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Liebe/r User/in,
eigentlich sollte an dieser Stelle eine ganz normale Rezension
sein: Besprechung, Bewertung, das volle Programm. Das Schicksal
meinte es anders. Die Pressevorführung zum Film war auf einmal
missing in action oder lost in translation, auf jeden Fall nicht
da. Womit der Herr Bestrafer jetzt von uns ungesehen über die
Leinwände metzelt und meuchelt. Da aber der Punisher im Gegensatz
zu anderen Superhelden wie Spiderman oder Hulk außerhalb der
Comicbuchgemeinde so gut wie unbekannt ist, haben wir als kleinen
Service für Euch ein paar Informationen zu Herrn Frank Castle,
dem Mann mit dem Totenkopflaibchen, zusammengetragen.
Zu erst einmal ist Herr Castle gar kein Superheld. "Super"
deswegen nicht, da er keine besonderen Fähigkeiten oder Superkräfte
hat. Zumindest ist das Definitionsfrage, denn Castles einzige besondere
Fähigkeit ist es, Leute brutal um die Ecke zu bringen. Und
"Held", da wird es auch schwierig. Der Punisher war nämlich
einer der ersten Antihelden der Branche, der die besonders in den
1980er Jahren populäre Welle an "Dark Heroes" anführte.
Die Helden wurden immer desperater, brutaler und waren im Extremfall
(und so einer ist der Punisher) nur noch minimal vom Abschaum zu
unterscheiden, den sie bekämpfen. Frank Castle sticht da besonders
heraus, denn ohne Umschweife geht er als psychopathischer Massenmörder
durch.
Legitimiert wird dies nur dadurch, dass seine Gegner eben noch bösere
Buben sind. Trotzdem bringt ihn diese kompromisslose Gewaltbereitschaft
und Kaltblütigkeit auch regelmäßig mit den "guten"
Jungs im Marvel-Universum in Konflikt, was immer gerne in Gastauftritten
in den jeweiligen anderen Serien genutzt wurde.
Erschaffen wurde er 1976 und war voll ein Mann seiner Zeit. Der
Vigilantenfilm konnte in den USA Riesenerfolge feiern, angeführt
von "Dirty Harry" Clint Eastwood und Charles Bronson in
"Ein Mann sieht rot". Mit letzterem teilt Castle auch
den Verlust seiner Familie als Motivation zum Bösewichter killen.
Zudem erschien in dem Jahrzehnt, in dem zunehmende Straßenkriminalität
erstmals als Massenphänomen ins Bewusstsein der Leute rückte
(damals noch ausschließlich auf New York konzentriert), ein
einzelner, schießfreudiger Vigilant wie Castle als Radikallösung
des Kriminellenproblems fast logisch.
Aufgrund der in den 1980er Jahren weiter bedenklich steigenden
Verbrechensraten in den USA (wo sich Los Angeles allmählich
anschickte, New York den Rang als Mordstadt Nr. 1 abzulaufen), war
Selbstjustizthematik immer noch ein beliebtes Thema und es daher
wenig verwunderlich, dass sich auch der Punisher gut verkaufte und
sich Ende der 1980er Jahre/Anfang der 1990er Jahre zum populärsten
und meistverkauften Comic in den USA entwickelte. Auf seinem Höhepunkt
gab es drei reguläre Heftserien des Punisher, dazu unzählige
Specials, Gastauftritte etc. Es war zuviel des Guten. Die extreme
Übersättigung des Marktes mit Totenkopfsymbol links und
rechts und überall war den Lesern in der Tat zu viel, und so
brach der Absatz der Punisher-Hefte dramatisch ein, bis sie allesamt
eingestellt wurden.
