Factotum

biopic, usa/norwegen 2005
original
factotum
regie
bent hamer
drehbuch
bent hamer
cast

matt dillon,
lili taylor,
fisher stevens,
marisa tomei, u.a.

spielzeit
94 min.
kinostart
08.12.2005
homepage
http://www.factotum-film.de
bewertung

(8/10 augen)




 

 

 

 


 

 

"Factotum: A Man of Many Jobs"

Charles Bukowski, dass ist der amerikanische Antiheld schlechthin. Für die Protagonisten in den Werken des Literaten und Dichters bleibt der "American Dream" immer nur ein Traum. Ein Schicksal, dass Bukowski am eigenen Leib erfahren musste oder vielleicht auch wollte. Der norwegische Regisseur Bent Hamer (der mit "Kitchen Stories" einen kleinen Arthouse-Hit landete) ist mit "Factotum" (basierend auf dem gleichnamigen Gedichtband von Bukowski) ein beachtliches Biopic der etwas anderen Art gelungen.

Henry Chinaski (Matt Dillon) arbeitet mal hier und mal da. Keine Arbeit behält er sonderlich lange, und immer verschuldet er seine Entlassungen selbst. Von Zeit zu Zeit schickt er selbstgeschriebene Kurzgeschichten an verschiedene Literaturzeitschriften, doch immer ohne Erfolg. Ein nennenswertes Liebesleben hat er nicht. Ab und zu schläft er mit Jan (Lili Taylor), die er in irgendeiner Bar aufgegabelt hat. Henry Chinaski, der Verlierer, und Jan, die Schlampe - zwei hoffnungslose Individuen, die eigentlich nichts zusammenhält außer der Alkohol und der Sex. Es ist kein Liebesverhältnis, es ist vielmehr eine Schmarotzerbeziehung. Der eine nimmt vom anderen was er bekommen kann und umgekehrt. Es zeigt sich ein erschreckendes Panorama der Gleichgültigkeit.

Bent Hamer kleistert Episoden aus diesem trostlosen Leben lose zusammen und projeziert damit ein Bild der Einsamkeit, oder vielmehr der Verlorenheit eines Menschen. Man springt von Episode zu Episode und sieht Henry, wie er sich betrinkt, wie er von seinen Eltern nur noch verachtungsvoll aus dem Haus geschmissen wird, und wie er wieder gefeuert wird oder sich vielmehr feuern lässt. Chinaski beim Gurkensortieren, beim Taxifahren oder beim Eiskleinhacken.
Und dann ist da noch der Henry Chinaski, der schreibt, und es sind besonders diese Momente, welche tief in seine Seele und Persönlichkeit blicken lassen. Es schimmert ein schwacher Mann durch, zerfressen von Selbstzweifeln und Zukunftsängsten. Begleitet wird diese Entblößung durch einen immer wiederkehrenden Off-Kommentar, den seit "Y tu Mama tambien" keiner mehr so künstlerisch genial in einen Film integriert hat wie hier Hamer.

Matt Dillon verkörpert Henry Chinaski, Charles Bukowskis Alter Ego, bemerkenswert gut. Der Drei-Tage-Bart, der Bauch, der aus der Hose quillt, die Tränensäcke und die rot unterlaufenen und unausgeschlafenen Augen spiegeln Chinaskis innerlichen Zerfall wieder. Auch Lili Taylor als Dillons Bettgespielin Jan macht ihre Arbeit mehr als ordentlich. Sie säuft mit Chinaski im Akkord und steht ihm in Sachen Zerfall in nichts nach. Vielleicht kommen die Beiden nicht ganz an Mickey Rourke und Faye Dunaway heran, die 1987 in der Bukowski-Verfilmung "Barfly" ein ähnliches Pärchen spielten, dennoch können Dillon und Taylor mit ihrem Mut zum Säufer-Elend durchaus beeindrucken. Denkwürdig Szenen wie die, in der erst sie aufsteht und sich in die Toilette übergibt, und zwei Minuten später er es genau so wiederholt.

Lakonisch, einfach und leise inszeniert Bent Hamer seinen Film und erinnert damit oft an den tieftraurigen und melancholischen Humor eines Aki Kaurismäki. Dialoge beschränken sich auf ein Minimum. Hier spürt man, dass diese zwar in Amerika gedrehte und mit amerikanischen Stars ausgestattete Geschichte ein sehr europäischer Film geworden ist.

Man verrät nicht zu viel, wenn man sagt, dass zum Schluss eine von Chinaskis Geschichten veröffentlicht wird. Doch er wird das nicht mitbekommen. Er wechselt zu oft den Wohnort. Briefe erreichen ihn nicht. Was also bleibt, ist der Spruch eines Saufkollegen von der Bar, der sagt: "Ich hab viel länger geschlafen, als du je gelebt hast." Und ein stiller Matt Dillon, der in sein Whiskeyglas starrt….

P. Wellinski

 


Name: Frage!
Email: henry@chinaski.com
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

Gibts eigentlich eine Verfilmung von "Der Mann mit der Ledertasche" ?



Name: Antwort!
Email: get@life.com
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

antwort: NEIN



Name: medis
Email: tobiasz_,marek@web.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Sehr entspannter film. komisch und traurig zugleich. hat nur lust auf das buch gemacht! ohne es gelesen zu haben, will ich mir keine große beurteilung erlauben.

das erfreulichste an dem film: matt dillon. hoffentlich bleibt er dem charakter kino erhalten. drauf hat er es allemal! hat mich sehr beeindruckt!




Name: Lars
Email: lars@web.de
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

Hallo



Name: Vegaz
Email: Vegaz@dfdkjfbvskd.de
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

Tolle Seite, in der kritische Bemerkungen zu den Rezensionen nicht eingetragen werden! Wer mit Kritik nicht umgehen kann, sollte es sein lassen, selbst Kritiken zu schreiben! Penner.



Name: Adnan Kiem
Email: ak.mailbox@gmx.de
Bewertung:               (6 von 10 Digital Eyes)

Ein paar Anmerkungen zur Rezension:

1.)Schmarotzerbeziehung ist missverständlich. Es scheint mir nicht so, als würden die beiden sich nicht mögen und nur als Geld- und Sexreserve wahrnehmen. Bezeichnend dafür: Hank verlässt Jan aus Unabhänigkeitsstreben und hinterlässt ihr Geld. Ist das nicht das genaue gegenteil von Schmarotzerverhalten? Ich glaube nicht, dass einer der beiden den anderen besonders ausnutzt und würde ihre Beziehung daher eher als Zweckgemeinschaft bezeichnen, wobei der Zweck vor allem menschliche Nähe ist.

2.) Erst kotzt Hank, dann Jan ;)



Name: x
Email: y
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

2.) Erst kotzt Hank, dann Jan ;)

das stimmt!



Name: 3aK
Email: 3a
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

ein großartiger Film, lustig und bewegend...sollte man sich nicht entgehen lassen



Name: Adnon
Email: ak.mailbox@gmx.de
Bewertung:   

Der bessere Bukowski-Film ist aber, wie ich finde, Barfly.



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Bewertung: von 10 Augen