung zur Realisierung von "Die unbarmherzigen Schwestern" fiel nach einer Dokumentation über die Klöster, welche Mullan zutiefst wütend gemacht hatte. Und dieses Gefühl überträgt sich direkt auf den Zuschauer. Was Peter Mullan hier macht, ist nichts anderes als "Gerechter Zorn" und rechtfertigt sich selbst. Allerdings in der Tat ein wenig einseitig. Über die Nonnen erfahren wir im Gegensatz zu den sehr differenziert dargestellten Mädchen kaum etwas, was aber auch im Sinne des Filmes ist. Denn dass die Nonnen keine als simple Bösewichte zu karikierende Sadistinnen waren, sondern sogar an die Rechtschaffenheit ihres Tun glaubten - diese irrwitzige Logik beleuchtet der Film. Und ist dann ganz nah dran an Mechanismen des Bösen. Nicht umsonst wird Gefangenen hier auch der Kopf geschoren, denn wenn die unmenschliche Internierung von Menschen derart gerechtfertigt wird, wie hier, dann ist der Weg von dem über die Betten der Mädchen geschriebenen "Gott ist gerecht" zu "Arbeit macht frei" nur noch ein geistiger Katzensprung - und zwar ein gewollter.

Freilich wird diese Einseitigkeit des Arguments bisweilen auch zur Schwäche. Wenn die Oberin am Anfang die Mädchen über ihre Sünden und die Vergebung Gottes belehrt, und die Kamera dabei in Großaufnahme zeigt, wie ihre gierigen Finger Geld zählen, oder wenn dann später die Mädchen auf der einen Seite des Raums Wasser und Haferschleim zum Frühstück haben, und auf der anderen sich die Nonnen beim reichhaltigen Büfett die Schinkenbrötchen reinhauen, ist das ohne Frage prägnant - aber leider auch ein wenig plakativ und offensichtlich.
Andererseits erliegt der Film ansonsten kaum einem Klischee. Trotz unmittelbarer Nähe zum Schmuddelgenre des Frauenknastfilms verliert er sich nicht in dessen oder anderen Stereotypen. Und wenn dem missbrauchenden Priester ein recht fieser Streich gespielt wird, bleibt einem das Lachen im Halse stecken, wenn anschließend das Opfer Crispina in einem Moment der beklemmenden Erleuchtung das nicht enden wollende Mantra "Du bist kein Mann Gottes!" anstimmt. Leider kann der Film bis hin zum eher mäßig interessanten Ende Stimmung und Spannung nicht immer halten.

Was auch insofern schwierig ist, als dass der Film die schlichtweg grandiose Eröffnungssequenz nicht mehr überbieten kann. Es handelt sich um eine irische Hochzeit, bei der Margarets Vergewaltigung von den sie dann verurteilenden Instanzen - nicht umsonst Väter und Priester - verhandelt wird, ohne dass sie sieht oder hört, was passiert. Die Richter hinter halbgeschlossenen Türspalten, die Worte nur als Lippenlesen - das audiovisuelle Blockieren wird zur beklemmenden Metapher für Margaretes Hilflosigkeit und ist ein derart brillant inszeniertes kurzes Stück Filmemachen, dass der Höhepunkt des Films quasi vorweggeliefert wird. Trotz der ein oder anderen folgenden Detailschwäche: Eine mutige, schonungslose Abrechnung mit dem Bösen hinter Robe und Nonnentracht, hinter Sonntagsanzug und Ehrbegriff.


Bilder: Courtesy of Concorde Filmverleih, Copyright 2002
S. Staake
 


 

Name: Hubert Hagen
Email: huub@gmx.net
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Ich kann mich der Kritik nur anschließen:
ein stilistisch hervorragender Film, der vor allem auch auf psycholgischer Ebene sehr subtil vor Augen führt, wie bigott und unbarmherzig mit den "gefallenen" Mädchen umgegangen wird.



Name: Petra
Email: bernadetta24@web.de
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Ein Film, der die Verlogenheit und Doppelbödigkeit der kath. Kirche zeigt. Er geht unter die Haut, weil er an Einzelschicksalen festgemacht ist. Die Hauptakteurinnen haben m. E. sehr überzeugend gespielt; hier ist besonders die Leistung der Schauspielerin zu nennen, die die Crispina gespielt hat.
Der verheerende Einfluß der Kirche, der auch nicht davor halt macht, daß Familien ihre Töchter verstoßen, erinnert sehr an die Denunziation im Dritten Reich.
Ein Film mit Nachhaltigkeit, den man im Gedächtnis behalten wird.



Name: Henriette Stamm
Email: henriettestamm@web.de
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Ein Klassefilm! Ich bin in einem bayerischen Dorf groß geworden u. da ist mir manches aus dem Fim nicht fremd. Sehr beeindruckt haben mich der Regisseur u. die Schauspielerinnen. Mich interessiert aber noch die juristische Seite. Können volljährige Frauen über einen langen Zeitraum hinweg gegen ihren Willen der Freiheit beraubt werden? Haben sich Rechtsanwälte mit dem Schicksal der Frauen beschäftigt?



Name: Theo Röttgers
Email: theo.roetgers@t-online.de
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Ein sehr eindringlicher Film, dem nur noch einige Informationen zur aktuellen Situation fehlen:

- Wo gibt es heute noch solche Magdalenenklöster oder "Häuser für gefallene Mädchen"?

- Gibt es eine abschließende Stellungnahme der katholischen Kirche zu den Zuständen, wie sie in dem Film gezeigt werden?




