Spotlight: Nippon Connection 2002

Gerade von den zehn Filmen, die für den vom Publikum verliehenen "Nippon Connection Newcomer Award" nominiert waren, wiesen leider einige noch eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Eröffnungsfilm auf, sie waren nämlich schlichtweg ein gutes Stück zu lang. Gerade die Dramen wie "Wave", "Unloved" und "Hush!" (der in der Publikumsgunst letztendlich auf dem dritten Platz landete) konnten zwar durchaus mit differenziert gezeichneten Figuren, präzise dargestellten Emotionen und allgemein großer Sensibilität überzeugen, bei einer Laufzeit von um die zwei Stunden vermisste man jedoch gelegentlich ein wenig mehr Schwung, so dass sich dann doch schon mal gepflegte Langeweile breit machte. Auch der raues Doku-Flair à la "Kids" atmende "Scoutman", der die in Japan offenbar sehr verbreitete Beteiligung von Schulmädchen an Sexfilmen und Prostitution beleuchtete, hätte trotz seines erfreulichen Verzichts auf einen moralisierenden Umgang mit diesem Sujet ruhig etwas mehr Tempo und dramatische Zuspitzung vertragen können. Masato Haradas ausgezeichneter "Bounce Ko Gals" von 1997 konnte dieselbe Thematik jedenfalls deutlich mitreißender und bewegender vermitteln.

Von Harada gab es dieses Jahr in Frankfurt wiederum "Inugami" zu sehen, einen der in Japan zur Zeit äußerst populären Mystery/Horror-Filme. Die recht unheimliche Geschichte um seltsame Vorgänge in einem kleinen Bergdorf verzichtet darauf, die übernatürlichen Ereignisse allzu deutlich darzustellen oder gar bis ins letzte Detail zu erklären und gewinnt gerade durch diese Subtilität an Wirkung. Am meisten im Gedächtnis bleiben allerdings die tollen Bilder, denn Harada versteht es ganz ausgezeichnet, die tiefgrünen Wälder, die hier als Schauplatz dienen, höchst atmosphärisch und mit berückender Schönheit in Szene zu setzen. Ebenfalls im phantastischen Genre angesiedelt waren die beiden Wettbewerbsbeiträge "Sound Track" und "The Princess Blade". Dass "Sound Track"-Regisseur Ken Nikai aus dem Musikvideo-Bereich stammt, sieht man seinem bildgewaltigen Spielfilmdebüt in jeder Einstellung an, denn die düster-künstliche Traumwelt, in der sich sein eigentümliches Inzest-Märchen abspielt, ist bis ins letzte Detail durchgestylt. Auch wenn der Film durch seinen konsequenten Stilwillen beeindruckt, fällt mit der Zeit auf, dass sich die eh schon eher schwachbrüstige Handlung (budgetbedingt?) nur auf sehr wenige Locations beschränkt, so dass man sich auf Dauer doch etwas mehr Abwechslung gewünscht hätte. Jedermann's Sache dürfte die Ästhetik von "Sound Track" ohnehin nicht sein, denn es fällt ebenso leicht, den Film als ungewöhnlichen Bilderrausch zu bewundern, wie ihn als nur schwer erträgliche Kitschorgie zu verdammen.

Wesentlich massenkompatibler war da schon die gelungene Manga-Verfilmung "The Princess Blade", ein neuzeitlicher Schwertkampffilm mit leichtem Science-Fiction-Einschlag, der im Newcomer-Wettbewerb schlussendlich den zweiten Platz belegte. Auch hier konnte die Optik voll überzeugen, der ganze Film ist sehr stylish inszeniert und lädt mit schönen Bildern und tollen Farben zum Staunen ein. Im direkten Vergleich mit vielen Genre-Mitstreitern aus Hong Kong, die oftmals recht hastig heruntergekurbelt wirken, muss hier außerdem die allgemein sehr sorgfältig wirkende Machart des gesamten Films hervorgehoben werden. Die von Martial-Arts-Ikone Donnie Yen choreographierten Fights konnten mit hoher Dynamik und großem Einfallsreichtum ebenfalls überzeugen, so dass man sich nach dem etwas offen gehaltenen Ende am liebsten gleich die bereits angekündigte Fortsetzung angeschaut hätte. Beinahe genauso vergnüglich wie "The Princess Blade" war die im Anschluss an die Vorführung stattfindende Frage-und-Antwort-Session mit Regisseur Shinsuke Sato, die ihren inoffiziellen Höhepunkt darin fand, dass ein Zuschauer die Gunst der Stunde nutzen und ein selbstverfasstes Buch als künftige Filmvorlage an den Mann bringen wollte.



 

 

 

Auch in Mystery-Filmen gibt's Zärtlichkeiten: Masato Harada's "Inugami"

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf in den Kampf: die Schwert-schwingende Heldin aus "The Princess Blade"