American Splendor

tragikomödie, usa 2003
original
american splendor
regie
shari springer berman & robert pulcini
drehbuch
shari springer berman & robert pulcini
cast

paul giamatti,
hope davis,
judah friedlander,
harvey pekar, u.a

spielzeit
105 min.
kinostart
28.10.2004
homepage
www.americansplendormovie.com
bewertung

(8/10 augen)




 

 

 

 


 

 

Wer ist Harvey Pekar? Von dem Mann, dessen Leben hier verfilmt wurde hat in unserem Land wohl kaum jemand schon mal etwas gehört. Und das ist auch in den USA nicht sehr viel anders, denn wirklich berühmt ist Pekar nicht, trotz einiger über die Jahre verteilter Auftritte in der "Late Show" von David Letterman. Nun, Harvey Pekar macht Comics - genauer gesagt: er schreibt sie - denn wirklich gut zeichnen kann er nicht. Und "American Splendor" ist deshalb eigentlich auch eher die Verfilmung seiner Comics, aber das macht keinen großen Unterschied, denn in diesen Comics geht es schließlich ausschließlich nur um Harveys Leben. Und weil das so ist, erzählt der echte Mr. Pekar hier vieles auch gleich selbst, obwohl er doch die meiste Zeit von einem Schauspieler dargestellt wird. Hallo, noch da? Keine Sorge, so wirr sich dieses Konzept vielleicht anhört, es funktioniert ganz wunderbar und macht "American Splendor" auch nicht zu einem schwer verkopften Kunstfilm. Nein, ganz im Gegenteil, dieser Film fließt völlig locker von der Hand und ist für den Zuschauer ein echter Genuss.

Eine echte Inhaltsangabe fällt aufgrund des oben geschilderten Konzeptes allerdings schwer, denn was wir sehen sind einzelne Episoden aus den letzten 25 Jahren im Leben des Harvey Pekar. Größtenteils chronologisch zwar, aber dabei immer wieder angehalten, kommentiert und reflektiert. Und um auf die ganz zu Anfang gestellte Frage zurückzukommen: Harvey Pekar ist vor allem ein Kauz. Ein zu Beginn des Films meist übel gelaunter und frustrierter Aktensortierer in der Verwaltung eines Krankenhauses in Cleveland. Eine Frau hat er meist nicht, genauso wenig wie echte Freunde. Seine Kollegen haben alle irgendwelche verschrobenen Macken und obwohl er seinen Job eigentlich hasst, mag er diese Typen doch irgendwie. Begeistern kann Harvey sich für Jazz-Platten und Comics. Auf einem entsprechenden Flohmarkt lernt er schließlich den seelenverwandten Zeichner Robert Crumb kennen, der kurze Zeit später mit seinen Underground-Comics (z.B. "Fritz the Cat") berühmt wird. Auch Harvey will irgendetwas in der Richtung machen und beginnt seine Alltagserlebnisse aufzuschreiben. Die Zeichnungen besorgen Crumb und dessen Kollegen, und dies ist die Geburtsstunde des Heftes "American Splendor".
Zu Beginn eher eine Selbsttherapie für den Verfasser, bildet sich um die trockenen und zynisch kommentierten Geschichten schnell eine kleine Fangemeinde. Denn das besondere an Pekars Comics ist die darin enthaltene schonungslose Ehrlichkeit. Frei von allen Eitelkeiten beschreibt dieser seine Misserfolge, seine Unzufriedenheit und die genau beobachteten gestörten Menschen um sich herum.

