| Gerade von den zehn Filmen, die für
den vom Publikum verliehenen "Nippon Connection Newcomer Award"
nominiert waren, wiesen leider einige noch eine weitere Gemeinsamkeit
mit dem Eröffnungsfilm auf, sie waren nämlich schlichtweg
ein gutes Stück zu lang. Gerade die Dramen wie "Wave",
"Unloved" und "Hush!" (der in der Publikumsgunst
letztendlich auf dem dritten Platz landete) konnten zwar durchaus
mit differenziert gezeichneten Figuren, präzise dargestellten
Emotionen und allgemein großer Sensibilität überzeugen,
bei einer Laufzeit von um die zwei Stunden vermisste man jedoch gelegentlich
ein wenig mehr Schwung, so dass sich dann doch schon mal gepflegte
Langeweile breit machte. Auch der raues Doku-Flair à la "Kids"
atmende "Scoutman", der die in Japan offenbar sehr verbreitete
Beteiligung von Schulmädchen an Sexfilmen und Prostitution beleuchtete,
hätte trotz seines erfreulichen Verzichts auf einen moralisierenden
Umgang mit diesem Sujet ruhig etwas mehr Tempo und dramatische Zuspitzung
vertragen können. Masato Haradas ausgezeichneter "Bounce
Ko Gals" von 1997 konnte dieselbe Thematik jedenfalls deutlich
mitreißender und bewegender vermitteln.
Von Harada gab es dieses Jahr in Frankfurt wiederum "Inugami"
zu sehen, einen der in Japan zur Zeit äußerst populären
Mystery/Horror-Filme. Die recht unheimliche Geschichte um seltsame
Vorgänge in einem kleinen Bergdorf verzichtet darauf, die übernatürlichen
Ereignisse allzu deutlich darzustellen oder gar bis ins letzte Detail
zu erklären und gewinnt gerade durch diese Subtilität
an Wirkung. Am meisten im Gedächtnis bleiben allerdings die
tollen Bilder, denn Harada versteht es ganz ausgezeichnet, die tiefgrünen
Wälder, die hier als Schauplatz dienen, höchst atmosphärisch
und mit berückender Schönheit in Szene zu setzen. Ebenfalls
im phantastischen Genre angesiedelt waren die beiden Wettbewerbsbeiträge
"Sound Track" und "The Princess Blade". Dass
"Sound Track"-Regisseur Ken Nikai aus dem Musikvideo-Bereich
stammt, sieht man seinem bildgewaltigen Spielfilmdebüt in jeder
Einstellung an, denn die düster-künstliche Traumwelt,
in der sich sein eigentümliches Inzest-Märchen abspielt,
ist bis ins letzte Detail durchgestylt. Auch wenn der Film durch
seinen konsequenten Stilwillen beeindruckt, fällt mit der Zeit
auf, dass sich die eh schon eher schwachbrüstige Handlung (budgetbedingt?)
nur auf sehr wenige Locations beschränkt, so dass man sich
auf Dauer doch etwas mehr Abwechslung gewünscht hätte.
Jedermann's Sache dürfte die Ästhetik von "Sound
Track" ohnehin nicht sein, denn es fällt ebenso leicht,
den Film als ungewöhnlichen Bilderrausch zu bewundern, wie
ihn als nur schwer erträgliche Kitschorgie zu verdammen.
Wesentlich massenkompatibler war da schon die gelungene Manga-Verfilmung
"The Princess Blade", ein neuzeitlicher Schwertkampffilm
mit leichtem Science-Fiction-Einschlag, der im Newcomer-Wettbewerb
schlussendlich den zweiten Platz belegte. Auch hier konnte die Optik
voll überzeugen, der ganze Film ist sehr stylish inszeniert
und lädt mit schönen Bildern und tollen Farben zum Staunen
ein. Im direkten Vergleich mit vielen Genre-Mitstreitern aus Hong
Kong, die oftmals recht hastig heruntergekurbelt wirken, muss hier
außerdem die allgemein sehr sorgfältig wirkende Machart
des gesamten Films hervorgehoben werden. Die von Martial-Arts-Ikone
Donnie Yen choreographierten Fights konnten mit hoher Dynamik und
großem Einfallsreichtum ebenfalls überzeugen, so dass
man sich nach dem etwas offen gehaltenen Ende am liebsten gleich
die bereits angekündigte Fortsetzung angeschaut hätte.
Beinahe genauso vergnüglich wie "The Princess Blade"
war die im Anschluss an die Vorführung stattfindende Frage-und-Antwort-Session
mit Regisseur Shinsuke Sato, die ihren inoffiziellen Höhepunkt
darin fand, dass ein Zuschauer die Gunst der Stunde nutzen und ein
selbstverfasstes Buch als künftige Filmvorlage an den Mann
bringen wollte.
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Auch in Mystery-Filmen gibt's Zärtlichkeiten:
Masato Harada's "Inugami"

Auf in den Kampf: die Schwert-schwingende Heldin
aus "The Princess Blade"
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