filmszene special: Interview mit Bruce Willis und Produzent Jeffrey Katzenberg zu "Ab durch die Hecke"
 
 
 

Ab durch die Hecke und ran ans Mikrofon - eine internationale Besetzung gibt sich die Ehre

Es ist schon bemerkenswert, wenn sich zur deutschen Pressepräsentation eines neuen Animationsfilms nicht nur die einheimischen Synchronsprecher einfinden. Aber die unglaublichen Zuschauerzahlen, die bei einem Hit wie "Madagascar" hierzulande sogar die vom finalen "Star Wars" übertreffen, beweisen den Stellenwert des deutschen Kinomarktes für Animationsproduktionen und zeigen entsprechend Wirkung. Und so gaben sich bei der Premierenfeier von "Ab durch die Hecke" in Köln neben Jeanette Biedermann, Götz Otto, Bernhard Hoecker und Ralf Schmitz auch noch zwei internationale Größen die Ehre: "Dreamworks"-Mitbegründer und "Shrek"-Produzent Jeffrey Katzenberg sowie Bruce Willis, der in der englischen Originalfassung die Hauptfigur RJ (bei uns "Richie") spricht. Filmszene.de traf sich vor der großen Premiere mit den Künstlern zum Gespräch.

Filmszene: Mr. Katzenberg, so gut wie "Ab durch die Hecke" in Ihrer Heimat läuft, ist die Fortsetzung doch bestimmt schon gesichert?

Katzenberg: Oh nein, so einfach ist das keineswegs. Für diese Entscheidung ist nämlich nicht nur das Einspielergebnis in den USA ausschlaggebend. Mit "Madagascar" hatten wir zuletzt den erfolgreichsten Film des Jahres in Deutschland überhaupt, und nirgendwo sonst laufen unsere Filme mit "sprechenden Tieren" so konstant gut. Wir sind sehr gespannt auf den Start in Deutschland und es hat also schon seinen Grund, dass wir heute hier sind (lacht). Aber zugegeben, der gute Start in meiner Heimat lässt die Perspektiven für ein Sequel natürlich steigen.

Aber geplant und vorbereitet ist noch Nichts?

Katzenberg: Nein, zu diesem Zeitpunkt definitiv noch nicht. Wobei wir uns aber in diesem Fall auch keine neue Geschichte aus den Fingern saugen müssten. Denn "Ab durch die Hecke" beruht ja auf einem Comic-Strip, von dem wir in unserem Film eine Art Vorgeschichte erzählen, in der die Hauptfiguren sich erst kennen lernen. Es wäre also kein Problem, dies inhaltlich entsprechend weiterzuführen. Wobei die Ansprüche an einen dynamischen Unterhaltungsfilm natürlich andere sind als an den eher episodenhaften Comic-Strip.

Sind Sie eigentlich stark in die Auswahl der deutschen Sprecher involviert?

Katzenberg: Ja, denn bei Dreamworks nehmen wir die internationale Besetzung sehr wichtig, achten darauf, dass die jeweilige Stimme auch wirklich gut passt. Wobei wir z.B. auch speziell für die deutsche Version bestimmte eigene Texte schreiben mit dem Ziel, jede Version so einzigartig wie möglich zu machen.

Mr. Willis, was hat sie dazu bewogen, für diesen Film Ihre Stimme zur Verfügung zu stellen?

Bruce Willis: Nun, ich mache das ja nicht zum ersten Mal. Ich habe das früher schon bei den "Kuck mal, wer da spricht"-Filmen getan und auch beim "Rugrats Movie". Jetzt ist aber natürlich ein Argument, mal einen Film für meine eigenen Kinder zu machen, eine Komödie. Denn die meisten meiner Filme sind für die jüngeren beiden meiner Kinder ja noch nicht geeignet. Die kennen mich nämlich bisher nicht als John McLane und das ist auch gut so. Ich bin ein Familienmensch, und Vater zu sein ist vielleicht auch das, was ich am besten kann.

Ihr Charakter Richie ist im Film verrückt nach Süßigkeiten. Welche mögen Sie denn ganz besonders?

Willis: Erdbeeren, ganz spezielle kleine und leckere Erdbeeren. Ich weiß nicht, ob Sie die kennen, sollten Sie aber.

Katzenberg: Und ich verzichte auf die komplette exquisite Küche dieses Hotels, wenn wir dafür um die Ecke zum nächsten McDonalds gehen können. Einen Quarter Pounder mit Käse, Fritten und einem McFlurry, falls sie das hier haben. Es gibt nichts Besseres.

Widersprechen Sie da aber nicht Ihrem eigenen Film, der ja doch ganz kräftig den ungezügelten Konsum der Menschen kritisiert?

Katzenberg: Nein, denn das ist nicht das, was wir mit dem Film tun. Was wir tun ist Spaß haben, indem wir uns einen Spiegel vorhalten und unsere Verhaltensweisen wieder erkennen. Auch wir sind schließlich nur Tiere, auch wenn wir an der Spitze der Nahrungskette stehen. Und aus Sicht der anderen Tiere benehmen wir uns schon recht merkwürdig. Und über uns selbst zu lachen, damit haben wir in Hollywood kein Problem. Eine "Message" verbreiten wir mit diesem Film aber nicht.

Haben Sie denn ähnliche Tiere wie diejenigen die im Film auftreten auch in Ihrem eigenen Garten?

Willis: Ich habe einen Hund, aber keine Eichhörnchen, Stinktiere oder Waschbären.

Katzenberg: Das stimmt nicht ganz, denn es gibt in der Nähe eine große Waschbärenfamilie, mit der Mr. Willis eine Zeit lang in seinem Haus gelebt hat, um sich für diesen Film vorzubereiten.

Willis: Nein, ins Haus hab ich sie nicht gelassen, sie mussten in der Garage bleiben. Aber die nationale Waschbär-Gesellschaft hat mich trotzdem dafür ausgezeichnet, wie gut ich sie in diesem Film repräsentiere. Habt Ihr Waschbären hier?

Nein, wir hatten dafür gerade einen richtigen Bären, aber nur kurz.

Willis: Ja, davon habe ich gehört. Ihr habt Bruno, den Bären erschossen. Das hat uns nicht gefallen. Come on, den hätte man ja wohl betäuben können.

Mr. Willis, oft werden ja auch die Sprecher entsprechend der körperlichen Statur ihrer gezeichneten Charaktere besetzt. Hier aber spricht ein sehr kräftiger und männlicher Typ wie Sie nun eine Figur, die nett, klein und kuschelig ist.

Willis: Nett, klein und kuschelig? Sind Sie sicher, dass Sie den gleichen Film gesehen haben wie ich? Hey, ich habe darin das ganze Tierreich gerettet. Ich habe die Welt bereits neunmal als menschliches Wesen gerettet und jetzt eben zum ersten Mal als Waschbär. Und ich plane sie im nächsten Jahr als kleines Känguruh zu retten. Mit einem Lächeln auf den Lippen.

Katzenberg: Ah, da sind sie (der Betreuer betritt den Raum mit einer Schale Erdbeeren). Die besten Erdbeeren der Welt.

Willis: Obwohl sie eigentlich nicht klein genug sind. Aber gut, ich nehm sie trotzdem. Und Sie sollten das auch tun. Probieren, genießen und schweigen.

>>> zum Interview mit Jeanette Biedermann
>>> zum Interview mit Götz Otto, Ralf Schmitz und Bernhard Hoecker

Interview: V. Robrahn