filmszene special: Interview mit den "All Inclusive"-Darstellern Kristen Bell und Jason Bateman
 
 

Sie war bisher vor allem im Fernsehen erfolgreich, spielte vier Jahre lang die High School- und College-Detektivin "Veronica Mars" und übernahm eine längere Gastrolle bei den "Heroes". Er ist dagegen auch im Kino seit einiger Zeit gut im Geschäft, war neben Will Smith in "Hancock" und im Überraschungserfolg "Juno" zu sehen. Zum Filmszene-Interview erschien das therapiebedürftigste der vier "All Inclusive"-Paare alias Kristen Bell und Jason Bateman dann auch prompt gemeinsam.

Filmszene: Ich erwarte von Euch eigentlich ein durchorganisierte Power Point-Präsentation, um die komplexe Beziehung Eurer Charaktere zu verdeutlichen.

Jason Bateman: Das ist natürlich auch genau die Art, wie wir es gerne hätten, aber leider passte die Flipchart nicht mehr mit ins Gepäck. Nein, ernsthaft gesprochen waren diese speziellen Charaktereigenschaften natürlich die Idee der schlauen Leute, die das Skript verfasst haben. Wir sind ja nur die Dummys, die dann die Vorgaben versuchen auszuführen. Wir denken uns so was doch nicht aus, wir lernen nur brav unsere Texte. Wir, insbesondere ich, sind da nicht die Spur kreativ.

Was hat Dich, Jason, denn an dieser Produktion gereizt?

Bateman: Der Hauptgrund war sicherlich mit einigen Leuten arbeiten zu können, die ich sehr respektiere und verehre. Klingt das jetzt anbiedernd? Ist aber so gemeint. Ich glaube nicht, dass der Film selbst nun in irgendeiner Form besonders faszinierend ist, es hatte auch keiner der Macher die Intention hier etwa Oscar-Material abzuliefern. Es ist ein reiner Unterhaltungsfilm, der vor allem Spaß machen soll und uns hat er das jedenfalls. Bora Bora war der Hammer, das kann man nicht anders sagen.

Hat dies paradiesische Atmosphäre denn zusätzlich beflügelt und motiviert? Oder war dadurch einfach nur der Spaß-Faktor entsprechend hoch?

Kristen Bell: Es war genauso lustig wie es leicht surreal war. Für ein paar Wochen mit einigen der witzigsten Typen der Welt im Paradies festzusitzen war eine Situation, wie man sie sonst eigentlich nie erlebt. Wir haben zudem auch genau dort gelebt wo wir gedreht haben, denn die Anlage wurde extra vorübergehend geschlossen. Es ist wirklich nicht einfach, da exakt zwischen Arbeit und Urlaub zu unterscheiden.

Jason Bateman und Kristen Bell
beim Interview in Hamburg

Ist es richtig, dass dies seit mehreren Jahrzehnten der erste Film ist, der auf der Insel gedreht wurde?

Bell: Ja, es überrascht mich auch etwas, dass sonst niemand die Möglichkeiten dieses Ortes für einen Film ausnutzt. Die einleuchtendste Erklärung ist vielleicht die, dass es nicht gerade einfach ist all die Leute und die Ausrüstung dorthin zu schaffen.

Hat einer von Euch schon mal so eine Art Paartherapie in Anspruch genommen?

Bell: Ich habe das schon mal gemacht, ja. Freiwillig natürlich und nicht von anderen aufgezwungen wie in unserem Film, denn sonst macht es sicher wenig Sinn. Ich halte das auch für eine wundervolle Option, die dieses Stigma, etwas für Schwächlinge zu sein, überhaupt nicht verdient hat.

Bateman: In Los Angeles ist jede Form von Therapie ja sehr verbreitet, das ist dort für viele nicht anders als Essen zu gehen. Ob diese Lebenseinstellung gut und sinnvoll ist, keine Ahnung. Das wird wohl erst die Zeit beweisen.