Auf
dem Höhepunkt seiner Popularität gab es 1989 dann die
erste Verfilmung des Punisher. Erstaunlich, wie sehr sich dieser
B-Film in die Actionfilme der Zeit stellt, in denen das Vigilantentum
erneut eine kleine Hochzeit hatte. Und so kann man "The Punisher"
in einer Reihe mit Ende der 1980er Jahre produzierten Meisterwerken'
der zynischen Brutaloaction wie "City-Hai" Schwarzenegger,
"City-Cobra" Stallone und "City-Regenwurm" Van
Damme stellen. Dargestellt wurde der Bestrafer übrigens von
Dolph Lundgren, dem mittlerweile fast vergessenen B-Film-Überactionhelden
aus Skandinavien mit der Beschaffenheit eines Kleiderschranks in
allen Belangen (Körpermaße, Gestik, Mimik, Schauspieltalent).
Der Film selbst wurde von Fans des Comics enttäuscht aufgenommen,
besonders aufgrund der angeblichen fehlenden Ähnlichkeit zum
Original. So fehlte den Leuten das Totenkopfshirt und ein Bösewicht
aus der Serie. Neben diesen üblichen Fanboybeschwerden kann
man aber nicht übersehen, dass "The Punisher" in
der Lundgren-Variante ansonsten den Ton und die Vielschichtigkeit
der Vorlage genau trifft. Denn als stumpfer, brutaler und extrem
simpler Actionreißer ist er ziemlich genau das, was der Comic
(zumindest größtenteils) auch ist.
In
Comicform wiederbelebt wurde der Punisher vor ein paar Jahren vom
Quentin Tarantino des Comicbuchs: Garth Ennis, der Nordire, der
auf absolut unnachahmliche Weise Blutiges und Witziges, groteske
Dialoge und schlimmste Gräueltaten, abgeschmeckt mit einer
großen Portion unerwarteterer Romantik, verband. Am gelungensten
fand dies im sehr zur Lektüre empfohlenen, absolut abgefahrenen
Epos "Preacher", statt. Ennis erzählte die neuen
Punisher-Geschichten im von ihm altbekannten schwarzhumorigen Stil,
erhöhte damit die Qualität der Serie deutlich und fügte
ein paar Nebenfiguren ein, die auch den Sprung auf die Leinwand
geschafft haben. Dies sind Castles Mitbewohner: der dicke Mr. Bumpo,
die schüchterne Joan und Spacker Dave, der an allen denkbaren
Orten gepierct ist. Obacht bei der Filmversion ist geboten, da die
Rolle der schüchternen Joan in der Gestalt der deutlich attraktiveren
Rebecca Romjin-Stamos (Mystique aus "X-Men") leicht abgewandelt
wird und offenbar auch als love interest für den Herrn Punisher
dient. Dass John Travolta als Mr. Saint halblange Haare hat, weist
ihn schon mal eindeutig als Bösewicht aus (Merksatz: Längere
Haare bei Travolta = böser Bube). Und der Bestrafer selbst?
Thomas Jane, im Actiongenre vielleicht noch am besten als Haifisch-Bekämpfer
aus "Deep Blue Sea" in Erinnerung, nennt sich jetzt Tom.
Das ist markiger und sieht auf dem Filmplakat besser aus. Unbestätigten
Berichten geheimer Informanten zufolge soll Tommy ja auf der Leinwand
brutal die Kampfsau rauslassen, um die in seiner Kindheit aufgebauten
Aggressionen abzubauen, als man ihn wegen seines femininen Namens
ärgerte ("Ach guck mal, da kommt ja die kleine Jane").
Allerdings meckerten die ersten kritischen Stimmen aus Übersee,
dass der Jane-Punisher eben völlig charakteruntypisch Psychospielchen
mit Bösewicht Saint und seiner rechten Hand Mr. Glass (von
Will Patton ist wie immer solider Support zu erwarten) treibt. Bestätigte
Gerüchte wissen gar von einer Feuerhydrantattrappe, die beim
Rachefeldzug eine Rolle spielt. Und das klingt jetzt doch ein wenig
albern und deplaziert. Wie auch immer, man darf gespannt sein. Solide,
auf Hochglanz polierte B-Film-Action dürfte es schon sein.
Nur die Erwartungen sollte man wohl nicht zu hoch hängen. Denn
aus dieser Vorlage einen wirklich guten Film zu machen, dazu bedürfte
es schon eines Geniestreiches.
So, und nun viel Spaß beim Erledigen unserer Arbeit,
Euer Filmszeneteam
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