U-Carmen

oper, südafrika 2005
original
u-carmen ekhayelitsha
regie
mark dornford-may
drehbuch
mark dornford-may, ross graland, camilla driver
cast

pauline malefane,
andile tshoni,
lungelwa blou,
zorro sidloyi,
andries mbali, u.a.

spielzeit
122 min.
kinostart
22.12.2005
homepage
http://www.u-carmen.com
bewertung


(7/10 augen)




 

 



 

 

"U-Carmen" ist nichts für Opernpuristen. Der englischstämmige Regisseur Mark Dornford-May hat die 130 Jahre alte klassische Oper von Georges Bizet in ein südafrikanisches schwarzes Township namens Khayelitsha verlegt und lässt die Darsteller in der Landessprache Xhosa singen.

Die selbstbewusste und wilde Carmen (Pauline Malefane) arbeitet in einer Zigarettenfabrik. In der Mittagspause betört sie einige Polizisten, die gerade auf Streife sind. Nur einer von ihnen interessiert sich nicht für sie: Jongikhya (Andile Tshoni). Sie wirft ihm daraufhin eine Rose in den Wagen. Als Carmen eine Arbeiterin mit dem Messer verletzt, soll ausgerechnet er sie ins Gefängnis bringen, doch sie verführt den Polizisten dazu, sie laufen zu lassen. Bald bringt sie ihn sogar dazu, seine Polizistenlaufbahn zu verlassen und mit ihrer Schmugglerbande zu leben. Doch Jongikhya will sein wildes Mädchen ganz für sich allein, während Carmen anderen Männern, besonders dem ins Township zurückgekehrten Opernsänger Lulamile Nkomo, schöne Augen macht. Die Eifersuchtstragödie nimmt ihren Lauf ….

Mark Dornford-May, der im Jahr 2000 vor Ort die Theatergruppe Dimpho Di Kopane gründete und mit der Hauptdarstellerin Pauline Malefane verheiratet ist, castete Künstler in Gemeindehallen und Klassenräumen, wo ihm 2000 Menschen Zulu-Kriegslieder, Frank Sinatra und christliche Hymnen vorsangen. Die Gruppe bringt seitdem Opern und andere Stücke in den Landessprachen (Südafrika hat 11 davon) auf die Bühne und hatte vor diesem Film schon 200 ausverkaufte Vorführungen. "U-Carmen" ist das erste Projekt, welches von Dornford-May für die Leinwand ausgewählt wurde.

Liebevoll wurden Details an die Situation in den Townships angepasst, wie zum Beispiel die Ersetzung der Kartenleserin, zu der Carmen in der Original-Oper geht, um sich die Zukunft voraussagen zu lassen, durch einen Mann, der aus Knochen die Zukunft liest. Schade ist jedoch, dass Dornford-May nicht den Mut für eine Komplettanpassung hatte, denn so wird immer noch eine Spanierin in Sevilla besungen, was einfach nicht zu den Bildern passt. Afrikanische Rhythmen sind nur selten eingestreut, doch wird immerhin mehrfach traditionell getanzt. Dafür üben die Texte auf Xhosa einen großen Reiz auch für ein nicht-südafrikanisches Publikum aus, denn die Sprache hat sowohl sehr viele Vokale als auch wunderbare Klicklaute, welche die Kastagnetten des Originals ersetzen.

Obwohl der Regisseur sich viel Mühe gab, diese Oper als Film funktionieren zu lassen, gibt es leider gewisse Haken, denn "U-Carmen" muss man nicht nur als Opernaufführung, sondern auch als Film bewerten. So lenkt die eigenwillige Inszenierung der Bilder leider zum Teil vom Inhalt ab, anstatt sich in die Geschichte einzufügen. Hier wäre etwas mehr Mäßigung angebracht gewesen. Das größte Problem ist jedoch, dass die ausgezeichnet singenden und spielenden Pauline Malefane und Andile Tshoni die ihnen entgleitende Leidenschaft und die einsetzende Eifersucht des Geliebten aufgrund dramaturgischer Schwächen zu wenig verdeutlichen können. Für Zuschauer ohne Vorwissen wird daher wahrscheinlich nicht ersichtlich, warum es zu einem tragischen Ende aus Eifersucht kommt, da das Verhältnis zwischen Carmen Lulamile, dem Nebenbuhler ihres Polizisten, kaum beleuchtet wird. Die Gattung der Oper lebt von großen Gefühlen, die in "U-Carmen" manchmal zu klein dargestellt werden, um ihre herben Konsequenzen glaubhaft zu verursachen.

Doch trotz dieser Schwächen ist "U-Carmen" aufgrund der Schauspieler, der sprachlichen Übertragung, der Aktualität und der gesellschaftlichen Bedeutung der Inszenierung in den Townships sehr empfehlenswert. Denn der Film wird zwar nicht die Operngeschichte revolutionieren, doch seine Wirkung in Südafrika kann man getrost als revolutionär bezeichnen. In den Townships haben die ersten Kinos Einzug gehalten, in den Bussen trällern die Menschen Bizets Arien auf Xhosa, und sogar das Regierungskabinett bekam eine Privatvorführung dieses heimischen Vorzeige-Produktes. Und auch in Europa ist man beeindruckt: Als erster südafrikanischer Wettbewerbsfilm der Berlinale seit 25 Jahren räumte dieses Werk 2005 gleich den Goldenen Bären ab.
Einen europäischen Stoff für die kulturelle Selbstverwirklichung schwarzer Townships zu benutzen, ist eine Idee, über die vor der Gründung von Dimpho Di Kopane jeder nur müde gelächelt hätte. Doch hier zeigt sich, dass Oper nicht ein elitäres Relikt vergangener Zeiten ist, sondern durchaus ein modernes Volksgut und Identifikationsobjekt sein kann. Darin besteht die wahre Leistung von "U-Carmen".

M. Semenowicz

 


Name: Martin und Judit
Email: mtriebler@versanet.de
Bewertung:                      (9 von 10 Augen)

Der Film ist echt toll, sprüht vor Leben und die Bizet-Musik jammt auf
Xhosa (oder so ähnlich)



Name: ulla
Email:
Bewertung:                        (10 von 10 Augen)

wir haben die oper carmen schon oft in verschiedenen theatern und im fernsehen erlebt.
meist leider recht klamottig.
u-carmen sahen wir im saarbrücker kino achteinhalb.
das war die erste carmen, die uns komplett beeindruckt hat.
diese carmen war spannend und die musik mit ihren in der fremden sprache gesungenen arien passte so, dass es keinen bruch zwischen der handlung und der musik gab.
carmen plötzlich ganz aktuell und ein wunderbarer musikgenuss.



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Bewertung: von 10 Augen