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Nach dem Tode ihres geliebten Vaters suchen der
junge Nicholas Nickleby (Charlie Hunnam) sowie dessen Mutter und
Schwester gemeinsam ihren in London lebenden Onkel Ralph (Christopher
Plummer) auf. Der hat es dort zu Wohlstand gebracht, erweist sich
aber als hartherziger Tyrann, der seinen armen Verwandten nur hilft
wenn es ihm selbst von Nutzen ist. Den selbstbewussten jungen Mann
schickt er als Hilfslehrer erstmal zurück aufs Land. In einem
düsteren Internat führt dort ein Ehepaar ein schreckliches
Regiment, in dem die
Kinder brutal gequält werden. Lange hält es Nicholas dort
nicht aus und flüchtet daher bald mit seinem neuen Freund Smike
ins Unbekannte. Seine Odyssee führt ihn auf Umwegen zurück
nach London, wo er erkennen muss, dass Onkel Ralph auch seiner Schwester
Kate in der Zwischenzeit übel mitgespielt hat. Und der junge
Mr. Nickleby brennt darauf, es mit List und Witz seinem garstigen
Verwandten heimzuzahlen.
Den 800 Seiten langen Roman aus der Feder des englischen Schriftstellers
Charles Dickens in einen einzigen Spielfilm zu transferieren mag
vielen als Wagnis, wenn nicht gar als Sakrileg erscheinen. Ist Dickens
doch eine Art "Heiligtum" der britischen Literatur, dessen
Bedeutung als absoluter Klassiker vielleicht gerade noch von einem
gewissen Herrn Shakespeare übertroffen wird. Auch für
seinen nicht ganz so bekannten "Nicholas Nickleby" müsste
doch somit wohl zumindest eine der heute durchaus üblichen,
mindestens achtstündigen TV-Miniserien angemessen sein. Das
könnte man in der Tat machen, muss es aber doch nicht unbedingt,
wie Regisseur und Drehbuchautor Douglas McGrath hier überzeugend
demonstriert. Der begann zwar mal als Autor der deftigen, aber legendären
US-Comedyshow "Saturday
Night Live", bewies aber schon mit der Jane Austen-Verfilmung
"Emma" sein Talent für altenglische Stücke aus
muffigeren Zeiten. Und jetzt liefert er mit seinem "Nickleby"
dann auch einen recht kurzweiligen und knackigen Dickens fürs
Kino ab, dessen Handlung man problemlos folgen kann und bei dem
der mit der Vorlage nicht vertraute Zuschauer auch nirgendwo das
Gefühl bekommt, man hätte jetzt aber gerade eine ganze
Menge weggelassen.
Das hat man natürlich doch, wirkt sich aber eher positiv auf
den Genuss der Geschichte aus. Denn seien wir mal ehrlich (oder
darf man das vielleicht doch nicht sagen?): Die detailverliebten
Beschreibungen eines Charles Dickens sind erstens auch nicht jedermanns
Sache, zweitens recht anstrengend und außerdem im Film nur
sehr bedingt umsetzbar. Hier vergehen die etwas über zwei Stunden
jedoch wie im Fluge, dank einer geradlinig gestrafften Handlung,
die nur ganz selten den Eindruck
einer kleinen Nummernrevue erweckt. Und dank eines gut aufgelegten
Ensembles von Darstellern, deren Leistungen hier von solide (Hauptdarsteller
Hunnam, dem die Damenwelt unzweifelhaft das Attribut "süüüß"
verleihen wird) bis herausragend reichen. Letztere Auszeichnung
wird natürlich an Altmeister Christopher Plummer verliehen,
der den bösen Onkel Ralph mit sichtlichem Spaß verkörpert
und der für diese Rolle ganz sicher die ideale Besetzung ist.
Und noch ein Aspekt macht den an sich schweren Stoff ein ganzes
Stück genießbarer: Sein Humor, der immer wieder auch
in den düsteren Momenten aufblinkt, sei es durch den lakonischen
Kommentar aus dem Off oder durch die Figuren selbst. Denn seien
wir auch hier erneut noch einmal ehrlich (oder sollte man das vielleicht
doch lieber nicht sagen?): Die grimmigen Sozialstudien des Mr. Dickens,
mögen sie nun "Oliver Twist" heißen oder auch
"David Copperfield" oder sogar die zu Tode adaptierte
"Weihnachtsgeschichte" sind auf Dauer und am Stück
nur schwer genießbar, ebenso schwer verdaulich und erzählen
irgendwo doch meist dasselbe traurige Schicksal ärmlicher Gutmenschen
in einem Umfeld kaltherziger Schurken. Auch in "Nicholas Nickleby"
sind die Fieslinge dementsprechend durch und durch böse und
die anderen genauso konsequent gut und rein, ohne dass man irgendwie
erfährt warum das eigentlich so ist. Durch die angesprochenen
Humoreinschübe erreicht der Film aber eben doch eine angenehme
Leichtigkeit und hält gekonnt die Balance zwischen Tragik und
Vergnügen. Und wird deshalb auch für gut befunden.
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