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| filmszene special: Interview mit "Ring"-Hauptdarsteller Martin Henderson |
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Do you come from a land down under ... Eine Unterhaltung mit Martin Henderson Martin Henderson sieht gut aus. Wie Brad Pitt. Sagen die Mädels. Da muss man wohl zustimmen. In seinem oben nur halb zugeknöpften Hemd und mit den zum Pferdeschwanz zusammengebundenen halblangen Haaren verkörpert er perfekt den sunny boy - allerdings nicht aus Kalifornien, sondern von "down under". Filmszene traf den gebürtigen Neuseeländer, dessen Überraschungs-Gruselhit "Ring" jetzt in deutschen Kinos anläuft, und der sympathische Shootingstar hatte nicht nur über "Ring" Interessantes zu sagen, sondern auch über Hollywoodremakes, seinen Kumpel Heath Ledger und den Unterschied zwischen Amerikanern und Australiern. Filmszene: Hätten Sie den großen Erfolg von "Ring" erwartet?
Henderson: Egal an welchem Projekt oder in welcher Branche man arbeitet - man will doch immer, dass das Produkt gut ankommt und respektiert wird. Wir suchten diesen Stoff aus und verwendeten viel Zeit mit der Arbeit daran, weil wir ahnten, dass es ein guter Film werden könnte. Aber keiner von uns hätte im Leben erwartet, dass "Ring" so gut laufen würde. Nicht einmal die Produzenten oder der Regisseur. Das war eine sehr angenehme Überraschung. Welchen Nerv hat dieser Film denn getroffen, dass er so ein Überraschungserfolg wurde? Der Film ist originell, diese Geschichte hat man so noch nicht gesehen.
Außerdem ist es interessant, ein so gebräuchliches Objekt wie
ein Videoband - also etwas das wir alle benutzen oder benutzt haben -
zu nehmen, und das könnte Dir irgendwie schaden. Das ist so weit
hergeholt, dass wir es schon wieder glauben wollen. Was halten Sie denn allgemein von dem Hollywoodtrend, wie im Falle von "Ring" ein fremdsprachiges Original zu nehmen und davon ein Remake zu drehen? Ehrlich gesagt, war ich was "Ring" betrifft nervös. Hollywood hat eine lange Vergangenheit, in der sie die Originalfilme im Remake versaut haben. Das sieht man dauernd, bei "Nikita" zum Beispiel. Die Originale waren großartig, und dann denkt irgendjemand arrogant "Oh, wir stecken da einfach 20 Millionen Dollar extra rein und nehmen einen großen Hollywoodstar und die Leute werden es lieben". Und dann verpassen sie völlig das Anliegen, dass die Verantwortlichen des Originals hatten. Ich war also skeptisch. Aber Dreamworks und Gore und alle an "Ring" beteiligten haben in mancher Hinsicht einen besseren Film gemacht. Sie haben zumindest einen sehr viel universelleren Film gemacht. Sie und Naomi Watts sind zwei gutaussehende Menschen, die im Film ein gut aussehendes Paar darstellen. Haben Sie Sorgen, dass man Sie zum jetzigen Zeitpunkt ihrer Karriere als "Schönling" abstempelt und Sie als Darsteller nicht zu ernst genommen werden? Naja, ich wäre eher geschmeichelt denn besorgt. Ich habe für viele Jahre als Schauspieler gearbeitet und das ist seit meiner Kindheit meine Leidenschaft. Wenn die Leute dies so sehen würden, bitte sehr. Aber mir geht es um das Schauspielen selbst. Und je mehr Drehbücher ich nach dem Erfolg von "Ring" bekomme, desto mehr kann ich mich aufs Schauspielen konzentrieren. Ihre Figur ist etwas problematisch, da Sie nicht sehr viel Leinwandzeit bekommen, aber dem Zuschauer trotzdem Noahs Wandlung vom zynischen Ungläubigen zum verängstigten und hysterischen Wahrheitssucher glaubhaft darbieten müssen. Wie schwierig war es, diese beiden sehr unterschiedlichen Seiten ihrer Figur in so kurzer Leinwandzeit überzeugend darzustellen?
Das war nicht so schwierig, denn ich wusste dies ja von Anfang an. Ich war glücklich, dass man in diesem Film als Horrorfilm überhaupt ein wenig Charakterentwicklung hat. Da der Film natürlich nicht chronologisch abgedreht wurde, war es nur sehr wichtig, seine Darstellung richtig zu timen. Herauszufinden, wie weit der Charakter ist; wie weit er innerlich bereit ist, die Wahrheit zu akzeptieren. Wie war die Arbeit mit Regisseur Gore Verbinski? Er gab sein Debüt
schließlich mit computeranimierten Mäusen, ist also nicht zwangsläufig
"an actor's director"... Viele Schauspieler aus Australien oder Neuseeland (wie etwa Russell Crowe, Hugh Jackman, Guy Pearce oder Geoffrey Rush) haben erfolgreiche Karrieren in Hollywood. Ist das so eine Art Trend? Nein, das ist kein Trend. Ich wünschte es wäre so einfach. Man kommt einfach hin und sagt "Hi, I'm a Kiwi" und sie sagen "Du bist engagiert". Aber so ist's leider nicht. Es ist einfach ein seltsames Phänomen. Vielleicht liegt es daran, dass wir einfach anders sind. Wir spielen in amerikanischen Filmen und sprechen auch in amerikanischem Akzent, aber wir sind nicht amerikanisch. Und das kommt vielleicht auf der Leinwand heraus und macht uns interessant. Wir sind auch wesentlich entspannter. Und man fühlt sich als Australier irgendwie freier. Man hat in Australien einen viel tieferen Sinn für Freiheit. Sie nennen Amerika "the land of the free", aber wenn ich heimkomme, fühle ich, dass dort die wahre Freiheit ist. Als sie in Australien lebten entwickelte sich eine gute Freundschaft mit Heath Ledger. Ist da etwas geplant, ein gemeinsames Filmabenteuer vielleicht? Es ist nichts wirklich geplant. Ich habe zwar ein Drehbuch zu einem Film gelesen, den man wunderbar mit Heath machen könnte und wir haben auch schon mal drüber geredet, aber wir sind in unterschiedlichen Phasen unserer Karriere. Ich habe gerade angefangen, eine Karriere in Hollywood aufzubauen. Vielleicht bin ich in ein oder zwei Jahren in einer Position, in der ich sagen kann "Oh, diesen Film, den würde ich gern mit Heath machen". Können Sie uns zum Abschluss etwas über ihren neuen Film "Torque" sagen, den Sie gerade mit Ice Cube abgedreht haben? Das wird so eine Art "The Fast and the Furious" mit Motorrädern. Ich war anfangs nicht so begeistert von der Idee, hab dann aber den Regisseur und sein Team getroffen und dachte this would be fun. Es ist sehr einfach, sich als Schauspieler immer sehr ernst zu nehmen, aber dies war die Chance, einfach einen spaßigen, unterhaltsamen Film zu machen. Es wird ein sehr schneller, visuell sehr stark stilisierter Film. Sehr aufregend. Und Sie? Guter oder Böser? Der Gute. Aber er hat Fehler, sonst wäre er ja auch nicht interessant... Interview: S. Staake |