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Während
in Frankreich gerade die Angst vor marokkanischen Jugendlichen umgeht,
weil in den Vororten fast der Bürgerkrieg tobt, erreicht uns
ein Film, der ein ganz anderes Bild dieser Generation von in Frankreich
geborenen Kindern marokkanischer Eltern zeichnet. Das schöne
Roadmovie von Ismaël Ferroukhi begleitet einen gläubigen
Vater und seinen ganz weltlichen Sohn auf eine Reise nach Mekka,
und wurde bei den Filmfestspielen in Venedig als bestes Spielfilmdebüt
ausgezeichnet.
Réda (Nicolas Cazalé) steht kurz vor seinem Abitur,
als sein Vater ihn zwingt, ihn nach Mekka zu fahren. Der Junge ist
mehr als wütend darüber, da er jetzt vielleicht durchs
Abitur fallen wird und seine Freundin so lange nicht sehen kann.
Die Reise mit dem Auto führt sie von Frankreich aus durch Italien,
die Slowakei, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Jordanien und schließlich
nach Saudi-Arabien. Anfangs verstehen sich Vater und Sohn überhaupt
nicht, sondern streiten dauernd, doch langsam beginnt ein Verständnis,
welches über Generationen und Glauben hinweg zu einem anderen
Umgang miteinander führt. Verachtet Réda seinen
Vater am Anfang noch, weil er ein Analphabet ist und seinen Sohn
zu einer für ihn unnützen Reise zwingt, so wird der Vater
immer mehr zum verlässlichen Partner, der, je weiter sie nach
Osten fahren, umso weiser und kundiger ist als sein moderner Sohn.
Ismaël Ferroukhi inszeniert diese Geschichte sicher und einfühlsam,
so dass der Zuschauer sich nicht nur an schönen Landschaftsaufnahmen,
sondern auch an einer schönen Geschichte über Einwanderer
und ihre - den Traditionen und religiösen Anschauungen so entfremdeten
- Kinder der neuen Kultur erfreuen kann. Keiner der beiden Protagonisten
wird entblößt oder als besser als der andere dargestellt.
Beide haben ihre Fehler, doch lernen sie einander ohne viele Worte
zu verstehen und sich zu vertrauen.
Doch gibt es etwas, was der Regisseur versäumte. Es wird dem
(nicht-islamischen) Zuschauer zu wenig über die Säulen
des Islam erklärt, um die Handlungen
der Protagonisten besser verstehen zu können. So erfährt
man zwar, dass die Pilgerfahrt nach Mekka eine dieser Säulen
des Islam ist, doch fehlen hier Informationen über die anderen
(das Glaubensbekenntnis, das Gebet, die Almosensteuer und das Fasten),
besonders da die Armensteuer in diesem Film von zentraler Bedeutung
ist und ohne Wissen darüber das Ende auch nicht vollständig
verstanden werden kann.
So ist "Die große Reise" zwar ein wirklich schöner
Film, doch sollte man sich ein wenig im Islam auskennen, um ihn
vollständig genießen zu können. Und nebenbei: Auch
die Dreharbeiten entwickelten sich zu einem besonderen Abenteuer:
Mit einem geringen Budget ausgestattet, musste das Team unter anderem
den Ausbruch des Irakkriegs kompensieren, mit Sperrstunden in Serbien
(wegen der Ermordung des Premierministers) und um Drehgenehmigungen
kämpfen, war dafür aber auch die erste Filmcrew, die einen
westlich produzierten Spielfilm in Mekka drehen durfte. Wahrlich
eine reife Leistung und eine große Reise.
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