filmszene-Spotlight: "Und die Hölle kommt mit mir" - Die "Hellraiser"-Filme

„Öffnet man die Tore
Zu seinen geheimsten Begierden
So öffnet man unter Umständen Höllentore,
die sich nur schwerlich schliessen lassen“

„I have seen the future of horror ... his name ist Clive Barker.“ Niemand anderes als der „King of Horror“, Stephen King persönlich, urteilte Ende der 80er so über einen jungen britischen Kollegen, der mit seinen psychologisch brillanten und trotzdem mit allerlei Ekelszenarien durchsetzten Geschichten Furore machte. Während King sich im Zenit seiner Karriere und seiner Mainstreampopularität befand, gab sich der aufstrebende Barker ungleich erwachsener; den Visionen eines Edgar Allen Poe oder H.P. Lovecraft wesentlich näher als dem ungemein spannenden, aber relativ konventionellen Horror Kingscher Prägung. Und dieser Clive Barker machte sich 1988 daran, eine seiner Geschichten für die große Leinwand zu adaptieren. Die Geschichte hieß „The Hellbound-Heart“ und bildete die Grundlage für eine der populärsten Horrormythen, die je auf Zelluloid gebannt wurden: die Hellraiser-Reihe.

„Hellraiser“ erzählt von dem nach neuen Möglichkeiten des Vergnügens suchenden Frank Cotton (Sean Chapman), der jedoch von den Geistern, die er rief, im wörtlichen Sinne zerrissen wird. Die von ihm erstandene Puzzlebox öffnete ein Tor zur Hölle, aus dem die Cenobiten traten: Dämonen, die sich an Schmerz, dem fremden sowie dem eigenen, weiden. Das Haus, in dem Frank so grausam getötet wird, wird kurz darauf von seinem Bruder Larry (Andrew Robinson, der Garak aus „Star Trek – Deep Space Nine“) und dessen Frau Julia (Clare Higgins) bezogen. Frank wird durch Blut zu neuem Leben erweckt und die ihm hörige Julia tötet, um ihm seine menschliche Form wiederzugeben. Ihre Stieftochter Kirsty (Ashley Laurence) entdeckt das grausige Treiben und ruft wiederum mit Franks Puzzlebox die Cenobiten herbei, denen sie nur entkommt, weil sie verspricht, Frank auszuliefern. Die Warnung von Cenobiten-Anführer „Pinhead“ (Doug Bradley) könnte nicht deutlicher sein: „But if you cheat ... we’ll tear your soul apart.“ Kirty versucht ihren Teil der Abmachung einzuhalten, aber wer hat denn gesagt, daß sich die Cenobiten nur mit Frank zufriedengeben würden?

„Hellraiser“ war sowohl in Großbritannien als auch in den USA einer der Überraschungserfolge des Jahres, der gleichzeitig dem mehr und mehr auf den Videosektor verdrängten Horrorgenre neuen Schwung verlieh. In der Tat beweist Barker in seinem Regiedebüt eine erstaunliche Stilsicherheit und ein exzellentes Gespür für Charakterzeichnungen. Sein Film vereint die psychologische Komponente des traditionellen britischen Horrorfilms mit den harten Effekten des Splatterfilms. Gleichzeitig entwirft er ein geradezu klassisches Handlungskonzept, das unverblümt mit bekannten Motiven und menschlichen Urängsten spielt: Der Einbruch des Fremden und Unerklärlichen in die Familie; der Preis für verbotene Leidenschaft; die böse Stiefmutter und der Brudermord. Dieses wird mit der Mythologie der Cenobiten verquickt, einer Art sadomasochistischer Version der Höllendiener, die durch ihre kurzen, aber markanten Auftritte noch wesentlich grausiger wirken, als in den späteren Folgen. Barker verzichtet auf die theatralischen Schockeffekte des US-Horrorkinos und entspinnt in kalten, realistisch wirkenden Bildern seine Horrormär. Herausgekommen ist ein Albtraum, der vollkommen zurecht als einer der größten Filme des Horrorgenres gilt, und „ähnlich wie 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM oder PSYCHO ein Klassiker des Phantastischen“ (Zitat Raum-Deinzer) ist.


Lebendes Nadelkissen: Pinhead ziert
bereits das Poster zum ersten Teil der Reihe