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Die
"New York High School for the Performing Arts", die seit
ihrer Gründung in den 1930er Jahren talentierten Teenagern,
die sich teuren Privatunterricht nicht leisten können, die
Chance auf eine ordentliche Ausbildung in den schönen Künsten
Tanz, Musik und Schauspiel ermöglichen soll, gelangte 1980
zu weltweiter Berühmtheit durch Alan Parkers Film "Fame",
der
an dieser Schule angesiedelt war und eine Handvoll Schüler
episodenartig durch ihre vier High School-Jahre begleitete. Sein
Erzählkonzept war zugleich auch Hauptproblem des Films, denn
mit seinen zahlreichen Figuren und der erzählten Zeitspanne
von vier Jahren blieb er notwendigerweise fragmentarisch, konnte
nur wenige Ausschnitte aus den Schullaufbahnen und ersten Karriere-Gehversuchen
seiner jugendlichen Helden zeigen - alles, was dazwischen lag, musste
sich der Zuschauer selbst dazu reimen. Außergewöhnlich
und unvergesslich war "Fame" dennoch. Nicht nur wegen
seines von großartigen Songs gespickten Soundtracks, sondern
auch, weil es ihm trotz der erzählerischen Beschränkungen
gelang, wahrhaftige und glaubwürdige Figuren zu erschaffen,
mit denkwürdigen Einzelgeschichten, die auf oft raue und unbeschönigende
Weise darüber reflektierten, dass alle ihre jugendlichen Helden
vom titelgebenden Ruhm träumen, dieser Traum trotz ihres Talents
aber wohl unerreichbar bleiben wird.
Fast drei Jahrzehnte später kam nun jemand auf die Idee, dass
man von "Fame" doch mal ein Remake machen könnte.
Der Gedankengang ist verständlich, denn jugendliche Träume
von Weltkarriere, Ruhm und Reichtum als Sänger, Tänzer
oder Schauspieler haben immer Konjunktur und sind schließlich
auch der Garant für den fortlaufenden Erfolg von TV-Castingshows,
die mit ähnlichen Traumwelten arbeiten wie die von Disney produzierte
"High School Musical"-Reihe mit ihren harmlos-netten Sing-
und Tanzspielen. Ein aus diesem Kalkül geborenes "Fame"-Remake
verabschiedet sich dann entsprechend schon in der Konzeptionsphase
von genau dem, was das Original besonders und erinnerungswürdig
machte: Sein rauer Realismus. Für so etwas ist in auf bedenkenlose
Jugendfreigabe ausgerichtetem Kaugummi-Kino kein Platz.
"Fame"
2009 hat dabei rein oberflächlich mit seinem Vorbild sehr viel
gemeinsam. Sein Erzählansatz und die Struktur (beginnend mit
dem Bewerbungsverfahren, gefolgt von Episoden aus allen vier Schuljahren
bis zur Abschlussfeier) sind identisch, in den Figuren und ihren
Konflikten finden sich zahlreiche Typen und Motive wieder, die auch
schon das Original bevölkerten (lediglich variiert in Geschlecht
oder Hautfarbe), manche Sequenzen werden sogar direkt zitiert (wie
eine spontane Jam Session der gesamten Schülerschaft in der
Mittagspause), bis hin zu einer fast eins zu eins übernommenen
Szene, in der das große Gesangstalent des Films (in diesem
Falle Naturi Naughton als Denise, seinerzeit Irene Cara als Coco)
einsam in einem Konzertsaal am Piano sitzt und das herzzerreißende
"Out here on my own" singt.
Hier hören die Gemeinsamkeiten aber leider auch schon auf,
denn in jeder anderen Hinsicht ist der neue "Fame" die
keimfreie, schöngefärbte und weitgehend konfliktlose Variante
des so viel mutigeren Originals. Klar kann man sowohl von Original
als auch Remake sagen, dass es letztlich eine Teenager-Soap Opera
in Spielfilm-Form gerollt ist. Den entscheidenden Unterschied macht
jedoch die Stärke der Einzelgeschichten, die erzählt werden.
