| "Another movie
from a stupid 70's TV show", mit dieser Zeile eröffnete
die Actionkomödie "Drei Engel
für Charlie" vor zwei Jahren ihr selbstironisches Feuerwerk,
das über 96 Minuten in konsequenter, augenzwinkernder Überhöhung
abfackelte und eine Riesn Gaudi bot. "Another movie from a stupid
70's TV show", damit könnte auch die neue Eddie-Murphy-Klamotte
"I spy" (basierend auf der Agentenserie "Mit Tennis,
Schläger und Kanonen") gemeint sein, auch eine Actionkomödie,
die Selbstironie aber gegen substanzlose Albernheiten und Kalauer
eintauscht, und über 97 Minuten irgendwo zwischen Langeweile
und einfallslosem Mittelmaß versumpft.
Mit
angesprochener TV-Vorlage hat "I spy" dabei nur noch das
Grundkonzept gemeinsam: Ein Agenten-Duo kämpft gegen böse
Gauner und tarnt sich dabei als Sportler plus Betreuer. Während
im Original noch Robert Culp als vermeintlicher Tennisprofi und
Bill Cosby als sein Trainer auftraten, lässt es sich Eddie
Murphy im Update natürlich nicht nehmen, die erste Geige zu
spielen, und zwar als ungeschlagener Mittelgewichts-Boxchamp Kelly
Robinson. Der hat nach 57 Siegen in Folge auch ein selbstverliebtes
Rumgepose entwickelt, wie es außer Eddie Murphy sowieso niemand
darstellen könnte (und das ist nicht unbedingt als Kompliment
gemeint). Robinson wird von seinem guten Freund, dem Präsidenten,
darum gebeten, dem Geheimdienst ein wenig unter die Arme zu greifen:
Er soll dem Agenten Alex Scott (Sonnyboy Owen Wilson) Tarnung in
seinem Begleittross geben, damit der sich während einer Party
von Box-Fan und Waffenhändler Arnold Gundars (Malcolm McDowell,
der offensichtlich mal wieder einen Scheck für die Miete brauchte)
in dessen Anwesen umsehen kann nach einem kürzlich entwendeten
Prototyp von Tarnflugzeug.
Das
Gag-Potential versucht "I spy" größtenteils
aus der altbekannten Zusammenwürfelung zweier gegensätzlicher
Charaktere zu entwickeln, doch die Chemie zwischen dem überheblichen
Robinson und dem immer etwas untergebutterten Scott will sich nicht
entwickeln - was auch daran liegen kann, dass die Agentenfigur je
nach Bedarf der Situation mal unbeholfen, mal höchst souverän
wirkt.
Sich über die Charakterkonstanz in "I spy" Gedanken
zu machen, unterstellt dem Autorenduo aber schon mehr Substanz,
als ihre Arbeit jemals haben sollte. In einfachster Weise werden
hier handelsübliche Elemente verwurstet, wobei die Eröffnungssequenz
nicht das einzige ist, was leicht nach einer Bond-Persiflage riecht
(der fuhr jüngst ja mit einem unsichtbaren Auto durch die Gegend,
das unsichtbare Flugzeug hier passt sich da perfekt an). Doch wieder
sollte man die Macher nicht überschätzen: eine Parodie
aufs Agenten-Genre an sich ist hier ganz
sicher nicht entstanden und auch nicht geplant gewesen, es ist halt
einfach nur eine bemüht alberne Actionkomödie.
Ähnlich uninspiriert werden dann auch diverse Actionsequenzen
mehr schlecht als recht aneinander gekleistert, das beste Beispiel
ist die gemeinsame Flucht von Robinson und Scott aus Gundars' Anwesen:
Ohne jegliche Kohärenz wechseln die beiden mehrmals das Fortbewegungsmittel,
bis den Autoren anscheinend nichts mehr einfiel, woraufhin das Duo
kurzerhand in einen Abwasserkanal verfrachtet wird, wo sie dann
bis zum Morgen ausharren, um sich vor ihren Verfolgern zu verstecken
(merke: Böse Buben hören Schlag Sonnenaufgang auf, nach
dir zu suchen. Nicht eine Minute vorher).
So
kalauert man sich recht konzeptlos durch die dünne Handlung,
die dann noch Famke Janssen als von Scott angeschmachtete Kollegin
Rachel sowie Gary Cole als von Scott beneideter Kollege Carlos anreichern
dürfen. Erwähnenswert sind eigentlich nur noch die gelungenste
Szene des Films, in der Robinson mit Cyrano-Touch Scott helfen möchte,
Rachel zu verführen und ihn Marvin Gayes "Sexual healing"
rezitieren lässt, und der Schluss, der sich mit übereinander
gestapelten "überraschenden" Wendungen als besonders
clever zu geben versucht aber wieder nur wie ein sehr müder
Abklatsch wesentlich besserer Vorbilder wirkt.
Sieht man von der streckenweise überhand nehmenden Dämlichkeit
des Drehbuchs einmal ab, tut "I spy" nicht wirklich weh,
was ihn allerdings auch nur in die nicht gerade schmeichelhafte
Kategorie "Vollkommen irrelevant" rettet. Ein Film, den
man eigentlich schon wieder vergessen hat, sobald der Abspann vorbei
ist. Und für eine 70-Millionen-Produktion mit Star-Power ist
das ein bisschen sehr wenig.
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