Waren die Geschichten der "Freitag
der 13."-Serie von jeher nicht mehr als episodische Aneinanderreihungen
von blutigen Mordszenen, so wurden die Grundplots mit jedem Film abstruser,
bis sie mit der Herkunftsgeschichte Jasons am Chrystal Lake so gut
wie nichts mehr zu tun hatten. Da trat der verhinderte Hockeytorwart
dann gegen ein telekinetisch begabtes Mädchen an oder wechselte
den Stand- bzw. Schlachtort ("Jason takes Manhattan"). In
einem Film mordete er sich durch ein Kreuzfahrtschiff und in einem
anderen war gar nicht er der Killer, sondern ein verrückter Nachahmer.
Immerhin fand man in dem bulligen Stuntman Kane Hodder in den letzten
Teilen der Serie einen festen und verlässlichen Jason-Darsteller.
Und mit "Jason X" machte New Line Cinema (durch deren Kauf
des Jason-Franchise Anfang der Neunziger der letztendliche Crossover
von Freddy und Jason erst möglich wurde) vor zwei Jahren
dann zwei entscheidende Schritte für die Serie: Zum einen war
dies der erste Film, der nicht mehr "Freitag der 13." im
Titel führte, was nicht nur angesichts der Tatsache Sinn macht,
dass das Verkaufsargument Nr. 1 eben Jason ist, sondern auch weil
der namensgebende Tag für die Serie weder thematisch noch inhaltlich
eine besondere Rolle spielt. Viel wichtiger war aber die Signalwirkung,
dass "Jason X" groß in die Kinos gebracht wurde (zumindest
in den USA). Denn nachdem die letzten Streifen nur dem kleinen Stammpublikum
per Videopremiere gereicht wurden, wollte man aufzeigen: Das Franchise
ist noch nicht tot. Trotzdem zeigt auch "Jason X" entgegen
einiger kleiner Modernismen und Anflügen von selbstironischem
Humor (was bei einem Film, in dem Jason im Weltall metzelt, eigentlich
das Mindeste ist, was man erwarten darf) wieder alle Schwächen
der Serie und ist einer der schlechtesten Streifen, die es in den
letzten Jahren auf die Leinwand geschafft haben.
Letztendlich sind aber die Qualitätsunterschiede zwischen
den einzelnen Teilen der "Freitag der 13."-Serie irrelevant,
denn die gesamte Reihe stellt inhaltlich und thematisch den Bodensatz
des Slasherfilms dar und ist in vielerlei Hinsicht für dessen
Negativimage verantwortlich. So ist die Anfang der 80er Jahre geführte
Gewaltdebatte direkt auf den ersten "Freitag der 13."
zurückzuführen. Ohne jegliche filmisch-künstlerische
Ambition waren diese Filme ein zynisches Zurschaustellen von Gewalt,
mit jedem neuen Film versuchte man sich im Finden von besonders
brutalen Tötungsmethoden und zeigte dabei gleichzeitig, wie
ein Erfolgsschema ohne geringste Variation wiederholt werden kann.
Krasser als in den anderen Serien wurde auch der Sexploitation-Aspekt
hervorgestellt: So sind Jasons Opfer zumeist halb- oder ganz nackt
(natürlich vor allem die weiblichen), und werden kurz vor,
nach oder gar während dem Sex getötet. Die absurd-abartige
und belehrende Psychologie der Filme suggeriert das Fehlverhalten
der Teenager als akzeptablen Grund für ihre "Bestrafung".
Verschlimmert wurde diese Tendenz noch durch die Tatsache, dass
sämtliche Teenagercharaktere in den "Freitag der 13."-Filmen
Figuren ohne jegliche Charaktertiefe sind (und ihre Darsteller oftmals
auf Laien- und Schultheaterniveau), sondern so leere Symbole wie
Jason selbst. Sie werden als dümmliches Schlachtvieh dargestellt,
das es auszumerzen gilt. Die "Freitag der 13."-Serie mit
ihrem konstanten Mix aus Sex und Blut und dem latenten Appell an
die niedersten Instinkte ist die mit weitem Abstand belangloseste,
zynischste und schlechteste Slasherreihe. Selbst die einfallslosesten
Filme der anderen beiden Serien überboten noch locker das Niveau
von Jasons Metzeleien.
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Weiter weg von zu Hause wird's auch nicht besser:
"Jason X" mit SciFi-Anflug, aber ohne jegliche
Klasse
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