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Wer ist Harvey Pekar? Von dem Mann, dessen Leben hier verfilmt
wurde hat in unserem Land wohl kaum jemand schon mal etwas gehört.
Und das ist auch in den USA nicht sehr viel anders, denn wirklich
berühmt ist Pekar nicht, trotz einiger über die Jahre
verteilter Auftritte in der "Late Show" von David Letterman.
Nun, Harvey Pekar macht Comics - genauer gesagt: er schreibt sie
- denn wirklich gut zeichnen kann er nicht. Und "American Splendor"
ist deshalb eigentlich auch eher die
Verfilmung seiner Comics, aber das macht keinen großen Unterschied,
denn in diesen Comics geht es schließlich ausschließlich
nur um Harveys Leben. Und weil das so ist, erzählt der echte
Mr. Pekar hier vieles auch gleich selbst, obwohl er doch die meiste
Zeit von einem Schauspieler dargestellt wird. Hallo, noch da? Keine
Sorge, so wirr sich dieses Konzept vielleicht anhört, es funktioniert
ganz wunderbar und macht "American Splendor" auch nicht
zu einem schwer verkopften Kunstfilm. Nein, ganz im Gegenteil, dieser
Film fließt völlig locker von der Hand und ist für
den Zuschauer ein echter Genuss.
Eine
echte Inhaltsangabe fällt aufgrund des oben geschilderten Konzeptes
allerdings schwer, denn was wir sehen sind einzelne Episoden aus
den letzten 25 Jahren im Leben des Harvey Pekar. Größtenteils
chronologisch zwar, aber dabei immer wieder angehalten, kommentiert
und reflektiert. Und um auf die ganz zu Anfang gestellte Frage zurückzukommen:
Harvey Pekar ist vor allem ein Kauz. Ein zu Beginn des Films meist
übel gelaunter und frustrierter Aktensortierer in der Verwaltung
eines Krankenhauses in Cleveland. Eine Frau hat er meist nicht,
genauso wenig wie echte Freunde. Seine Kollegen haben alle irgendwelche
verschrobenen Macken und obwohl er seinen Job eigentlich hasst,
mag er diese Typen doch irgendwie. Begeistern kann Harvey sich für
Jazz-Platten und Comics. Auf einem entsprechenden Flohmarkt lernt
er schließlich den seelenverwandten Zeichner Robert Crumb
kennen, der kurze Zeit später mit seinen Underground-Comics
(z.B. "Fritz the Cat") berühmt wird. Auch Harvey
will irgendetwas in der Richtung machen und beginnt seine Alltagserlebnisse
aufzuschreiben. Die Zeichnungen besorgen Crumb und dessen Kollegen,
und dies ist die Geburtsstunde des Heftes "American Splendor".
Zu
Beginn eher eine Selbsttherapie für den Verfasser, bildet sich
um die trockenen und zynisch kommentierten Geschichten schnell eine
kleine Fangemeinde. Denn das besondere an Pekars Comics ist die
darin enthaltene schonungslose Ehrlichkeit. Frei von allen Eitelkeiten
beschreibt dieser seine Misserfolge, seine Unzufriedenheit und die
genau beobachteten gestörten Menschen um sich herum.
Die Übernahme dieser Maxime ist es denn auch, die diesen Film
zu einer überzeugenden und daher auch werkgetreuen Adaption
der Comicvorlage macht. Hier entwirft niemand ein Bild von sich,
welches der Öffentlichkeit vielleicht gefallen würde oder
soll, sondern hier wird Klartext geredet. Die skurrile und nicht
besonders attraktive Comichändlerin Joyce (seine spätere
Ehefrau) lädt Harvey nur deshalb zu sich ein, weil er schon
viel zu lange keine Frau mehr hatte und nicht weil er sie etwa besonders
attraktiv findet. Das ist beiden bewusst und da wird auch im Nachhinein
nichts verklärt. Auch mit dem wachsenden Bekanntheitsgrad seiner
Comics und nach einigen Fernsehauftritten schafft Harvey es nicht,
seinen öden Job zu kündigen und abzuschütteln. Nicht
nur fehlt ihm das Geld dafür sondern vor allem der Antrieb,
aus seinem Alltagsleben auszubrechen.
Denn
"das tägliche Leben ist ganz schön kompliziert"
ist eine Art Motto von "American Splendor", und es ist
auch ein ständiger Kampf gegen den eigenen inneren Schweinehund,
den Harvey Pekar öfter verliert als gewinnt. Aber irgendwie
wurstelt man sich so durch und macht weiter, auch wenn man schließlich
noch schwer an Krebs erkrankt und sich die Seele aus dem Leib kotzt.
Für die Nachwelt bleibt dann schließlich immer noch ein
schönes Buch namens "Our Cancer Year".
Denn so bitter und abschreckend sich die Schilderung dieses anscheinend
so traurigen und frustrierenden Lebens auch anhören mag: Ganz
so übel ist es eigentlich nicht wirklich und es gibt immer
noch genug zu lachen. Über die anderen Spinner und über
sich selbst. Und mit welcher Warmherzigkeit, Offenheit und Sympathie
"American Splendor" dies sowohl in der Comic- als auch
in der Filmversion vermittelt ist einfach klasse. Und natürlich
ein Verdienst des wirklich großartig zerknautschten Paul Giamatti
in der Hauptrolle, dem auch der echte Harvey zugerufen haben dürfte:
"Cool gemacht, altes Knittergesicht!"
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