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western-drama,
usa 2000 |
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original
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ride
with the devil |
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regie
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ang
lee |
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drehbuch
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james
schamus |
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cast:
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tobey maguire,
jewel kilcher,
skeet ulrich,
jeffrey wright,
jonathan rhys-meyers, u.a.
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spielzeit
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138
min. |
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kinostart
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4.1.2001 |
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homepage
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http://www.tobisstudiocanal.de
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bewertung
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(7/10 augen) |
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Ein neuer Film Ang
Lees, das bedeutet eigentlich immer ein ganz neues Genre, das der
Taiwanese ansteuert und seinem Gesamtwerk hinzufügt. Nach der
Entmottung und ironischen Modernisierung des Jane Austen-Klassikers
„Sinn und Sinnlichkeit“ und dem messerscharfen Sezieren des Amerikanischen
(Alb-)Traums im grimmig-unterkühlten „Der Eissturm“ (und noch
vor dem mystischen Eastern „Tiger and
Dragon“) untersucht Lee den amerikanischen Bürgerkrieg –
das einschneidendste und prägendste Ereignis der verhältnismäßig
jungen Geschichte der Vereinigten Staaten. Dass er damit am Puls der
Zeit liegt, weil er nicht nur das damalige Amerika als innerlich tief
zerrissen skizziert, sondern betont, daß auch heute noch „die Nation
sich selbst und ihre Freiheit noch nicht ganz erobert hat“ ist angesichts
der jüngsten Katastrophenwahl im Land der Unendlichen Möglichkeiten
ohne weiteres nachzuvollziehen.
1862, in der Grenzregion zwischen Kansas und Missouri: Während
die Union und die Konföderierten auf ausgesuchten Schlachtfeldern
ihre Armeen gegeneinander werfen, tobt der Krieg hier auf andere Art:
Frühere Bürger, Bauern oder auch vagabundierende Banditen
haben sich in Guerillatruppen zusammengefunden, aufgeteilt in die
den Norden unterstützenden „Jayhawkers“ und die den Südstaaten
zugehörigen „Bushwhackers“. Erzählt wird das Schicksal von
vier dieser „Bushwhackers“: Jake Roedel (Tobey Maguire), armer Sohn
eines deutschen Einwanderers, und Jack Bull Chiles (Skeet Ulrich),
Sohn eines reichen Plantagenbesitzers, sind Freunde seit Kindestagen.
Zu ihnen gesellen sich der romantische Südstaatenaristokrat George
Clyde (Simon Baker) und sein befreiter Slave, der stille Daniel Holt
(Jeffrey Wright). Während die vier Männer ihr Winterquartier
beziehen, lernt Jack Bull die junge Witwe Sue Lee Shelley (Jewel)
kennen und lieben, er wird jedoch bei einem nächtlichen Angriff
schwer verwundet und stirbt. Nachdem Jake
und Holt Sue Lee in Sicherheit gebracht haben, ziehen sie erneut in
den Kampf. Die versammelten Bushwhackertruppen greifen die Stadt Lawrence
in Kansas an, die Hochburg der Abolitionistenbewegung und Stützpunkt
der Union. Was als wildes Quasi-Selbstmordkommando geplant war, wird
zu einem sinnlosen Blutbad gegen alte Männer und Kinder und das
nachfolgende Rückzugsgefecht gegen Unionstruppen wird in den
Reihen der „Bushwhacker“ viele Opfer fordern ...
Wer von „Ride with the Devil“ ein dramatisches Westernepos erwartet,
wird nicht enttäuscht werden. Wer von dem für seinen Außenseiterblick
hochgelobten Lee eine neue Sichtweise erwartet, letztlich auch nicht.
Und doch: Beides klappt nicht hundertprozentig, und wie sehr einem
dieser Film gefallen wird, hängt auch davon ab, was für
Erwartungen er erfüllen soll. Als klassischen Konventionen folgender
Western hat der Film zuwenig Drive, ist mit 138 Minuten zwar episch
lang, aber stellenweise eindeutig zu langatmig geraten. Was an Lees
Erzähltempo liegt, der seinen Film als Charakterdrama angelegt
hat und der Zeichnung einzelner Figuren dementsprechend breiten Platz
einräumt. Weswegen sich zwar stellenweise eine enorme, fast lyrische Stimmungsdichte
bildet, der Film aber in mehrere, sich in der Wirkung gegenüberstehende
Action- und Dramasequenzen zerteilt, die sich gegenseitig bremsen.
Zudem ist das Timing des Films gerade am Schluss etwas unglücklich.
