| Wie die Frankfurter Kollegen von
"Nippon Connection"
stellte auch das "Cineasia"-Team
in Köln in diesem Jahr die zweite Ausgabe ihres hoffentlich
auch in Zukunft regelmäßig stattfindenden Filmfestivals
auf die Beine. Im Unterschied zum letztjährigen Event war das
Programm nun nicht mehr ausschließlich auf japanische Beiträge
beschränkt, wodurch insbesondere der rasant wachsenden Bedeutung
des südkoreanischen Kinos Rechnung getragen wurde, das beispielsweise
mit der gleichsam zart-poetischen wie nüchtern-realistischen
Liebesgeschichte "One Fine Spring Day" vertreten war. Der
Schwerpunkt lag aber dennoch ganz klar auf den Filmen aus dem Land
der aufgehenden Sonne, die abermals nur wenig Grund zur Enttäuschung
boten und ihre quantitative Dominanz somit überzeugend zu rechtfertigen
wussten.
Der
Einfluss des Fernost-Kinos auf die restliche Filmwelt zeigt sich
bekanntlich nicht nur in der Verpflichtung asiatischer Stars und
Crew-Mitglieder für westliche Produktionen. Dienten die Samurai-Epen
Akira Kurosawas bereits vor Jahrzehnten als Vorlage für US-amerikanische
und italienische Western, so zeigt sich heutzutage gerade das Actiongenre
deutlich von typischen Elementen des Hongkong-Kinos beeinflusst.
Die Ehre eines Hollywood-Remakes wurde mittlerweile auch "Ring"
zuteil, dem Jetzt-schon-Klassiker von Hideo Nakata, dessen immenser
Erfolg (inklusive Sequel, Prequel und sonstiger Adaptionen) der
derzeitigen Welle asiatischer Horrorfilme den wohl größten
Schwung gab. Bei "Cineasia" wurde Nakatas neuer Grusler
"Dark Water" präsentiert, der mit ähnlichen
Attributen wie sein populärer Vorgänger beschrieben werden
kann: Auch "Dark Water" zeichnet sich durch eine bedrückende
Atmosphäre aus, die zu keinem Zeitpunkt durch noch so kurze
Momente humoristischer Auflockerung unterbrochen wird, stattdessen
wird die Schraube der Beklemmung bis zum wirklich
Furcht veinflößenden Finale langsam aber stetig angezogen.
Hierbei profitiert die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter,
die mit ihrer Tochter in den Bann eines verstorbenen Mädchens
zu geraten scheint, besonders vom toll eingesetzten Setting, denn
das trostlos-düstere Mietshaus, in das die Beiden zu Beginn
des Films einziehen, kann es vom Gänsehautfaktor her locker
mit jedem Geisterschloss des traditionellen Gruselkinos aufnehmen.
Dennoch bleibt anzumerken, dass Nakata gerade in der ersten Hälfte
von "Dark Water" vielleicht schon etwas zu subtil vorgeht:
Auch wenn es grundsätzlich begrüßenswert erscheint,
dass hier offenbar ein ernsthaftes Thema (nämlich die Vernachlässigung
von Kindern durch überarbeitete Eltern) im Rahmen eines Horrorfilms
angesprochen werden sollte, lässt der erwartete Schrecken doch
zunächst etwas auf sich warten. Im direkten Vergleich mit "Ring"
muss außerdem gesagt werden, dass dessen Story um die todbringenden
Videotapes faszinierender, origineller und ganz einfach viel cooler
war. "Dark Water" ist kein Meisterwerk, aber ein insgesamt
gelungener Beitrag zum Grusel-Genre: Enorm stimmungsvoll und besonders
am Ende äußerst effektiv - gerade der Epilog stellt die
Nerven des Zuschauers noch einmal auf eine harte Belastungsprobe.
Etwas
weniger subtil präsentierte sich - wie so oft - der Horrorvertreter
aus Hong Kong. "Inner Senses" von Lo Chi-Leung erzählt
von einem Psychologen, der die Behandlung einer jungen Frau übernimmt,
die sich von Geistererscheinungen verfolgt fühlt. Der streng
rationale Wissenschaftler ist zunächst davon überzeugt,
dass die Leiden der Frau lediglich auf ein verdrängtes Trauma
zurückzuführen sind, er muss sich im Verlauf des Films
jedoch die Frage stellen, ob er selbst mit seiner Vergangenheit
wirklich im Reinen ist. Die pseudowissenschaftlichen Ausführungen
der von Leslie Cheung ansonsten recht überzeugend verkörperten
Hauptfigur wirken zwar stellenweise ein wenig albern, lassen sich
mit etwas gutem Willen jedoch dadurch entschuldigen, dass sich seine
Ansichten mit fortschreitender Handlung immer mehr als bloßes
Mittel des Selbstbetruges entpuppen. Der Konflikt zwischen traditionellem
(Aber-)Glauben an Geister und moderner Wissenschaft
wird in "Inner Senses" aber erwartungsgemäß
eh nicht wirklich tiefschürfend behandelt, sondern dient vielmehr
als Hintergrund für einige wirklich hübsche Schocks und
gut funktionierende Schreckmomente, so dass Freunde des gepflegten
Herzaussetzers hier auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Der auch
hier zu beobachtende unbedingte Wille zur Unterhaltung, der für
die Filme der ehemaligen Kronkolonie so typisch ist, wirkt im Vergleich
zum ruhigen aber umso tiefergehenden Schrecken vieler japanischer
Genrevertreter allerdings deutlich weniger elegant. Dass ein netter,
aber letzten Endes nicht wirklich aufsehenerregender Horrorfilm
wie "Inner Senses" den einzigen Hong-Kong-Beitrag des
Festivals darstellte, macht leider auch einmal mehr deutlich, dass
die dortige Filmindustrie in den letzten Jahren mit wirklichen Highlights
eher gegeizt hat.
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