Zum Vergleich: Im Original-"Fame" kamen die Schüler
fast alle aus ärmlichen bis ganz armen Verhältnissen,
es gab offenen Konsum von Alkohol und Marihuana (ohne erhobenen
Zeigefinger), Drogenabhängigkeit, Homosexualität, eine
Abtreibung, einen Analphabeten, eine angedeutete Vergewaltigung
eines Kindes, und eine erschütternde Szene, in der das große
Talent Coco glaubt, an einen Filmemacher geraten zu sein, der ihr
zum Durchbruch verhilft - und feststellen muss, dass es nur ein
schmieriger Pornoproduzent ist, der sie dazu bringt, sich vor der
Kamera auszuziehen.
Im
Remake scheinen die meisten Kids dem gehobenen Mittelstand zu entspringen
(für den diese Schule eigentlich nicht gedacht ist), ein bildhübsches
Pärchen gerät in Streit, weil ein anderer hübscher
Junge dem Mädchen schöne Augen macht; ein High Society-Mädel
lässt sich mit einem Proll ein (wird aber diesmal nicht von
ihm schwanger); ein Vater droht seiner Tochter, sie sofort von der
Schule zu nehmen, sobald sie irgendeine andere Musik als klassisches
Klavier spielt (einsamer Preisträger für den unglaubwürdigsten
Konflikt im ganzen Film); ein wütender junger Mann scheint
kein weiteres Problem zu haben, als in vier Schuljahren irgendwann
endlich mal zuzugeben, dass er geweint hat, als seine kleine Schwester
starb; ein Möchtegern-Regisseur fällt auf einen Trickbetrüger
rein (wobei "Fame" geflissentlich die Tatsache ignoriert,
dass Filmregie nicht zu den auf dieser Schule unterrichteten Künsten
gehört, der Junge da also eigentlich nichts verloren hat);
und als eines der Mädchen besoffen von einem seiner Mitschüler
gefilmt wird, schwört es danach ganz ehrlich und ungelogen
vor seinem Lehrer, dass es noch nie vorher Alkohol getrunken hat,
und das auch nie wieder tun wird. Es läuft hier auch eine Figur
rum, die ganz offensichtlich homosexuell ist, das wird aber im gesamten
Film weder ausgesprochen, noch irgendwie thematisiert.
Konsequenz
dieser uninspirierten Ansammlung von belanglosen Banalitäten:
Die Filmfiguren sind einem allesamt vollkommen egal. Keine von ihnen
bekommt genug Raum oder eine ausreichend starke Geschichte, um echte
Konturen zu entwickeln. Ohnehin sehen alle aus wie direkt einer
Tommy Hilfiger-Werbung entsprungen und keiner der Darsteller kann
kaschieren, dass sie deutlich zu alt für die High School sind.
Niemandem passiert etwas, was man jenseits des 18. Lebensjahres
noch als erwähnenswertes Desaster empfinden würde. Es
fehlt das echte, große Drama, welches das Publikum wirklich
Anteil nehmen lässt und das man auch unbedingt braucht, wenn
man angesichts der mannigfaltigen Handlungsstränge nur so wenig
Zeit hat, um sich jeder einzelnen Figur zu widmen. Im Gegensatz
zum Original umgeht das Remake auch systematisch jegliche realistisch-brutalen
Lektionen darüber, dass der von allen naiv angestrebte Ruhm,
der Wunschtraum von der großen Künstlerkarriere, eine
Seifenblase ist, die für alle zerplatzen wird. Hier bekommen
selbst diejenigen, für die es nicht zum Schulabschluss oder
eine Bühnenkarriere reicht, am Ende noch eine Perspektive aufgezeigt,
mit der sie zufrieden sein können. Wirklich knallhart auf dem
Boden der Tatsachen landet niemand.
So verkommt "Fame" 2009 - wie zu befürchten war
- zu einem kaputt konzipierten, kontroverse- und keimfreien Vermarktungsprodukt,
das sich in seiner konsequenten Harmlosigkeit fast mehr an Eltern
zu richten scheint, die sicher sein wollen, ihre Teenagerkinder
ruhigen Gewissens in diesen Film schicken zu können, während
die Teenagerkinder vermutlich nur noch komplett unbeeindruckt mit
den Augen rollen werden ob dieses hanebüchenen Zeugs, das ihnen
da auf der Leinwand als Drama verkauft werden soll. Dies ist jedenfalls
ein Remake, das seinem Vorbild nicht mal im Ansatz gerecht wird,
und wenn die Macher dieses Films dem Original tatsächlich eine
würdige Referenz erweisen wollten, dann sollen sie sich für
107 Minuten in die Ecke stellen und schämen.
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