Nach dem Höhepunkt des Films, dem historisch verbürgten
Massaker von Lawrence am 21. August 1863, muss der Film zwangsläufig
noch einige Erzählstränge verknüpfen – gerade den um
die von Jewel mit überzeugend einfühlsamer Zurückhaltung
gespielten Sue Lee – und kann daher eigentlich nur als Antiklimax
herüberkommen. Zudem gibt es in der verhältnismäßig
schwachen letzten halben Stunde einige hart am Rande des Kitsch stehende
Bilder (der endgültig freie Sklave reitet in den Sonnenuntergang),
auf die man gut hätte verzichten können.
Der große Pluspunkt von „Ride with the Devil“ ist Ang Lees bereits
erwähnter Außenseiterblick. Aus einer in dieser Konsequenz
so noch nicht da gewesenen Perspektive beschreibt er den Bürgerkrieg
als einen lokalen Krieg unter Nachbarn. Die wahren Schlachtfelder
sind das Gehöft des Nachbarn oder die eigene Heimatstadt, der
Krieg selbst ist hier eine blutige Vendetta, dessen Auswirkungen keiner
der Protagonisten überschauen kann. Lediglich in einer einzigen
Szene – einer der besten – hat eine Figur eine prophetische Ahnung
über Ausmaß und Ausgang des Krieges. „Sie (die Nordstaatler)
werden gewinnen, weil sie Dinge verändern wollen, weil sie wollen,
das wir wie sie leben. Wir dagegen verteidigen nur das, was wir haben.
Und wir haben nichts mehr.“ philosophiert der Südstaatenfarmer
Evans und hat den Kernpunkt des Bürgerkrieges, das Aufeinandertreffen
zweier sozialer und wirtschaftlicher Systeme, bei dem sich das modernere
durchsetzte, genau umrissen. Gleichzeitig wirft diese Einzelszene
die Frage nach der Relevanz von „Ride with the Devil“ auf, die so
mancher vielleicht stellen möchte. Der Wunsch nach etwas für
den Bürgerkrieg Bedeutenderem als „nur“ ein Charakterdrama über
Einzelschicksale ist verständlich, das Fehlen einer umfassenderen
Handlung oder einer weitergehenden Moral dem Film jedoch nicht vorzuwerfen.
Schließlich hält Lee seinen Ansatz aus der Sicht des kleinen
Mannes konsequent durch. Und zum Krieg selbst ist ihm auch nicht viel
Neues eingefallen. Krieg ist sinnloses Blutbad, die Jungen verlieren
die Unschuld. Wurde so schon gezeigt und ist auch hier nicht falsch.
Aber eben auch nicht neu oder anders aufbereitet.
Interessanter
sind da denn doch die Einzelheiten der Geschichte, wie etwa der Ausnahmefall
eines Schwarzen, der für die sklavenhaltenden Südstaaten
kämpft. Die Figur des Holt, von Jeffrey Wright mit traurigen
Augen und passender Passivität gespielt, ist die wahrscheinlich
Interessanteste. Die Freundschaft zu Jake Roedel, ein Zusammenhalten
zweier Außenseiter, wird zum Hauptaugenmerk der zweiten Hälfte
von „Ride with the Devil“. Dennoch verlieren sich beide Figuren manchmal
in zu hölzernen, fast dem Theater entlehnten Dialogen, die ein
wirkliches Verständnis und einen wirklichen Zugang zu ihnen verwehren.
Tobey Maguires Leistung ist hier zwar patent, seine sich ständig
gleichenden Charakterisierungen ermüden jedoch langsam. Dabei
gibt sich der Film alle Mühe, dies zu verschleiern. Verwegene
Haarmähne und Dreitagebart gaukeln vor, bei uns Toby handle es
sich hier um einen harten Burschen. Aber in den weniger stilisierten
Momenten bleibt Maguire der Inbegriff dessen, was er immer spielt:
Ein der Welt leicht entrückter, emotional stark kontrollierter
Naivling. Dass er für Derartiges die erste Adresse ist, ist zwar
mittlerweile weitestgehend bekannt, interessanter wird aber, herauszufinden,
was er denn sonst noch spielen kann.
„Ride with the Devil“ ist ein in allen Bereichen – von den beeindruckenden
Bauten und Kostümen bis hin zur manchmal zu epischen Musik –
solider bis guter Streifen, der aus einem interessanten Blickwinkel
heraus stimmungsvoll den Bürgerkrieg betrachtet. Wer also auf
Charakterkino und Dramatisches steht, darf sich diesen Film getrost
zu Gemüte führen. Auch – oder gerade – wenn der „Teufelsritt“
bisweilen eher ein gemütliches Traben ist. |
Bilder: Courtesy of Tobis Filmverleih,
Copyright 2000 |
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S. Staake
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