filmszene special: Spielberg, Hanks und di Caprio bei der "Catch me if you can"-Premiere in Berlin
 
 
 

Aufmarsch der Hollywood- Stars: Leonardo Di Caprio, Tom Hanks und Steven Spielberg in Berlin

Haben "Wetten dass" ungeküsst überstanden:
Hanks, Spielberg und di Caprio

Auch wenn der neue Spielberg-Film "Catch me if you can" eher eine leichte und relativ günstig produzierte Fingerübung darstellt: Ein Werk mit solch großen Namen will ordentlich promotet werden. Und so machten sich neben dem renommierten Regisseur auch die beiden Stars des Films - Leonardo DiCaprio und Tom Hanks - auf nach Deutschland um ein Wochenende lang die Werbetrommel zu rühren. Nach ihrem Auftritt in Deutschlands immer noch populärster Unterhaltungsshow "Wetten dass...?" verschlug es sie am nächsten Tag dann nach Berlin, denn dort galt es am Abend die große Premiere des Films zu feiern. Vorher jedoch stellten sich die drei Musketiere noch tapfer den Fragen der Presse und hielten ihr Konterfei in die Kameras. Und "Filmszene.de" war natürlich immer mit dabei.

Mr. DiCaprio, Sie spielen in "Catch me if you can" die Rolle des Frank Abagnale und haben den echten Abagnale auch getroffen. Was war das für eine Erfahrung?

DiCaprio: Letztendlich eine wundervolle Erfahrung. Allerdings war ich zuerst doch recht skeptisch, was für ein Mensch mich da erwarten würde. Aber mit seinem Charme zerstreut Frank solche Bedenken schnell. Er hat eben auch heute noch eine Ausstrahlung, die vertrauenserweckend ist und ich würde mich sicher von ihm hereinlegen lassen. Ich denke es ist recht offensichtlich, warum es einen Schauspieler reizt diese Rolle zu spielen.

Mr. Hanks, sie spielen den FBI-Agenten Carl Hanratty, der über Jahre hinter Abagnale herjagt. Welche Beziehung entwickeln die beiden zueinander, ist Ihr Charakter vielleicht eine Art Vaterfigur?

Hanks: Mehr ein Doppelgänger. Er führt im Grunde das gleiche Leben, ist ständig unterwegs und unter Stress. Nur da er auf der richtigen Seite des Gesetzes steht, kann er nachts ruhiger schlafen.

Die Teenies flippten nicht nur bei Leo aus:
Tom Hanks schreibt emsig Autogramme.

Mr. Spielberg, sie selbst können sich vielleicht am besten mit Ihrer Hauptfigur identifizieren, denn als Jugendlicher haben Sie sich angeblich selbst mal auf das Set der Universal Pictures geschlichen und sich dort als Mitarbeiter ausgegeben. Möchten Sie uns diese Geschichte vielleicht mal erzählen?

Spielberg: Nein, eigentlich nicht (lacht). Das stimmt zwar, aber ich möchte dazu sagen, dass das nicht der Hauptgrund dafür war, dass ich diese Geschichte verfilmen wollte. Was mich gereizt hat war diese Figur, die es schafft so viele verschiedene Persönlichkeiten anzunehmen. Und als ich dann erfuhr, dass es diesen Mann wirklich gibt und alles wahr ist, wollte ich den Film unbedingt machen. Das Skript hat mir übrigens Leo direkt ins Büro gebracht.

Sie sind sonst ja eher für Filme mit aufwändigen Spezialeffekten bekannt, wie in Ihren letzten beiden Werken "A.I." und "Minority Report". Glauben Sie, dass die Zukunft des Filmemachens auch weiterhin bei immer mehr technischem Aufwand liegt?

Spielberg: Auch "Catch me if you can" hat seine Spezialeffekte, nur sieht man sie hier nicht. Und solche Effekte sind doch eigentlich auch die Besten. Dank der Technik können wir heute alles Mögliche zeigen, aber die Effekte sollten letztendlich immer nur dazu da sein, die Geschichte zu unterstützen und nicht als Selbstzweck fungieren. In "Minority Report" hat meiner Meinung nach genau das wunderbar geklappt: Die Effekte unterstützen die Story, aber die steht eindeutig im Vordergrund. Niemand sollte nach dem Besuch eines Films sagen "Toll anzusehen, aber worum ging es eigentlich?"

"Jaaa, der ist sexy!"
Und er meint Spielberg ...

Mr. Hanks, wie ist es denn so mit einem großen Sexsymbol zu arbeiten?

Hanks: Nun, jeder Schauspieler der Welt würde es als große Ehre bezeichnen mit Steven arbeiten zu können (Gelächter). Ach, Sie meinen den da (zeigt auf DiCaprio)? Nun, ich denke wir haben es ganz gut hingekriegt wen wir mal zusammen in einem Zimmer waren. Aber das kam auch eher selten vor, denn die meiste Zeit unterhalten wir uns im Film ja nur übers Telefon. Aber ich denke wirklich, Leo ist einer der besten Schauspieler seiner Generation. Ich bin alt genug um das sagen zu dürfen.

Mr. Spielberg, können Sie uns sagen, welche Szenen im Film tatsächlich passiert sind und welche sie sich zusätzlich ausgedacht haben?

