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In Tagen, in denen das zwanzigjährige Jubiläum
des Berliner Mauerfalls in allen Medien genauso ausgiebig wie natürlich
zu recht gefeiert wird, ist es nicht ganz sicher ob das Publikum
auch noch Zeit und Interesse für einen neuen Kinofilm zum Thema
aufbringen wird. Es könnte aber gelingen, weil Regisseur und
Autor Peter Timm ("Rennschwein Rudi Rüssel", Manta
- Der Film") sein
durchaus ernsthaftes Anliegen klugerweise mit einer netten Liebes-
und Verwechslungsgeschichte garniert, die auf die Herzen der Zuschauer
zielt und punktgenau auf ein tatsächlich mal historisch verbürgtes
Happy-End zusteuert.
Es ist Herbst 1989, als die Studentin Franzi (Felicitas Woll) mit
Ihrem Rucksack in Berlin eintrifft. Das Geld ist knapp und so bezieht
sie nicht nur eine günstige Wohnung direkt am Grenzübergang,
sondern befolgt auch gleich den Tipp sich zum günstigen Lebensmitteleinkauf
in den Ostteil der Stadt zu bewegen. Nach ersten Erfahrungen mit
den Schikanen der DDR-Beamten macht sie auf Umwegen die Bekanntschaft
des hilfsbereiten Grenzsoldaten Sascha (Maxim Mehmet). Der absolviert
eher widerwillig seinen Dienst auf dem Wachturm direkt gegenüber
von Franzis Wohnung und bekommt auch schon bald Ärger mit den
Vorgesetzten. Doch die Flamme ist entbrannt und bald verabreden
sich die beiden Neuverliebten regelmäßig im Osten der
Stadt. Beobachtet werden sie dabei aber von den omnipräsenten
Geheimdiensten auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs, deren willfährige
Helfer in ihrer Jagd auf potentielle Informanten oder Geheimnisverräter
überhaupt nicht mitbekommen, was sich währenddessen für
gewaltige politische Umwälzungen in ihrer unmittelbaren Umgebung
ereignen.
Ganz
klar: Würde sich diese Liebesgeschichte ein paar Jahre oder
auch nur Monate früher abspielen, wäre sie wohl definitiv
zum Scheitern verurteilt, angesichts der Umstände und der Autoritäten,
die Franzi und Sascha weder ihr Glück gönnen, noch die
Beiden überhaupt mal für ein paar Stunden in Ruhe lassen
können. So aber wissen wir, dass der Tag, an dem Franzi mit
Saschas bester Freundin Uschi (Anna Fischer) die Rollen tauscht,
der 9. November 1989 ist und das sich an diesem Abend so Einiges
verändern wird.
So erzählt und konstruiert man Kinogeschichten, und das weiß
natürlich der Veteran Peter Timm, der schon in Filmen wie "Meier"
oder "Go Trabbi Go" die deutsch-deutsche Vergangenheit
auf meist komödiantische Weise aufs Korn nahm. Timm rückt
aber insbesondere bei seinem aktuellen Film nun die eigene Vergangenheit
ins Bild, sah sich der Filmemacher doch vor Jahrzehnten selbst stundenlangen
Verhören durch die Stasi ausgesetzt und wurde schließlich
gegen seinen Willen aus der DDR ausgewiesen und von seinem zweijährigen
Sohn getrennt. Man darf also getrost davon ausgehen, dass der Autor
und Regisseur weiß, was er hier schildert und erzählt,
und es überrascht fast ein wenig, dass er sich in seinem bisherigen
Werk so betont milde und heiter mit dem Thema beschäftigte.
Das
gilt für "Liebe Mauer" nun nur zum Teil, denn neben
der beschwingten Lovestory bekommen wir auch gebrochene Lebensentwürfe
(in der Person von Saschas Vater) und einige Momente zu sehen, welche
die gnadenlose Konsequenz und Brutalität, mit der die uniformierten
Schergen in jeden noch so kleinen Bereich des eigentlich privaten
Lebens eindrangen, deutlich aufzeigen. Das gipfelt dann in einer
beinahe schon absurden Szene, in welcher der von Thomas Thieme ("Das
Leben der Anderen") gespielte Stasi-Major Kutzner den mit
einer Abhörwanze ausgestatteten verunsicherten Sascha mit den
Worten anbrüllt: "Mann, die soll Sie doch für einen
Aufrührer halten. Also bestätigen Sie gefälligst
ihr Bild - natürlich bin ich ein Stasi-Schwein!". Erfreulich
in dieser Hinsicht, dass Timm aber nicht an einer einseitigen Abrechnung
gelegen ist, denn das Treiben der westdeutschen und US-Geheimdienste,
die selbstredend ebenfalls von der Angelegenheit Wind bekommen haben
und auch ähnlich abenteuerliche Verrenkungen unternehmen, um
sich die Dienste neuer Informanten zu sichern, wird schließlich
auch nicht ausgespart. Die Grenze zur Karikatur wird dabei gelegentlich
allerdings doch ein wenig mehr als nur leicht gestreift.
Während
die Beleuchtung des gesellschaftlichen Hintergrunds also als recht
gut gelungen angesehen werden kann, bleibt für die eigentliche
Liebesgeschichte fast etwas zu wenig Zeit übrig. Zwar überzeugen
Felicitas Woll ("Berlin, Berlin", "Dresden")
und Maxim Mehmet ("Männerherzen")
als frisch verliebtes und sympathisches Paar, aber nach dem ersten
richtigen "Kennenlernen" geht es dann auch schon Hals
über Kopf auf zur großen Verwechslungsfarce der finalen
Nacht, in der für Charakterentwicklung wenig Zeit bleibt und
bei der Peter Timm aufgrund dezent ausbrechender Hektik leider auch
noch einige der Möglichkeiten verschenkt, die diese klassische
Komödiensituation doch grundsätzlich anbietet. Anna Fischer
(die schon an der Seite von Mehmet in "Fleisch
ist mein Gemüse" zu sehen war) stiehlt dabei den beiden
Hauptdarstellern zudem noch als temperamentvolle und wild drauflos
sächselnde Freundin in den meisten ihrer Szenen ein wenig die
Schau.
Einen dicken Pluspunkt verdient sich der Film allerdings mit der
Inszenierung der Grenzöffnung am Ende, denn die ist (trotz
künstlich nachgebautem Mauerset) wirklich sehr überzeugend
gelungen und versteht es, auch emotional zu berühren. Und vor
allem deshalb ist das Anschauen von "Liebe Mauer" dann
eben doch ein brauchbares Mittel, um vielleicht auch jüngeren
Leuten, die es selbst nicht bewusst miterlebt haben, dieses bemerkenswerte
Ereignis deutscher Geschichte ein wenig näher zu bringen.
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