Name: MIRIAM
Email: miri@T-ONLINE
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

SEHR TOLLER FILM!! EINFACH MITREISSEND



Name: STEFANIE ZÜHLKE
Email: STEFFI@WEB.DE
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

suuuuuuupppeerrrrrrrrr!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! ;-p



Name: Klausgenaus
Email: klaus@genaus.de
Bewertung: -

Schieß Kirche, wer da mitmacht ist selbst schuld!!



Name: Tarot Kartenleger CHANTAI
Email: CHANTAI@web.de
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

HI ICH FINDE DEN FILM SUPER LEIDER HAB ICH ES NICHT AM AMFANG GESEHEHEN ABER IST EGAL ICH WOLLTE FRAGEN OB DER FILM SCHONMAL AUF WAHREN BEGEHBEN HEIT PASSIERT IST IHR KÖNNT MIR JA NE MAIL SCHIKEN ALSO DER FILM WAHR MEHR ALS SUPER



Name: Leonie
Email: xxxx@yyyyy.de
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Habe den Film gestern gesehen und bin immer noch ganz aufgewühlt. Unvorstellbar, was so viele Frauen erleiden mussten im "Namen der katholischen Kirche"! Ob diese Kirche im Stande ist, ihre Verfehlungen einzugestehen? Den Frauen steht eine Entschädigung zu. Wie ich gesehen habe, gab es ähnliche Institutionen auch in Deutschland und Frauen, die dort gearbeitet haben, bekommen für diese Zeit keine Rente... Soo viel Unrecht...



Name: Leonie
Email: xxxx@yyyyy.de
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Habe den Film gestern gesehen und bin immer noch ganz aufgewühlt. Unvorstellbar, was so viele Frauen erleiden mussten im "Namen der katholischen Kirche"! Ob diese Kirche im Stande ist, ihre Verfehlungen einzugestehen? Den Frauen steht eine Entschädigung zu. Wie ich gesehen habe, gab es ähnliche Institutionen auch in Deutschland und Frauen, die dort gearbeitet haben, bekommen für diese Zeit keine Rente... Soo viel Unrecht...



Name: amöbe
Email: reimundathome@aol.com
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

hi,habe den Film gestern gesehen.Kann gar nicht glauben, dass dieses Vorgehen noch bis 1996 so gehandhabt wurde.....Aber es gibt diese Situation ja nicht nur in Irland...



Name: Gabi
Email: oberreitherg@gmx.at
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Ich habe den Film vor ein paar Tagen gesehen und konnte erst am Schluß glauben daß es dieses Kloster wirklich gab.
Wie kann man nach so einem Film noch an die HEILIGE KATHOLISCHE KIRCHE glauben???!!!!



Name: Beatrice Maria Fischer
Email: BeatriceMariaFischer@web.de
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

Es ist doch wirklich Unsinn die ganze Katholische Kirche für diese Verfehlungen verantwortlich zu machen. Es rechtfertigt keinesfalls diese Missstände und solche Verfehlungen gehören bestraft auf das Härteste. Aber es ist unsinnig die ganze Katholische Kirche in einen Topf zu werfen. Man müsste ja 1 Milliarde Menschen verurteilen die ein Glied dieser Kirche sind.



Name: Nicol
Email: nicol_xy@hotmail.com
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Muy bueno... realmente inpactante (para elgunos catolicos).



Name: Sta2think
Email: neeeee
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Intensiver, schonungsloser Film über Ausbeutung, Sadismus, Machtmißbrauch, eben die Gesellschaft.

Man möchte mit der UZI auf die Leinwand springen und die Nonnen in Schweizer Käse verwandeln!

Ein Film, der zu recht wütend macht - B R A V O !



Name: Taker
Email: Taker@Taker@Taker
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Katholische Kirche = AIDS-Ausbreitung, Hexenverbrennung, Vernichtung indigener Kulturen (The Mission), Hitler beim Holocaust gewähren lassen (Der Stellvertreter...), Prüderie, Kindesmißbrauch, Riesenarschloch Mutter Theresa (die verlogene CIA-Agentin: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15888/1.html), der Pabst, Männerherrschaft, Hierarchie, Anmaßung, Waffen segnen, Mafia-Geschäfte mit der Vatikan-Bank, Reichtümer über Reichtümer in einer Welt voll Hunger mit einem Bettelmönch als Ikone, angebliche Unfehlbarkeit, die Erde ist eine Scheibe und die Sonne dreht sich drum rum, Ketzer, Jesuiten, Folter, Ablaß, einfach Rückständigkeit und Verbrechen auf allen Gebieten...

Der Film setzt noch ein Puzzleteilchen dazu.

Schade nur, daß der Titel so unglücklich gewählt wurde...



Name: asdfgjklöä
Email: Iloveu2005@web.de
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Hi,suche Hintergrundinformationen zu dem Film... finde ihn sehr beeindrucken und suche Experten oder Betroffene die mir dazu mehr erzählen können...bitte melden Sie sich!danke



Name: Aviba
Email: keine
Bewertung:     (1 von 10 Digital Eyes)

Super!Nur die Kamera-Einstellung der "Nackten"Mädchen
war zu kurz. Warte auf nächsten Film dieser Art.



Name: Aviba
Email: keine
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Ergänzung zur Bewertung 8 Punkte.



Name: Lucy
Email: -
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Mir hat der Film sehr gefallen, vor allem, dass die drei Heldinnen
so ehrlich und menschlich dargestellt wurden. Auch die Bilder sind sehr schön.



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Bewertung: von 10 Augen