Spielberg: Natürlich habe ich aus dramaturgischen Gründen vieles etwas umgestellt und auch einige Gags eingebaut. Aber all die Stationen die Abagnale durchläuft, vom Piloten bis zum Arzt und Juristen, entsprechen den Tatsachen. Auch dass er mit 16 nach der Scheidung seiner Eltern davon gerannt ist stimmt. Aber der vielleicht bedeutendste Unterschied ist, dass der echte Frank seinen Vater danach nie mehr wieder gesehen hat, während die Filmfigur den Kontakt aufrecht erhält. Ich brauchte diese Beziehung, um dem Charakter mehr Tiefe zu geben und seine Einsamkeit am Ende deutlich zu machen.

Mr. DiCaprio, gerade bei Ihnen sind Presse und Medien immer auch sehr an Ihrem Privatleben interessiert und nicht nur an Ihrer Arbeit. Wie gehen Sie damit um?

DiCaprio: Das muss einem einfach bewusst sein, wenn man in dieses Business kommt. Natürlich gibt es diese Zeiten, wo man sich vorkommt als läge man unter einem Mikroskop und wird bis ins Detail seziert und irgendwelche Aussagen werden bewusst falsch interpretiert. Andererseits bin ich aber viel zu glücklich darüber in diesem Geschäft und mit diesen Leuten arbeiten zu können. Daher bin ich bereit mit diesen Nebenwirkungen zu leben, mehr kann ich dazu nicht sagen.

Hat das ewige Aufschieben von
"Indy 4" ein Ende? Er sagt Ja.

Hollywood produziert immer mehr Fortsetzungen erfolgreicher Filme und geht anscheinend nur noch auf Nummer Sicher. Gibt es denn keine neuen Ideen mehr?

Spielberg: Nun, ich bin ganz sicher nicht hier um meine eigene Industrie zu kritisieren. Und da ich selbst schon einige Fortsetzungen gemacht habe, wie z.B. "Jurassic Park" wäre das wohl auch nicht sehr glaubwürdig. Ich habe übrigens fest vor, den vierten "Indiana Jones"-Film 2004 zu inszenieren. Und das ist auch okay, denn wir sind schließlich da um Geschichten zu erzählen, und wenn eine so gut ankommt, dass das Publikum geradezu nach mehr verlangt, dann bedeutet das für mich aus gutem Grund: Wir machen eine Fortsetzung. Aber ich behaupte trotzdem, dass auf jeweils zwei Fortsetzungen immer noch 10 Originale kommen. Es gibt also genügend Platz für neue Ideen und Sequels sind eine "Minority" in meinem Report über dieses Thema.

Tom Hanks: Ich werde mich ebenfalls an einem Remake beteiligen, nämlich der Neuverfilmung von "Ladykillers", wo ich dann wohl an Alec Guiness gemessen werde. Aber ist das ein Grund den Film nicht zu machen? Für mich jedenfalls nicht.

Mr. DiCaprio, "Catch me if you can" spielt ja in den sechziger Jahren. Wie gefällt Ihnen diese Zeit oder sind sie doch froh, etwas später geboren zu sein?

DiCaprio: Die Zeit gefällt mir schon, aber ich lebe auch ganz gerne heute. Die Sechziger sind aber auf jeden Fall von großer Bedeutung für den Film denn ich denke, dass das was Frank Abagnale da gemacht hat so heute nicht mehr möglich wäre. Die Zeit war naiver, die Leute gutgläubiger und mit einer Uniform noch leicht zu beeindrucken. Im heutigen Zeitalter der Computersysteme würde das alles wohl nicht mehr funktionieren.

Eine Frage an Mister Spielberg: Ist es wahr, das Sie vorhaben den europäischen Comic-Klassiker "Tintin" (= "Tim & Struppi") als Realfilm zu produzieren und was halten Sie alle Drei allgemein von Comics als Vorlagen für immer mehr Hollywoodfilme?

Der Mann ist nicht nur cool,
er liest auch noch coole Comics.

Spielberg: Comics sind eine Quelle, eine von vielen. Aber ich hatte noch nie Vorurteile gegen sie, auch nicht als dieses Medium noch ein etwas schlechteres Image hatte. In "Catch me if you can" habe ich ja auch ganz bewusst die alten "Flash"-Comics eingebaut. Für "Tintin" hatte ich vor Jahren schon mal eine Option, aber da stand ich wohl nicht so ganz dahinter. Jetzt habe ich gemeinsam mit meinen Kindern die Geschichten wieder entdeckt und möchte den Film unbedingt produzieren, Regie führen werde ich allerdings nicht.

DiCaprio: Im Geschäft meines Vaters wurden viele Comics verkauft, daher bin ich praktisch damit aufgewachsen. Ich habe mich aber nie besonders für dieses Superheldenzeug begeistert sondern eher für Undergroundcomics. Und heute ist die Bandbreite noch viel größer, Sachen wie das ebenfalls verfilmte "Ghost World" zum Beispiel sind einfach großartig.

Hanks: Was viele gar nicht wissen ist, dass auch mein letzter Film "Road to Perdition" auf einer Comicvorlage beruht.

Gibt es zwischen Ihnen Dreien denn schon Pläne für eine weitere Zusammenarbeit?

Hanks: Mit Steven werde ich wohl schon Ende des Jahres wieder an einem neuen Projekt arbeiten. Und mit Leo gibt es zwar noch keine Pläne aber eine große innere Bereitschaft.

Text: V. Robrahn
Fotos: Jens-Christof Niemeyer