Die Übernahme dieser Maxime ist es denn auch, die diesen Film zu einer überzeugenden und daher auch werkgetreuen Adaption der Comicvorlage macht. Hier entwirft niemand ein Bild von sich, welches der Öffentlichkeit vielleicht gefallen würde oder soll, sondern hier wird Klartext geredet. Die skurrile und nicht besonders attraktive Comichändlerin Joyce (seine spätere Ehefrau) lädt Harvey nur deshalb zu sich ein, weil er schon viel zu lange keine Frau mehr hatte und nicht weil er sie etwa besonders attraktiv findet. Das ist beiden bewusst und da wird auch im Nachhinein nichts verklärt. Auch mit dem wachsenden Bekanntheitsgrad seiner Comics und nach einigen Fernsehauftritten schafft Harvey es nicht, seinen öden Job zu kündigen und abzuschütteln. Nicht nur fehlt ihm das Geld dafür sondern vor allem der Antrieb, aus seinem Alltagsleben auszubrechen.
Denn "das tägliche Leben ist ganz schön kompliziert" ist eine Art Motto von "American Splendor", und es ist auch ein ständiger Kampf gegen den eigenen inneren Schweinehund, den Harvey Pekar öfter verliert als gewinnt. Aber irgendwie wurstelt man sich so durch und macht weiter, auch wenn man schließlich noch schwer an Krebs erkrankt und sich die Seele aus dem Leib kotzt. Für die Nachwelt bleibt dann schließlich immer noch ein schönes Buch namens "Our Cancer Year".
Denn so bitter und abschreckend sich die Schilderung dieses anscheinend so traurigen und frustrierenden Lebens auch anhören mag: Ganz so übel ist es eigentlich nicht wirklich und es gibt immer noch genug zu lachen. Über die anderen Spinner und über sich selbst. Und mit welcher Warmherzigkeit, Offenheit und Sympathie "American Splendor" dies sowohl in der Comic- als auch in der Filmversion vermittelt ist einfach klasse. Und natürlich ein Verdienst des wirklich großartig zerknautschten Paul Giamatti in der Hauptrolle, dem auch der echte Harvey zugerufen haben dürfte: "Cool gemacht, altes Knittergesicht!"

V. Robrahn

 


Name: Philipp
Email: phfi@gmx.de
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Ich habe den Film bis jetzt nur auf englisch gesehen aber hab gut dabei gelacht :). Zugegebenermaßen kenne ich die Comics nicht, was aber bei diesem Film kein Hindernis ist.
Das Konzept dieses Films geht perfekt auuf, Comics, Spielfilm und Interviews mit den echten Personen gehen fließend in einander über und es macht einfach Spaß, diesen Film zu sehen. Vor allem, wenn man auf trockenen, subtilen Humor steht - auch tragische Situationen tragen eine gewisse Komik in sich.



Name: Harmonica
Email: amusedgorm@t-online.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Wahnsinn, habe noch nie so einen Mix aus Interviews mit den Original-Leuten sowie und Film mit Schauspielern, die die Originale spielen, und gezeichnetem Comic gesehen. Da bekommt der ganze Film ein ziemlich lebensnahes Gesicht.
Wahrscheinlich war dieser Film zu independent für die Oscar-Jury, ansonsten wäre ein Oscar für Paul Giamatti wohl Pflicht gewesen, zumindest mal ne Nominierung. Sein allseits gesehener pessimistischer und genervter Gesichtsausdruck ist wirklich göttlich anzuschaun :D
Daumen hoch für diesen wunderbaren kleinen Film, volle Punktzahl gibts nur nich wegen dem plötzlichen Humor-Abfall in der Krebs-Episode, aber Krebs ist ja auch nicht grad witzig... trotzdem etwas unausgewogen.. egal, anschauen ! ;)



Name: Focker
Email: Focker@gmx.net
Bewertung:               (6 von 10 Digital Eyes)


Der Film ist erfrischend "anders" mit einem Paul Giamatti in Hochform. Ansonsten fand ich American Splendor weder sonderlich
witzig noch unterhaltsam....
6 Punkte für die gute Umsetzung und den Hauptdarsteller

MfG



Name: Chris
Email: halo14@web.de
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

"Der Film kann als auch Darstellung des Versuchs eines gewöhnlichen Menschen verstanden werden, der unter widrigen Umständen seine Würde zu bewahren bzw. zu erringen versucht." (de.wikipedia.org)

10 Punkte



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Bewertung: von 10 Augen