Es sieht jedenfalls noch nicht so aus, als würden all diese Einrichtungen und Entwicklungen dazu führen, dass Männer und Frauen nun plötzlich problemlos miteinander zurecht kommen.

Bateman: Was natürlich gut für Leute wie uns ist, denn das liefert dann ja jede Menge Stoff und die Grundlage für sowohl Komödien als auch Dramen. Was ich wirklich gut finde, denn mir sind Leute ja suspekt, die sich mehr um sprechende Roboter oder Aliens sorgen als um andere Menschen.

Wie viel von dem Kontrollfreak Jason aus dem Film steckt im tatsächlichen Jason Bateman?

Bateman: Ich bin vermutlich eher der ganz normale, langweilige Typ den ich sonst oft in meinen Filmen spiele. Auch wenn wir da natürlich im Bezug auf den Komödienaspekt etwas übertrieben haben, hab ich vermutlich selbst mit einer Light-Version meiner Filmfigur nicht viel gemeinsam. Aber allzu unsympathisch ist die ja trotz ihrer Macken dann auch wieder nicht. Darf sie auch nicht sein, wenn das Publikum einen Zugang zu ihr finden und der Film erfolgreich sein soll.

Was er ja definitiv ist, denn 35 Millionen Dollar am ersten Wochenende für einen im Oktober gestarteten Film sind ja ein sehr gutes Ergebnis.

Bateman: In der Tat und soviel ich weiß, hat Kristen sich damit gerade einen Bonus von zwei Millionen Dollar verdient, den sie vorher ausgehandelt hatte (grinst). Nein, das sind natürlich sehr erfreuliche Nachrichten für uns gewesen und es wäre schön, wenn der Film auch hier gut ankommt.

Kristen, Du warst recht lange in erster Linie als "Veronica Mars" bekannt. Wie groß ist oder war die Sorge, dass das Publikum Dich vielleicht gar nicht in anderen Rollen sehen oder akzeptieren will?

Bell: Ich bin sicher, dass ich irgendwo ganz tief drinnen in mir, diese leichte Angst gespürt habe, aber ich hab mir vorgenommen darüber einfach nicht allzu sehr nachzudenken. Als Schauspieler bist Du immer auf der Suche nach guten und interessanten Rollen und ich möchte noch viel Neues ausprobieren. Auch wenn für mich der "Veronica Mars"-Charakter natürlich immer einen ganz besonderen Platz einnehmen wird und ich ihn auch ein wenig vermisse. Aber ich bin doch selbstbewusst genug, um davon überzeugt zu sein, dass dies noch nicht alles war.

Ist Deine Zeit bei "Heroes" bereits beendet?

Bell: Das war von vornherein nur ein Engagement für einen begrenzten Zeitraum und ist bereits wieder vorbei, was aber auch in der Natur und dem Schicksal meiner Figur dort begründet ist. Dafür habe ich aber gerade "When in Rome" abgedreht, eine romantische Komödie mit ein wenig mehr Testosteron als üblich, denn es geht um ein Mädchen zwischen gleich fünf Männern.

Jason, Du bist zur Zeit in einem großen Film nach dem anderen zu sehen, wir hatten innerhalb kurzer Zeit "Juno", "The Kingdom", "State of Play" und "Hancock". Wonach wählst Du Deine Rollen aus?

Bateman: Eine große Rolle spielen natürlich die Leute, die in die jeweiligen Projekte involviert sind. Aber ich möchte gar nicht den Eindruck erwecken, als wenn ich nun immer die riesige Auswahl hätte. Ich habe im Moment sicher eine Phase, in der mich diejenigen, mit denen ich gerne arbeiten möchte auch anrufen. Aber es sind auch oft kleinere Rollen und man kann wirklich nicht sicher sein, wie lange das anhält. Aber es ist doch einfach schön überhaupt gefragt zu werden, nicht wahr? Ich bin da grundsätzlich recht fatalistisch und nehme es halt, wie es kommt.

Interview und Foto: V. Robrahn